Klo im Container, Lärm und Dreck: Bewohner beklagen unerträglichen Zustand

Seit drei Monaten: Mieter hausen im Baustellen-Chaos

Überall in Rhein-Main werden Häuser modernisiert und saniert – meist im bewohnten Zustand. Die Mieter eines Offenbacher Mehrfamilienhauses trifft es besonders hart: Seit mehr als drei Monaten leben sie in einer Dauerbaustelle. Von Kristina Bräutigam

Offenbach – Reste von Bauschutt liegen im Flur der Zwei-Zimmer-Wohnung, Regale, Fensterbank und Küchentisch sind mit einer dicken Staubschicht überzogen, im Nebenzimmer hämmert die Bohrmaschine ununterbrochen. „Das ist keine Wohnung. Das ist eine Baustelle“, sagt Katharina Kipphan. Auch Nachbarin Gerlinde Krug, die ein Stockwerk tiefer wohnt, ist mit den Nerven am Ende: „Keiner von uns kann schlafen. Es ist der reinste Terror“, sagt die 75-Jährige. Schuld am Mieterfrust ist die Baugenossenschaft Offenbach (GBO). Seit Mitte Juli lässt das Unternehmen die drei Häuser in der Birkenlohrstraße umfangreich sanieren. Nicht nur Fassade und Dach sind von den Instandsetzungsmaßnahmen betroffen, sondern auch die 18 Wohnungen. Die Folge: Dreck und Lärm, von morgens bis abends.

Doch es kommt noch dicker: Weil auch alle Badezimmer modernisiert werden, müssen die Mieter seit fünf Wochen die zwei Container im Hof benutzen, wenn sie duschen oder das Klo benutzen möchten. Besonders für die vielen älteren Bewohner ist das eine Katastrophe. „Ich habe eine operierte Hüfte. Jeder Gang ist eine Qual für mich“, sagt Gerlinde Krug. Auch Katharina Kipphan ist gehbehindert, muss nachts bis zu viermal auf die Toilette. Damit sie im Dunkeln nicht aus dem zweiten Stock bis zum Container und zurück laufen muss, hat die GBO ihr ein Campingklo zur Verfügung gestellt. „Aber wie soll ich das schwere Ding denn ausleeren“, sagt die Seniorin. Zum Waschen hat sie sich eine Schüssel ins Schlafzimmer gestellt. „Was soll man denn machen?“, fragt die 76-Jährige.

Von ihrem Vermieter fühlen sich die Bewohner nicht ernst genommen: Zwar hatte die GBO die Miete von Juli bis September als Entschädigung um 33 Prozent gesenkt. Doch seit Oktober müssen die Mieter wieder die volle Miete zahlen. „Das ist eine Unverschämtheit. Unsere Lebensqualität ist seit mehr als zwei Monaten gleich null, und wir sollen zahlen“, sagt Wolfgang Dußmann, dessen schwerkranke Frau mehrere Abende ohne funktionierende Heizung frieren musste. Eine so umfangreiche Sanierung über mehrere Monate könne man durchführen, wenn die Wohnungen leer stehen. „Aber nicht im bewohnten Zustand.“

Was den Rentner außerdem ärgert: Viele Mieter hatten vor der Modernisierungsmaßnahme selbst viel Geld in die Renovierung ihrer Wohnungen gesteckt. Katharina Kipphan hat unter anderem neue Heizungen einbauen lassen, Wolfgang Dußmann erst vor einem Jahr sein Bad komplett renovieren lassen, inklusive neuer Fliesen und Badewanne. Jetzt wurde alles wieder rausgerissen. „Damals sagte man mir, es steht keine Sanierung an. So habe ich viel Geld investiert und das will ich zurück“, sagt der Rentner. Mitte November, zwei Wochen später als geplant, sollen die Bauarbeiten abgeschlossen sein. Die Mieter dürfen sich dann auf Ruhe, neue Fenster und Balkone sowie modernisierte Bäder freuen. Umsonst ist der neue Luxus allerdings nicht: Nach Abschluss der Bauarbeiten werden die Mieten um rund 30 Prozent angehoben.

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