Offenbacher Pilzexperte schlägt Alarm

Tödlicher Leichtsinn: Immer mehr Laien sammeln Pilze

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Pilzsachverständiger Dietmar Krüger kennt sich aus. Dass immer mehr unwissende Sammler in den Wäldern unterwegs sind, bereitet dem Offenbacher Sorgen.

Region Rhein-Main –Der Regen lässt zurzeit die Pilze aus dem Boden schießen. Doch nicht nur erfahrene Sammler zieht es in die Wälder. Auch immer mehr Laien sind mit dem Körbchen unterwegs. Pilzexperte Dietmar Krüger warnt vor der Gefahr. Denn nicht nur Verwechslungen können zu schlimmen Vergiftungen führen. Von Kristina Bräutigam

Es ist Pilzzeit in Rhein-Main: Ob Steinpilz, Krause Glucke oder Maronenröhrling: Die Regenfälle der vergangenen Tage lassen die Pilze massenhaft aus dem Boden schießen. Doch nicht nur erfahrene Sammler zieht es in die Wälder. Auch immer mehr Laien gehen auf Pilzjagd. Eine Entwicklung, die Dietmar Krüger von der Hessischen Pilzschule aus Offenbach mit Sorge beobachtet. „Es ist erschreckend, wie leichtsinnig die Leute sind. Sie kennen sich überhaupt nicht aus und stapfen los.“ 

Nicht nur Flüchtlinge und Zuwanderer aus Osteuropa seien extrem leichtsinnig. „Die Oma, die vor zehn Jahren das letzte Mal gesammelt hat, oder den Student, der im Internet gegoogelt hat, trifft man genauso“, erzählt Krüger, der geprüfter Pilzsachverständiger ist und sein Wissen in Vorträgen und Lehr-Wanderungen weitergibt. Besonders gefährlich: Die Verwechslung von Speisepilzen mit ihren giftigen Doppelgängern. Wer beispielsweise den Gallenröhrling für einen Steinpilz hält, verdirbt sich nicht nur das Essen, sondern auch den Magen.

Noch fataler endet der Genuss des Grünen Knollenblätterpilzes, der grünen Täublingen ähnlich sieht. Bereits ein einziger Pilz enthält eine tödliche Menge von Amanitin, einem Gift, das die Leber schädigt. Ende August hatte eine syrische Familie aus Frankfurt den Giftpilz gegessen. Zwei Kinder kämpfen noch immer ums Überleben. Umso schockierter ist der Experte, dass es mittlerweile Apps gibt, die die Pilzbestimmung anhand eines einzelnen Fotos versprechen. „Das ist der purer Leichtsinn. Wer sich darauf verlässt, begibt sich freiwillig in Lebensgefahr“, sagt Krüger. 

Auch Speisepilze können zur Gefahr werden

Was viele Hobby-Sammler nicht wissen: Nicht nur Giftpilze sind eine Gefahr. „An den meisten Vergiftungen in Deutschland sind Speisepilze Schuld“, sagt Krüger. Fehlt das Wissen, etwa über die richtige Zubereitung, Garzeit und Haltbarkeit, können auch die schmackhaftesten Hütchenträger zum Gesundheitsrisiko werden. Das muss auch ein junger Frankfurter erfahren, der im vergangenen Jahr nach dem Genuss von Rotkappen im Krankenhaus landet. Er hatte die Speisepilze nur drei Minuten statt mindestens 15 gegart – und war mit schweren Vergiftungserscheinungen zusammengebrochen. 

Eine Eichenrotkappe: Mindestens 15 Minuten gegart essbar. Roh aber führt der Verzehr zu starkem Erbrechen und Durchfall.

Und auch beim Einkauf droht ohne Fachwissen Gefahr: 2016 müssen drei Senioren in Frankfurter Krankenhäusern behandelt werden, nachdem sie Pfifferlinge und Steinpilze vom Wochenmarkt verzehrt haben. „Als Laien hatten sie nicht erkannt, dass die Pilze verdorben waren“, sagt Krüger. Fast 70 Anrufe hat der Experte in diesem Jahr bereits erhalten. Oft schicken ihm ratlose Pilzsammler Fotos ihrer Funde und wollen wissen, ob das Abendessen wirklich unbedenklich ist. Das sei jedoch nicht Sinn und Zweck. „Die Leute müssen die Pilze selbst bestimmen können. Aber dazu muss man sich eben hinsetzen, lernen und Kurse besuchen. Alles andere ist lebensmüde“, sagt der Sachverständige.

Alle Infos zu Dietmar Krügers Pilzkursen unter www.derpilzberater.de.

Eine echte Sensation entdeckte ein Spaziergänger vergangenen Herbst im Offenbacher Stadtwald: Einen Ästigen Stachelbart.

Fotos: Mit Pilzberater Dietmar Krüger unterwegs im Wald

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