Leer stehende Gebäude

Pforzheimerin besuchte bereits über 500 "Lost Places" - doch eine Grenze würde sie nie überschreiten

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„Am Anfang war ich noch ohne Kamera unterwegs, bin einfach so in die Häuser rein. Seit etwa sechs Jahren fotografiere ich auch.“

Vicky Übach ist fasziniert von leer stehenden Gebäuden. Über 500 „Lost Places“ hat die Pforzheimerin besucht. Mit Urbexworld.de betreibt sie den wohl größten deutschen Blog zu diesem Thema. Und auch in Rhein-Main ist sie auf der Jagd nach Fotos.

Region Rhein-Main – Die Fotos im alten Puff in Babenhausen waren eine echte Herausforderung. „Überall hängen Spiegel und es war stockdunkel,“ erzählt Vicky Übach von ihrer Stippvisite in unserer Region. Die Resultate können sich trotzdem sehen lassen und sind auf ihrem Blog www.urbexworld.de zu sehen. ln ihrer Freizeit spielt sie Rockgitarre. Laut, hemmungslos und wild. Aber die 39-Jährige hat in ihrem Leben als krassen Gegenpuls das Urbexen (siehe Infokasten) entdeckt. Woche für Woche ist sie in Deutschland unterwegs, um nach leer stehenden Gebäuden Ausschau zu halten. Meist allein und nachts in vollkommener Stille erkundet sie diese „Lost Places“ und hält ihre Eindrücke mit der Kamera fest. Kenner der Szene sagen, dass sie den größten Blog Deutschlands betreibt. Über 500 Gebäude hat Übach bereits besucht. „Am Anfang war ich noch ohne Kamera unterwegs, bin einfach so in die Häuser rein. Seit etwa sechs Jahren fotografiere ich auch.“Sogar in einer Galerie in Hamburg wurden ihre Bilder bereits ausgestellt. Ohne ihr Wissen hatten Freunde ihre Bilder eingereicht. „Dort kam ich bei einem Wettbewerb mit 410 Teilnehmern aus 52 Ländern bis ins Finale.“

Vicky Übach liebt verlassene Gebäude - sogenannte "Lost Places".

Flair fasziniert sie besonders

Die 39-Jährige bezeichnet sich als melancholischen Menschen. „Die Stille und das Flair, das von diesen Orten ausgeht, fasziniert mich deshalb besonders.“ Doch ruhig geht es bei den Entdeckungstouren nicht immer zu. „Ich bin in Gießen schon zweimal auf Obdachlose gestoßen. Einmal war das in einem Keramikwerk und einmal in einer Güterbahnhofhalle.“ Zum Glück hätten die Männer sie nicht gesehen und sie habe sich leise wieder hinausgeschlichen. Denn Ärger möchte Übach nicht haben. Deshalb bricht sie nie eine Tür auf. „Entweder ist was offen zugänglich oder eben nicht. Eine Anzeige wegen Hausfriedensbruch will ich nicht.“ Einmal sei sie fast eingekracht. Deswegen empfiehlt sie anderen Urbexern: „Schaut Euch vor allem bei alten Mühlen und Häusern ganz genau die Decken an, bevor ihr ein Stockwerk höher geht. Immer dort entlang laufen, wo die Balken sind. So ein Brett kann schnell nachgeben. Wenn man Pech hat, liegt man plötzlich drei bis vier Meter tiefer.“ Außerdem seien festes Schuhwerk und eine Schimmelmaske wichtig. Wenn ein Gebäude videoüberwacht wird, rät sie vom Reingehen ab. „Erwischt wurde ich trotzdem schon x-Mal von Besitzern und Eigentümern. Aber nach einem vernünftigen Gespräch haben mich viele sogar weiterfotografieren lassen.“

Oliver Haas

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