Pilz-Experte warnt vor tödlicher Verwechslung

Pilzsachverständiger Dietmar Krüger mit einer Spitzmorchel. Der Pilz gilt als Delikatesse.Foto: kb

Von April bis Mai haben Spitzmorcheln Hochsaison. Auch in Rhein-Main sprießen die leckeren Speisepilze zurzeit aus dem Boden. Aber Vorsicht: Wird die Morchel mit der Giftlorchel verwechselt, droht Lebensgefahr. Von Kristina Bräutigam

Region Rhein-Main – Lange muss Dietmar Krüger nicht suchen. Aus dem Rindenmulch des Kleingartengeländes in Mühlheim sprießen jede Menge Spitzmorcheln. „Von April bis Mai haben Morcheln in unseren Breitengraden Hochsaison“, weiß der Pilzsachverständige aus Offenbach. Wer den Pilz, der unter Feinschmeckern als echte Delikatesse gilt, sammeln will, muss nicht in den Wald stapfen. Vor allem auf Böden, die im Vorjahr frisch gemulcht wurden, gedeiht die Spitzmorchel prächtig – im Garten, an Hauseinfahrten oder Supermarktparkplätzen. Wer sich mit Pilzen nicht auskennt, sollte allerdings aufpassen: Denn beim Morchel-Sammeln droht eine lebensgefährliche Verwechslungsgefahr. „Die Spitzmorchel ähnelt der Frühjahrs-Giftlorchel, die extrem giftig ist“, sagt Dietmar Krüger. Nicht nur der rohe Verzehr, sondern bereits das Einatmen von Kochdämpfen kann zu schweren Vergiftungen führen und bis zum Tod führen. „Laien, die eine Spitzmorchel nicht zweifelsfrei von einer eine Giftlorchel unterscheiden können, sollten deshalb immer einen Fachmann zurate ziehen.“ 

Erinnert an ein Gehirn: Die Frühjahrs-Giftlorchel. Foto: nh

Rund sieben Anrufe zum Thema Morchel bekommt der Gründer der Pilz-Schule Hessen zurzeit in der Woche. Erst am Montag ruft ihn ein Ehepaar aus Dreieichenhain zur Hilfe. Dietmar Krüger inspiziert den Garten und gibt Entwarnung: Es handelt sich um die Spitzmorchel. Ein Anrufer aus Darmstadt will von Krüger lediglich die Bestätigung, dass es sich um den Edelpilz handelt. Das Aussehen habe er gegoogelt. Für den Pilzsachverständigen purer Leichtsinn. „Wer sich darauf verlässt, begibt sich in Lebensgefahr.“

Dabei gibt es einen leichten Trick, die Speisemorchel von ihrem giftigen Doppelgänger zu unterscheiden: „Wenn man die Morchel aufschneidet, ist sie innen komplett hohl. Der Stiel der Giftlorchel ist gekammert - also immer wieder verwachsen und unterbrochen aber eben nicht durchgehend hohl “, sagt Krüger. Auch das Äußere gibt Hinweise: Die Spitzmorchel hat einen durch Längs- und Querleisten netzartig aufgeteilten Hut, dessen Struktur an Bienenwaben erinnert; der Hut der giftigen Verwandtschaft ist wulstig und ähnelt einem Gehirn. Eins müssen Sammler allerdings selbst nach einwandfreier Bestimmung beachten: Roh sind auch die edlen Spitzmorcheln giftig. Wer den Hütchenträger jedoch in Butter schwenkt und 15 Minuten gart oder trocknet, der dürfe sich glücklich schätzen: „Morcheln sind nicht umsonst die teuersten Speisepilze nach den Trüffeln“, sagt Krüger.

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