Hundert zusätzliche Polizisten und Dauerrazzien

Hauptbahnhof Frankfurt: So sieht es jetzt in der B-Ebene aus 

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In den Durchgängen wird gleich im Doppelpack gedealt.

Frankfurt - Die B-Ebene am Hauptbahnhof ist nach wie vor ein Drogensumpf. Eine Razzia folgt der nächsten. Seit zwei Wochen sind jeden Tag hundert zusätzliche Polizisten im Einsatz und eine Spezialeinheit wurde gegründet. Doch Dealer und Süchtige kümmert das kaum. Eine Momentaufnahme von vergangener Woche. Von Christian Reinartz

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Eingang zur B-Ebene. Dienstag 14 Uhr. Ein laues Lüftchen weht einem schon auf den ersten Treppenstufen entgegen. Uringestank beißt in der Nase. Auf den Treppenstufen sitzt eine Frau, die speckige Kapuze tief ins Gesicht gezogen. Sie wühlt in ihrer Handtasche, fingert ein paar zerknüllte Scheine hervor. Schreit mit krächzender Stimme „Nimm doch, du Arsch“ und schmeißt sie einem Mann vor die Füße, der ihr ein kleines Päckchen gibt. Der Uringeruch wird unerträglich. Die zwei Männer, die ein paar Meter weiter in der dunklen Ecke des Durchgangs stehen und verhandeln, scheint das nicht zu kümmern. Auch zur Rechten werden ganz offensichtlich Drogen gedealt. Ein weißes Papierbriefchen wechselt den Besitzer. Der Empfänger kann sich kaum mehr auf den Beinen halten, wankt. Bröckelige Essensreste verkrusten seine schwarze Armeejacke.

In den Durchgängen wird gleich im Doppelpack gedealt.

Unten in der Ebene angekommen ist keine Menschenseele zu sehen. Neonröhren erleuchten den gefließten Boden taghell. Und zeigen gnadenlos, was für Hinterlassenschaften Dealer, Crack-Opfer und Betrunkene hinterlassen. Links, direkt vor einem Schaukasten ist eine frische Pfütze zu sehen. Das Neonlicht spiegelt sich gelb darin. Es stinkt erbärmlich. 30 Meter weiter in einer Ecke liegt ein Haufen Exkremente. Sie könnten auch von einem großen Hund sein. Papier liegt nicht daneben. Dealer sind hier jetzt nicht mehr so offensichtlich zu Gange.

Der Wachdienst spricht Raucher an, lässt Dealer aber in Ruhe.

Wer genau hinschaut, dem fallen die suchenden Augen einiger herumlungernder junger Männer auf, die die Ebene regelrecht abscannen. Die Anzahl der Passanten nimmt jetzt zu. Kleine Weihnachtsbäume mit rot-goldenem Schmuck sind dort hinter einem kleinen Holzzaun aufgestellt. Es riecht nach Erbrochenem. Viele Passanten sind unterwegs. Erst wieder beim Zugang zur U-Bahn im hinteren Bereich wird es wieder einsamer. Zwei Männer streiten sich dort, wieder wechselt etwas Undefinierbares den Besitzer. Dann plötzlich fällt dem Kunden etwas herunter. Er sucht wie wild auf dem Boden. Der Andere rennt weg.

Dann plötzlich Trubel an einem der Treppenabgänge. Der Sicherheitsdienst der Deutschen Bahn will sich die Dealer zur Brust nehmen. Zwei Männer in gelben Warnwesten gehen auf die Gruppe zu, die sich auf der Treppe breitgemacht hat. Unten bleibt eine Kollegin stehen, die Hand am Funkgerät. „Mach die Zigarette aus“, sagt einer der Wachleute. Der Ertappte folgt widerwillig, nimmt eine Krücke und humpelt die Treppe nach oben. Die Ordnungshüter drehen sich wieder weg, während die Dealer-Gruppe dahinter weiterhin ungehindert ihrem Geschäft nach geht.

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