Zweijähriger macht nach Schlaganfall weiter Fortschritte

Rekord-Spende für den kleinen Karl

Michele Neumann mit Söhnchen Karl. „Wir sind unglaublich dankbar für die riesige Anteilnahme“, sagt die Mutter des Zweijährigen. Der Junge hatte nach einer OP einen Schlaganfall erlitten. Foto: kb

Die Geschichte des kleinen Karl hat im Dezember viele Leser berührt. Der Zweijährige kämpft sich nach einem Schlaganfall mühsam zurück ins Leben, Sorgen um die Finanzierung seiner Reha machen den Eltern zusätzlich zu schaffen. Jetzt gibt es Neuigkeiten. Von Kristina Bräutigam

Region Rhein-Main – Mit dieser Resonanz hatte Claudia Müller-Eising nicht gerechnet: Nachdem der EXTRA TIPP und ein Fernsehsender Mitte Dezember über das Schicksal des kleinen Karl Neumann berichten, kann sich die Chefin des Neuroneums vor Emails und Anrufen kaum retten. „Es haben sich Menschen aus ganz Deutschland gemeldet, die Karl und seiner Familie helfen wollten“, erzählt die Leiterin des Neuroneums in Bad Homburg, dem einzigen Rehazentrum in Rhein-Main, das eine ambulante Therapie für hirngeschädigte Kinder und Erwachsene anbietet. Auch Karl wird hier seit Anfang Dezember behandelt. Der Zweijährige, der mit seiner Familie in Frankfurt lebt, hatte nach einer Herz-OP im September einen Schlaganfall erlitten, Teile des Sprachzentrums im Gehirn waren abgestorben, die rechte Körperhälfte gelähmt.

Nach dem Artikel erreichen das Neuroneum nicht nur viele Genesungswünsche. Auch jede Menge Spenden gehen bei der gemeinnützigen Einrichtung ein. „Es ist der Wahnsinn. Bis heute haben wir insgesamt etwa 25.000 Euro Spenden erhalten, davon 15.00 Euro allein für Karl. Damit können wir ihn mehrere Monate gut versorgen, auch wenn kein anderer Kostenträger einspringt“, sagt Claudia Müller-Eising. Denn zwar macht der Zweijährige enorme Fortschritte, spricht mehr, läuft besser und setzt auch den rechten, gelähmten Arm wieder ein. Doch vor allem beim selbstständigen Antworten hat Karl Probleme, wiederholt stattdessen das Gesagte. „Umso wichtiger ist es, dass die Therapie weiter geht und Karl die Chance auf ein normales Leben hat“, sagt Müller-Eising.

Gute Nachrichten von der AOK gibt es bislang nicht. Die Krankenkasse hatte die Kosten für Karls Therapie nach EXTRA TIPP-Anfrage zwar für acht Wochen übernommen. Ob die beantragte Verlängerung genehmigt wird, ist allerdings unklar, die Antwort steht noch aus. Für Claudia Müller-Eising heißt es damit weiter kämpfen. Ihr geht es nicht nur um Karl, sondern auch um die anderen Schädel-Hirn-Verletzten. „Offenbar braucht es noch mehr öffentlichen Druck, damit die Krankenkassen und die Politik endlich eine grundsätzliche Vereinbarung für die ambulante Reha dieser Patienten treffen. Es geht hier schließlich nicht um einen goldenen Rollstuhl, sondern um Basis-Versorgung.“

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