Neu-Isenburgerin näht in ihrer Freizeit Kopfbedeckungen für Krebspatienten

Peggy Bäumer gibt dem Krebs eins auf die Mütze

Peggy Bäumer aus Neu-Isenburg näht Onkomützen. Foto: jo
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Peggy Bäumer aus Neu-Isenburg näht Onkomützen. 
  • Julia Oppenländer
    vonJulia Oppenländer
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Die Schockdiagnose Krebs kann jeden treffen. Was folgt, sind Operationen und Chemotherapien. Oft fallen dabei die Haare aus. Das weiß auch Peggy Bäumer aus Neu-Isenburg. Sie unterstützt Betroffene deshalb mit selbstgenähten Mützen.

Region Rhein-Main – Kurze und lange, dicke und dünne, genähte und gestrickte: Die Auswahl der Mützen, die auf Peggy Bäumers Wohnzimmertisch liegen, ist bunt. Jede einzelne von ihnen ist ein Unikat. Freuen können sich darüber in den nächsten Wochen Krebspatienten. Für sie sitzt die Neu-Isenburgerin manchmal stundenlang an der Nähmaschine, um die ihre „Onkomützen“ herzustellen.

„Eigentlich bin ich durch Zufall zu diesem Hobby gekommen“, sagt die 64-Jährige. Als sie in Rente geht, sucht sie nach einer sinnvollen, ehrenamtlichen Arbeit. Bei Facebook stößt sie auf die Gruppe „Onkomützen“ – hier haben sich Menschen zu einer Interessengemeinschaft zusammen geschlossen, um Mützen für Krebspatienten zu häkeln, zu stricken oder zu nähen. „Da habe ich mir gedacht: Nähen kannst du. Stoff hast du noch genug da, also hab ich einfach angefangen.“ Peggy Bäumer ist mit ganzem Herzen bei der Sache, auch weil sie die Diagnose Krebs und die Folgen kennt: Ihre Schwiegertochter hatte Brustkrebs und starb mit 27 Jahren daran. „Sie hatte immer Baseballmützen aufgesetzt. Damals habe ich aber nicht dran gedacht, eine Mütze selbst zu nähen. Aber gerade junge Menschen möchten selten eine Chemo-Kappe oder eine Perücke tragen.“ Onkomützen sind für sie eine gute Alternative.

Seit September des vergangenen Jahres gibt es die Interessengemeinschaft. Sie organisiert sich über Facebook und hat aktuell knapp 2500 Mitglieder, viele von ihnen haben oder hatten selbst Krebs. „Etwa 1800 von ihnen fertigen die Mützen an“, so Peggy Bäumer. Sie ist zwar erst seit Anfang des Jahres mit dabei, hat inzwischen aber auch schon 150 bis 200 Mützen genäht. „Mein Mann sagt, dass das schon eine richtige Sucht bei mir geworden ist! Jedes Mal, wenn ich ein Stück Stoff habe, dann wird eine Onkomütze genäht.“

Betroffenen zu helfen und etwas Gutes zu tun, das ist für die 64-Jährige ein gutes Gefühl – vor allem, wenn es um Kinder geht. „Wenn eine Mutter schreibt, dass ihr krebskranker Sohn gerne eine Mütze mit einem Löwen hätte, dann kriegt er einen Löwen auf seine Mütze“, sagt sie mit Tränen in den Augen. „Das ist ja das Schöne daran: Wir können einen Wunsch erfüllen, den es so nicht zu kaufen gibt.“

Über die auf Gutscheinen angegebenen Adressen können sich Betroffene oder ihre Angehörigen melden und Kopfumfang, Adresse und eventuelle Farb- und Musterwünsche mitteilen. Die Gutscheine liegen in vielen Krankenhäusern oder Praxen deutschlandweit aus. „In Rhein-Main sind die Onkomützen aber leider noch nicht so bekannt“, sagt die 64-Jährige. „In die Onkologie in den Kliniken zu kommen, um auf das Projekt hinzuweisen, ist gar nicht so einfach. Dabei entstehen für niemanden Kosten.“

Doch die positiven Rückmeldungen und die Dankbarkeit der Betroffenen sind für Peggy Bäumer und die anderen Mützenmacher das Wichtigste. „Das sind dann die Momente, in denen ich mir denke: Boah, da hast du jetzt was Gutes gemacht!“

Von Julia Oppenländer

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