Reservieren und nicht kommen: Unsitte macht Wirte wütend

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Steffen Waitz, Inhaber des Landhotels Waitz, beklagt die mangelnde Wertschätzung vieler Gäste. "Leere Plätze kosten uns Geld."

Eine Unsitte macht der Gastronomie zu schaffen: Gäste reservieren und kommen nicht. Auch Rhein-Mains Gastronomen haben langsam die Nase voll. Sie beklagen einen enormen wirtschaftlichen Schaden. In Frankfurt wollen sich die Wirte jetzt wehren. Von Kristina Bräutigam

Region Rhein-Main – Das Restaurant Hirschgarten liegt idyllisch mitten in den Wäldern Bad Homburgs. Die Location ist gefragt. Trotzdem bleiben regelmäßig Tische leer. Der Grund sind Gäste, die reservieren, dann allerdings nicht erscheinen. Absage: Fehlanzeige. „Wir erleben etwa ein- bis zweimal wöchentlich, dass Gäste einfach nicht kommen“, sagt Geschäftsführer Peter Stürtz. Seit mehr als 30 Jahren ist der gebürtige Frankfurter in der Gastronomie tätig, 17 Jahre hat er den Feldberghof betrieben. Stürtz liebt seinen Job. Die sogenannten „No-Shows“, wie das Nicht-Erscheinen in der Branche heißt, treiben ihn allerdings zur Weißglut. „Wenn das Restaurant ausgebucht ist und ich anderen Gästen absagen musste, ärgert man sich natürlich grün und blau, wenn am Feiertag zwei große Tische leer bleiben“, sagt Stürtz. Die No-Shows kosten nicht nur Nerven, sondern auch Geld: Kann ein geblockter Tisch nicht kurzfristig neu vergeben werden, bleibt der Wirt auf den Kosten für Personaleinsatz und Lebensmittel sitzen. „Erscheint eine größere Gruppe nicht, entsteht ein erheblicher finanzieller Schaden, den man nicht ersetzt bekommt“, sagt der Hirschgarten-Chef.

Auch anderen Gastronomen in Rhein-Main macht die Unsitte zu schaffen. „Dass Gäste trotz Reservierung nicht auftauchen, erlebe ich jeden Abend. Es ist leider ein regelrechter Trend, dass Leute in mehreren Läden gleichzeitig reservieren und sich dann spontan entscheiden“, sagt James Ardinast, der gemeinsam mit seinem Bruder drei Restaurants in Frankfurt betreibt. Im „Stanley Diamond“ im Bahnhofsviertel machen No-Shows mittlerweile sogar 20 bis 30 Prozent der Reservierungen aus. Für das kleine Restaurant, das auf gehobene Küche setzt, eine Katastrophe. „Wir haben nicht viel Laufkundschaft, die Tische bleiben meist leer“, sagt Ardinast, der auch stellvertretender Vorsitzender der Initiative Gastronomie Frankfurt (IGF) ist. Alexander Hess, Direktor des Main-Tower-Restaurants in Frankfurt, hat dasselbe Problem: „Gerade zu Messezeiten haben wir massive Probleme mit Stornos. Aber auch sonst kommt es öfters vor, dass Gäste einfach nicht erscheinen.“

Um leere Plätze zu vermeiden, kontaktieren viele Gastronomen ihre Gäste vorher telefonisch oder per Mail, und lassen sich die Anzahl bestätigen. Ein immenser Aufwand, der sich nicht immer lohnt. „Es passiert trotzdem oft, dass statt der sechs Gäste doch nur drei erscheinen. Besonders in der Weihnachtszeit, wenn jeder Platz zählt, ist das ein Riesenärgernis“, sagt Steffen Waitz, Inhaber des Landhotels Waitz in Mühlheim-Lämmerspiel. „Die Gäste haben kein Bewusstsein für den Schaden, den sie anrichten.“

Als Erziehungsmaßnahme könnte eine Stornogebühr helfen, wie sie in den USA, Großbritannien und Frankreich längst Standard ist. Doch damit tun sich viele Gastronomen schwer. Zum einen wegen der Rechtslage, die – anders als bei vertraglich klar geregelten Veranstaltungen wie einer Hochzeitsfeier – bei telefonischen Reservierungen schwieriger ist. Zum anderen, weil viele Wirte Angst haben, den Gast zu vergraulen – und eine negative Bewertung im Internet zu kassieren. „Wenn man den Gast später anruft und um die Rechnungsanschrift für die No-Show-Gebühr bittet, würde man vermutlich in den Sozialen Medien zerrissen werden“, sagt Peter Stürtz. „Internetbewertungen sind definitiv ein Druckmittel“, sagt auch Steffen Waitz.

Für ihn ist das Hauptproblem, dass es für die Branche keine einheitliche Regelung gibt. „So entscheidet jeder Gastrom für sich, ob er eine Gebühr erhebt, und steht am Ende allein im Kreuzfeuer.“

Genau das will die Initiative Gastronomie Frankfurt (IGF) ändern: Der Verein plant, noch in diesem Jahr eine Stornogebühr einzuführen, die dann in allen rund 60 Gastrobetrieben gilt. „Viele Mitglieder haben sich diesen Schritt bislang nicht getraut. Aber jetzt ist es Zeit zu handeln. Wir können nur überleben, wenn jeder Tisch besetzt ist“, sagt James Ardinast.

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