Radames Eger tourt mit seiner EXTRA TIPP-Zelt-Jacke durchs Land

Radames Eger ist drei Wochen lang in Deutschland unterwegs – und schläft in seinem Zelt, das sich auch als Jacke tragen lässt. Foto: Radames Eger/nh

Für Obdachlose ist der Winter eine schwierige Herausforderung. Darauf will Designer Radames Eger aufmerksam machen. Deshalb tourt er derzeit durch 16 Bundesländer und übernachtet in seiner EXTRA TIPP-Zelt-Jacke. Von Rebekka Farnbacher

Region Rhein-Main – „Regnet es in Frankfurt auch?“, fragt Radames Eger am Telefon. „Vier Tage bin ich bisher unterwegs und es hat nur geregnet!“Einem gewöhnlichen Designer, würde das nicht viel ausmachen, Eger schon: Denn der Frankfurter, der derzeit von Stadt zu Stadt zieht, übernachtet in seiner EXTRA TIPP-Zelt-Tasche. Drei Wochen lang, Nacht für Nacht. In 17 Städten. Sehr kalt waren die vergangenen Nächte, erzählt er. „Und Stress gab es auch.“ Mit ein paar Störenfrieden, die am Zeltlager von Eger und seiner Begleitung waren– seinem Hund Ludwig und Filmstudent Jonas Reuter, der eine Doku über den aus einer brasilianischen Favela stammenden Designers dreht.

Doch die Tortur hat einen Sinn: Radames Eger will auf die Obdachlosen aufmerksam machen, die jetzt im Kalten die schlimmste Zeit des Jahres durchmachen. Deswegen campiert nur im Schutze seines blauen Iglu-Zelts, das man als wasserdichte Jacke tragen kann, an öffentlichen Plätzen der Städte. „Ich möchte die Leute dazu anregen, nicht wegzuschauen. Ich möchte auf die Menschen aufmerksam machen, die von der Gesellschaft zu oft vergessen werden und auf unsere Hilfe angewiesen sind, um den Winter auf der Straße zu überstehen.“

Für Eger ist Design nicht einfach gut auszusehen. Der 35-Jährige entwirft seit mehreren Jahren funktionale Kleidung, die für das Leben auf der Straße geeignet ist, und wird seither vom EXTRA TIPP begleitet. „Der EXTRA TIPP hat mich immer unterstützt“, sagt Eger. „Auch mit der Zeitung wird viel für Minderheiten getan und den Menschen Mut gemacht.“ Trotz der widrigen Umstände der Übernachtungstour haben Eger und Jonas Reuter auch sehr positive Erfahrungen gemacht. „In Mainz hatten wir zum Beispiel eine tolle Zeit. Eine Künstlerin war vor Ort und wir haben mit anderen Besuchern gemeinsam gemalt“, schwärmt der Designer. Die meisten reagieren sehr freundlich, viele bieten sogar Spenden an. Aber Eger lehnt das Geld ab. Für ihn ist es entscheidender, Zeit mit seinen, wie er sagt, Straßenbrüdern zu verbringen. Das bestätigt auch sein 23-jähriger Begleiter: „Ich bin total begeistert, wir haben in den ersten paar Tagen schon unglaubliche Unterhaltungen geführt“, sagt Jonas Reuter. „Viele der Menschen auf der Straße sind sehr redebedürftig. Und es ist schön zu sehen, wie viel Freude man mit einer bloßen Unterhaltung schenken kann.“

Noch bis zum 22. Dezember ist das Trio unterwegs. Die letzte Station ist Egers Heimat Frankfurt. „Da tanzen wir dann vor dem Rathaus“, sagt er. Auch Oberbürgermeister Peter Feldmann hat er eingeladen – so wie Politiker in allen Städten, die er anfährt. Eine Rückmeldung habe er bisher noch nicht bekommen. Wer Eger auf seiner Zelt-Tour unterstützen möchte, findet die Standorte auf seine Facebookseite „Radames.exist“.

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