Ortsbeirat wütend: Seit Jahren ist Blick auf historisches Bauwerk vermüllt

Schrott an der Staufenmauer

In der Vergangenheit lud vor der Staufenmauer zeitweise ein Gastronomiebetrieb zu einem Kaffee vor historischer Kulisse. Heute verkommt der Platz. Foto: rf

Im Mittelalter sollte die Staufenmauer die Stadt vor Angriffen schützen. Doch wer schützt heute das historische Bauwerk vor Vermüllung? Niemand, sagt der Ortsbeirat. Er fordert die Stadt auf, die Pläne zur Umgestaltung des Platzes endlich umzusetzen. Von Rebekka Farnbacher

Frankfurt – Man möchte meinen, sie sei eine der historischen Sehenswürdigkeiten Frankfurts. 1180 erbaut, sieben Meter hohes Mauerwerk zum Schutz der Altstadt, 1711 nach Brand des angrenzenden jüdischen Ghettos erneuert. Die Rede ist von der Staufenmauer, die sich unweit der Konstablerwache mit ihren Torbögen vor einem Wohnblock erhebt. Doch kaum ein Tourist verirrt sich zu diesem Monument. Kein Wunder: Auf dem eingezäunten Grundstück vor dem Mauerwerk stapeln sich blaue Müllsäcke, der Boden ist übersät mit Unrat, ein abgerissener Staubsaugerkopf liegt auf einem Mauervorsprung, in einem Container ist Bauschutt gesammelt, in einer Ecke liegen Metallrohre. Dazwischen zwei parkende Autos. Ein älterer Passant schüttelt den Kopf. „Seit Jahren sieht das hier so aus. Das ist einfach nur ekelhaft!“

Auch im zuständigen Ortsbeirat sorgt die Dauer-Müllhalde für Ärger. „Es ist eine Schande, dass der Magistrat seit vielen Jahren die Vermüllung des Bereichs sehenden Auges duldet und durch die Vermietung offensichtlich sogar fördert“, sagt Ortsbeiratsmitglied Andreas Laeuen, der vermehrt darauf aufmerksam gemacht hat, dass der Anblick nicht mehr zumutbar ist.

Seit mehr als 20 Jahren ziehe sich dieses Trauerspiel nun schon hin. Zwischenzeitlich war ein Gastronomiebetrieb auf der Fläche, der laut Laeuen auch recht gut gelaufen ist. Auch seien Pläne im Stadtparlament verabschiedet worden, das Grundstück umzugestalten. Der Baubeginn war für die zweite Jahreshälfte 2018 angesetzt worden. Doch statt Verschönerung: Unrat, Sperrmüll, Bauschutt.

„Ja, es gibt entsprechende Pläne“, bestätigt Markus Gellert, Sprecher im städtischen Planungsdezernat. „Die Umsetzung verzögert sich aber vermutlich bis in die erste Jahreshälfte 2020.“ Grund dafür seien andere Baumaßnahmen rund um die Zeil. Dabei klangen die Ideen vielversprechend: „Der Platz an der Staufenmauer bietet die Möglichkeit, einen hochwertigen Aufenthaltsbereich an der Fahrgasse auszubilden und für die Reste der ehemaligen Stadtmauer ein angemessenes Umfeld zu schaffen“, heißt es in der Magistratsvorlage von 2012. Vorgesehen sind Sitzgelegenheiten, Bäume und Vitrinen, die örtliche Ausgrabungen zeigen sollen. Doch aktuell sieht es noch anders aus. „Wir haben die Fläche zur temporären Nutzung an die VGF vermietet“, erklärt Günter Murr, Sprecher im Dezernat für Bau und Immobilien, die das Areal verwaltet. Der unschöne Anblick sei zwar ein altes Thema, aber aufgrund der bestehenden Verschönerungspläne lohne es nicht, in der Zwischenzeit eine andere Nutzung anzuregen.

Andreas Laeuen wirkt, als glaube er an die Umsetzung dieser Pläne nicht mehr: „Wenn der Magistrat nicht in der Lage ist, dieses Grundstück in geeigneter Weise zu bewirtschaften, sollte er es besser verkaufen, um darauf dringend benötigte Wohnungen errichten zu lassen. Dann bleibt der Allgemeinheit der Anblick dieses Müllplatzes erspart.“

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