Die Frankfurterin Monika Molitor gibt Einblick in ihre geheimnisvolle Welt aus Ritualen und Magie

Rhein-Mains Hexen zaubern nicht, sondern nutzen jetzt Whatsapp

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Monika Molitor bei der Vorbereitung eines Rituals.   

Sie können weder hellsehen noch das Wetter beeinflussen. Mit der mythischen Figur haben moderne Hexen nicht viel gemeinsam. Doch auch sie treffen sich aus Angst um ihre Sicherheit im Geheimen, um ihre uralten Rituale zu vollziehen.

Region Rhein-Main – Eine Hakennase, einen Raben auf der Schulter, einen spitzen Hut auf dem Kopf und eine Warze im Gesicht haben sie nicht – die modernen Hexen. Eigentlich wollen sich viele von ihnen nichtmal als Hexe bezeichnen. „Viele Frauen scheuen den Begriff wegen seiner Vorgeschichte. Sie finden ihn zu reißerisch und zu spektakulär“, sagt Monika Molitor. Die 53-jährige Frankfurterin hat weniger Probleme mit der Bezeichnung, ist sich den damit verbundenen Vorurteilen aber bewusst. „Für die meisten Menschen sind Hexen wilde Frauen, die andere verfluchen, verzaubern, hellsehen können, das Wetter beeinflussen und Kräuterwissen haben“, sagt sie. Dabei handele es sich aber um eine mythische Figur, mit der sie und andere moderne Hexen nicht viel gemeinsam haben. Ihnen geht es vielmehr darum, eine Naturreligion zu feiern. „Wir sind eine spirituelle Frauenbewegung. Uns ist ein bewusstes Leben mit der Natur und wechselnden Jahreszeiten wichtig. Mit Magie hat das meist weniger zu tun“, sagt die Frankfurterin.

Rituale erfordern Übung 

Dass sie anders als andere Menschen ist, entdeckte Monika Molitor vor vielen Jahren. „Ich habe irgendwann gemerkt, dass ich eine Begabung habe und viel feinfühliger und emphatischer bin. Ich spüre zum Beispiel, wenn es anderen Menschen nicht gut geht.“ Für sie ist das eine der Grundeigenschaften einer Hexe. Dazu kommt ein zweiter wichtiger Teil: Wissen aneignen. „Ich habe selbst wochenlang Tarotbücher gepaukt, um besser wahrsagen zu können. Und auch ein Ritual zu führen, muss man üben.“

Zwischen 16 und Mitte 60 sind die Frauen in ihrem Ritualkreis, zuletzt waren sie 20 Teilnehmerinnen. Inzwischen hat sich der Kreis aber geteilt, der weiterhin offen für neue Mitglieder ist. Die Kommunikation miteinander ist einfach. Monika Molitor: „Wir sind moderne Hexen, wir nutzen auch Whatsapp.“ Gemeinsam feiern die Teilnehmerinnen die acht Jahreskreisfeste wie Sommer- und Wintersonnenwende, Lichtmess, Allerheiligen oder Walpurgis. Doch das ist in einer stark bebauten Region wie Rhein-Main gar nicht immer so einfach. „Der ideale Ort für unser Ritual an Allerheiligen wäre eigentlich eine Höhle, für die Lichtmess wiederum ein eisbedeckter Bach“, sagt die 53-Jährige. „Weil die Orte natürlich schwer zu finden sind, müssen wir Kompromisse eingehen. Also feiern wir unsere Feste drinnen, oder auch mal in einem Garten.“ Um an diesen teilnehmen zu können, nehmen einige Frauen auch lange Anfahrtswege in Kauf, sagt sie. „Viele Menschen in unserem Umfeld wissen nämlich gar nicht, dass wir Hexen sind. Das hat auch mit Selbstschutz zu tun.“ So bleiben manche häufig weiter Mitglied in der Kirche, um Kritikern aus dem Weg zu gehen.

„Wir werden auch gerne mal in die rechte Ecke gestellt“

Immer wieder musste sich auch die Frankfurterin, die tagsüber als Psychologin arbeitet und deshalb nicht erkannt werden will, mit diesen auseinandersetzen – unter anderem aus ihrem beruflichen Umfeld. Es kam zu Auseinandersetzungen mit Vorgesetzten. Christen wiederum warfen ihr vor, Satan anzubeten oder schwarze Magie anzuwenden. „Wir werden auch gerne mal in die neue rechte Ecke gestellt, mit der wir nichts zu tun haben“, sagt sie. Aber sie weiß auch: Es gibt diese neu-heidnischen Kreise, die der rechten Szene angehören und neu-germanische Kulte wiederbeleben. „Ich sage immer den Frauen, die auf der Suche nach einem Kreis sind: ‘Seht ihr bei einem Treffen Springerstiefel, ist das nicht der richtige Kreis für euch!’“

Monika Molitor und ihr Ritualkreis sehen sich vielmehr in der Nachfolge früherer Hexen. „Vor allem an Allerheiligen gedenken wir aller verfolgten Frauen und Männer, unserer Ahnen.“ Hunderte Menschen brannten im 17. Jahrhundert in Rhein-Main auf den Scheiterhaufen – verurteilt als Hexen. Doch es ist kein Phänomen aus der Vergangenheit. „Auch heute werden in Afrika Menschen als Hexen verfolgt – auch an sie denken wir häufig.“

Von Julia Oppenländer

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