Reinhold Busch ist einer der letzten Plakatmaler Deutschlands

Er pinselt Filmstars in XXL

„Der mit dem Wolf tanzt“ war eines der beliebtesten Motive, die Reinhold Busch gemalt hat. Für die Theater-Location Showsielhaus in Hofheim hat er die Betreiber (kleines Bild) auf demPlakat verewigt. Fotos: nh

Ob „Star Wars“, „Jurassic Park“ oder „Der mit dem Wolf tanzt“ auf vier mal sechs Metern: Reinhold Busch bringt Filmgrößen auf Plakatgröße. Gefragt ist der wohl letzte Künstler seiner Art noch heute. Von Rebekka Farnbacher

Region Rhein-Main – Filmfreunde erkennen es sofort: Kevin Costner blickt mit ernster Mine in die Ferne, hinter ihm Graham Greene mit Kriegsbemalung und üppigem Federschmuck. Ganz klar: Das ist das Filmplakat von „Der mit dem Wolf tanzt“. Aber Moment: Bei genauem Hinsehen sind da nicht die Gesichter der beiden Hollywood-Schauspieler zu sehen, sondern von den Betreibern des Hofheimer Showspielhauses Hans-Jürgen Mock und Bernhard Westenberger, wo das Bild im Vorführsaal hängt. Als Filmtitel prangt darunter: „Die sich den Wolf spielen“. Geschenkt bekommen haben die beiden Schauspieler das großformatige Kunstwerk von Reinhold Busch – dem wohl letzten Kinoplakatmaler Deutschlands.

„Der Beruf war schon immer rar. Ob ihn heute noch jemand aktiv ausübt, weiß ich nicht“, sagt Reinhold Busch. Auch er selbst wird nur noch selten von Kinos beauftragt. In den 80er-Jahren sah das noch anders aus. Da war handgemalte Film-Werbung vor allem durch die Eröffnung der zahlreichen großen Kinocenter richtig angesagt. Reinhold Buschs Geschäft boomte. „Da haben meine Frau und ich sieben Tage die Woche Plakate gemalt. Auf vier mal sechs Metern Leinwand.“ Und das musste schnell gehen. Die Vorlage wird auf die Leinwand projiziert, dann wird mit Acrylfarbe ausgemalt. „Zwei bis drei Tage brauchte ein Auftrag“, sagt der heute 66-Jährige. Für ihn kein Grund zur Verblüffung: Wenn man die Technik einmal beherrscht, sei das kein Hexenwerk. „Man darf sich nicht in Details verlieren. Der Gesamteindruck muss stimmig sein.“

Tatsächlich wirken gerade die Details von Buschs Werken, die zu Hunderten in seiner Werkstatt lagern und zum Teil an den Wänden seiner Kleinkunstbühne „Gackeleia“ hängen, so realitätsgetreu, als hätte ein Künstler darauf Monate intensiver Arbeit verwenden können. „Natürlich muss man wissen, wie man den Glanz einer Pistole gut umsetzt, oder wie man die richtige Stofflichkeit einer Strickjacke oder von Wasser malt“, sagt Busch. Aber von Talent will er nicht sprechen. Großformatige Bilder hätten ihn schon immer begeistert. Also hing er seine Karriere als Bankkaufmann an den Nagel, erlernte über Fortbildungen und bei einem ihm bekannten Plakatmaler die nötigen Kniffe und kaufte mit seiner Frau ein Haus mit Stallungen am Fuße der Ronneburg, wo das Atelier Platz fand.

Heute ist die große Ära der Kinoplakatmalerei zwar vorbei. Der Digitaldruck hat die Handarbeit größtenteils abgelöst. Gefragt ist Reinhold Busch aber immer noch. „Ich male viel für private Anlässe: Hochzeiten, Geburtstage oder auch Eröffnungen“, sagt Busch. Zudem fertigen er uns seine Frau Werbeträger und Wandmalereien an – für Geschäfte, Restaurants, Bühnen und Messeauftritte. Und dann kommt er, wie im Fall des Hofheimer Showspielhauses, auch noch in den Genuss seiner Lieblingsmotive: „Am liebsten male ich Helden.“

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