Umweltverschmutzung

Rhein-Main-Gebiet: Immer wieder Reifen im Wald - Jagd auf die Gummi-Gangster

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Ordnungspolizist Rainer Appel steht zwischen den Reifen, die illegal im Hainburger Wald entsorgt wurden.
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Immer wieder entsorgen Unbekannte haufenweise Reifen illegal in Rhein-Mains Wäldern: Zuletzt 117 Reifen in Hainburg. Bei der Ordnungspolizei glaubt man, dass die Fälle zusammenhängen – und will gemeinsam ermitteln.

Region Rhein-Main – „Ich arbeite jetzt 36 Jahre als Ordnungspolizist, aber das ist wirklich ein Extremfall“, sagt Rainer Appel sauer. Vor ihm im Wald liegen 117 Reifen – illegal im Hainburger Naturschutzgebiet abgeladen. Spaziergänger hatten diese entdeckt.

„Das ist einfach eine riesige Sauerrei“, so der Ordnungspolizist. Aber die Zeit dafür sei günstig, weil es früh dunkel wird und abends nicht mehr viele Menschen unterwegs sind, die die Täter im Wald stören könnten. Doch immerhin: Inzwischen gibt es eine erste heiße Spur zu den Umweltsündern: „Auf drei Reifen sind Auto-Kennzeichen geschrieben – da überprüfen wir jetzt die Halter. So kommen wir vielleicht an den eigentlichen Täter.“ Außerdem steht er in engem Kontakt mit Polizei sowie Ordnungsämtern weiterer Kommunen. „Es kann ja kein Zufall sein, dass sich momentan im Kreis die Meldungen mit den illegal entsorgen Reifen so häufen“, sagt der 61-Jährige. „Da müssen wir jetzt zusammenarbeiten.“

Denn auch Dietzenbach hat mit den Müllablagerungen zu kämpfen: Seit August sind hier mehr als 1200 Reifen entdeckt worden – erst vergangene Woche rund 70 Stück im Bereich des Gewerbegebiets Süd am Angelweiher. Inzwischen hat die Stadt sogar eine Belohnung von 500 Euro für Hinweise ausgelobt, die zur Ergreifung der Täter führen. Und auch Offenbach kämpft gegen die Umweltsünder, nachdem Anfang des Monats etwa 200 Altreifen im Feld gegenüber der Strahlenbergerstraße abgeladen wurden. „Bei der großen Menge alter Reifen muss es sich um eine gewerbliche Entsorgung handeln“, sagt Christian Broos, Leiter der Stabsstelle „Sauberes Offenbach“. Hier haben die Müllermittler des städtischen Ordnungsamts aber bisher noch keine Spur, wie Chef Daniel Krüger sagt: „Markierungen oder Zettel einer Werkstatt wären mal ein Anhaltspunkt.“ Den Ärger haben erst mal die Kommunen. „Die Reifen aus dem Wald zu schaffen und zu entsorgen, kostet Hainburg gut 1000 Euro“, sagt Rainer Appel. Deshalb werden vor allem Spaziergänger um Hilfe geben, ungewöhnliche Vorkommnisse melden. „Vielleicht ist einem aber auch bei einer Werkstatt ein riesiger Reifenberg aufgefallen, der jetzt plötzlich nicht mehr da ist.“ Bisherige Ermittlungen zeigen, dass „es sich wohl um einen osteuropäischen Reifen-Entsorger handelt, der bei Autohäusern und Reifenhändlern die Altreifen abholt, die noch für Osteuropa brauchbaren Reifen aussortiert und den Rest dann illegal entsorgt.“ Wird der Umweltsünder geschnappt, droht ihm ein Bußgeld von 100.000 Euro.

Von Julia Oppenländer

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