„Das Chaos kann zur Belastung werden“

Expertin verrät: Mit diesen Tricks halten Sie Ordnung

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Weg mit dem Ballast: Ordnungsexpertin Anne Kleinhans hilft Menschen, ihr Zuhause wieder in Ordnung zu bringen. In ganz Hessen ist die Gelnhäuserin im Einsatz.

Wenn der Kleiderschrank überquillt, das Büro zur Rumpelkammer mutiert und sich Nutzloses im Keller stapelt, ist das ein Fall für Anne Kleinhans. Die Ordnungsexpertin hilft Menschen, denen das Chaos über den Kopf wächst. Der EXTRA TIPP hat mit ihr über Tricks gesprochen. Von Kristina Bräutigam

Frau Kleinhans, warum ist ein ordentliches Zuhause wichtig?

Ein geordnetes, strukturiertes Zuhause ist enorm wichtig für das eigene Wohlbefinden und das der Familie. Chaos kann belastend sein, denn es kostet Zeit, Energie und es schränkt die Lebensqualität ein. Wie soll man entspannen, wenn sich in der einen Ecke die Rechnungen der letzten Monate stapeln, in der anderen Wäsche und alte Zeitschriften herumliegen? Wer sein Zuhause vernachlässigt, schadet sich selbst.

Sie sind auf ordnungsservice.com die einzige Ordnungsexpertin im Rhein-Main-Gebiet, haben Einsätze in ganz Hessen. Wer bittet Sie um Hilfe?

Zu meinen Kunden gehören Patchworkfamilien genauso wie Berufstätige, junge Paare, alleinstehende Mütter oder Rentner. Manchmal ist es ein Baby, das die Struktur zuhause durcheinanderbringt, manchmal eine Trennung oder der Tod eines geliebten Menschen, der eine vollgestopfte Wohnung hinterlässt. Wenn Menschen das Gefühl haben, ihnen wächst alles über den Kopf, rufen Sie mich.

Was ist Ihrer Meinung das Hauptproblem, warum Menschen zuhause den Überblick verlieren?

Vor dem Sammeln steht das Kaufen. Die Menschen kaufen definitiv zu viel. Viele Leute lassen sich von günstigen Angeboten locken, sehen, dass die Winterjacke ein Schnäppchen ist, und kaufen sie, obwohl sie schon drei Stück im Schrank haben. Oft fühlen Frauen sich sehr angesprochen, wenn es um Trends und Werbeversprechen geht. Es gibt ihnen zunächst ein gutes Gefühl: Da wird gekauft, was Fernsehen und Internet anpreisen, obwohl man das Produkt weder braucht, noch Platz dafür hat. Die Menschen müssen sich bewusst machen, dass sie gesättigt sind. Ein Ehepaar braucht nicht 35 Kaffeetassen. Und eine Neunjährige nicht neun Paar Flip Flops.

Fotos: Tipps für ein ordentliches Zuhause

Vollgestopfte Schubladen kennt jeder. Der Tipp von Anne Kleinhans: Was man zwei Jahre nicht in der Hand hatte, wegschmeißen.
Vollgestopfte Schubladen kennt jeder. Der Tipp von Anne Kleinhans: Was man zwei Jahre nicht in der Hand hatte, wegschmeißen. © Kristina Bräutigam
Rechnungen und Schreiben stapeln sich auf dem Schreibtisch? Anne Kleinhans‘ Tipp: Die Post der Woche spätestens am Sonntag abheften.
Rechnungen und Schreiben stapeln sich auf dem Schreibtisch? Anne Kleinhans‘ Tipp: Die Post der Woche spätestens am Sonntag abheften. © Kristina Bräutigam
Bei Büchern rät die Expertin: Eine Kiste packen, ins Auto stellen und die Bücher an Freunde verschenken.
Bei Büchern rät die Expertin: Eine Kiste packen, ins Auto stellen und die Bücher an Freunde verschenken. © Kristina Bräutigam
Chaos im Kleiderschrank kennt jeder. Auch hier gilt: Was seit zwei Jahren nicht getragen wurde, muss weg. Anschließend lässt sich nach Saison sortieren.
Chaos im Kleiderschrank kennt jeder. Auch hier gilt: Was seit zwei Jahren nicht getragen wurde, muss weg. Anschließend lässt sich nach Saison sortieren. © Kristina Bräutigam
Der Flur ist die Visitenkarte eines Hauses. Ein Schuhschrank und andere Aufbewahrungsideen helfen, die hässliche Durchgangsstation in einen schönen Empfangsbereich zu verwandeln.
Der Flur ist die Visitenkarte eines Hauses. Ein Schuhschrank und andere Aufbewahrungsideen helfen, die hässliche Durchgangsstation in einen schönen Empfangsbereich zu verwandeln. © Kristina Bräutigam
Unordung entsteht schon mit dem Einkaufverhalten. Die Expertin rät: Nur kaufen, was man wirklich braucht und wofür man Platz hat.
Unordung entsteht schon mit dem Einkaufverhalten. Die Expertin rät: Nur kaufen, was man wirklich braucht und wofür man Platz hat. © Kristina Bräutigam
Beim Ausmisten geht es um die Fragen: Was darf bleiben? Was muss gehen. Ordnungsexpertin Anne Kleinhans hilft dabei, diese Entscheidungen zu treffen.
Beim Ausmisten geht es um die Fragen: Was darf bleiben? Was muss gehen. Ordnungs-Expertin Anne Kleinhans hilft dabei, diese Entscheidungen zu treffen. © Kristina Bräutigam
Anne Kleinhans, Ordnungs-Expertin aus Gelnhausen, sagt: „Wer sein Zuhause vernachlässigt, schadet sich selbst".
Anne Kleinhans, Ordnungs-Expertin aus Gelnhausen, sagt: „Wer sein Zuhause vernachlässigt, schadet sich selbst". © Kristina Bräutigam
Die Ordnungs-Expertin empfiehlt Plastikboxen. Hier sieht man auf den ersten Blick, was drin ist und erspart sich das Suchen.
Die Ordnungs-Expertin empfiehlt Plastikboxen. Hier sieht man auf den ersten Blick, was drin ist und erspart sich das Suchen. © Kristina Bräutigam
Beim Einkaufen gilt: Nicht einfach kaufen, weil etwas günstig ist. „Kein Mensch braucht vier Winterjacken oder acht Paar Flip Flops“. 
Beim Einkaufen gilt: Nicht einfach kaufen, weil etwas günstig ist. Sonst nimmt das Chaos seinen Lauf, egal ob im Kleiderschrank oder im Küchenregal. © Kristina Bräutigam

Viele Dinge, die Schränke verstopfen, bekommt man von anderen geschenkt.

Weil der Mensch sich nicht überwinden kann, mit leeren Händen zu kommen. Ich habe junge Mütter kennengelernt, die kistenweise Babykleidung geschenkt bekommen habe. Dabei konnte sie mit den meisten Stücken gar nichts anfangen, im Gegenteil: Die Kisten stapelten sich in der kleinen Wohnung. Statt aus falscher Nettigkeit anzunehmen, sollte man klar äußern, was man brauchen kann. So vermeide ich, dass sich Ballast anhäuft.

Wie arbeitet eine professionelle Ordnungshelferin?

Ich sehe mich als Coach. Ich begleite und unterstütze die Menschen dabei, aktiv zu werden und Unbequemes abzuarbeiten. Im Grunde helfe ich, Entscheidungen zu treffen. Und ich packe mit an. Dafür habe ich drei Kisten dabei: Eine für Dinge, die bleiben dürfen, eine für Dinge, über die wir noch entscheiden müssen, und eine Kiste mit Dingen, die weg müssen. Wir machen nicht einfach Tabula Rasa, sondern gehen es behutsam an. Denn genau dieses Loslassen fällt den Menschen schwer.

Warum können wir uns nur schwer von altem Ballast trennen?

Bei Frauen ist es oft das Argument „Es hat ja so viel gekostet“. Oder „Das brauche ich vielleicht noch“. Sie fühlen sich als Verschwender, also behalten sie lieber alles. In dieser Situation rate ich meinen Kunden, sich von allem zu trennen, was sie länger als zwei Jahre nicht in der Hand hatten. Egal, ob es sich um Kleidung, Bücher oder Gewürze handelt.

Haben Sie noch ein paar einfache Tipps, die beim Ordnunghalten helfen können?

Jeder kennt es, wenn sich Rechnungen stapeln. Hier rate ich, die Post, die über die Woche kommt, spätestens am Sonntag abzuheften. Ein guter Tipp sind auch Plastikboxen. Hier sehe ich auf den ersten Blick, was drin ist. Wenn es ums Einkaufverhalten geht, empfehle ich: Für jedes Teil, das neu gekauft wird, muss ein altes verschwinden.

Die smarten Haushaltshilfen - Roboter putzen die Wohnung

Er putzt sie alle weg: Der Putzroboter Scooba von iRobot macht Böden selbstständig sauber. Foto: Monique Wüstenhagen
Er putzt sie alle weg: Der Putzroboter Scooba von iRobot macht Böden selbstständig sauber. Foto: Monique Wüstenhagen © Monique Wüstenhagen
Der Saugroboter Kobold soll laut seinem Hersteller Vorwerk über bis zu zwei Zentimeter hohe Barrieren klettern können. Was zu hoch ist, umfahre er einfach. Foto: Vorwerk
Der Saugroboter Kobold soll laut seinem Hersteller Vorwerk über bis zu zwei Zentimeter hohe Barrieren klettern können. Was zu hoch ist, umfahre er einfach. Foto: Vorwerk © Vorwerk
Fensterputzen gehört der Vergangenheit an: Das können Roboter heute übernehmen, etwa der Winbot W730 von Ecovacs. Foto: Monique Wüstenhagen
Fensterputzen gehört der Vergangenheit an: Das können Roboter heute übernehmen, etwa der Winbot W730 von Ecovacs. Foto: Monique Wüstenhagen © Monique Wüstenhagen
Manche Modelle des Husqvarna Automowers bewältigen Herstellerangaben zufolge Steigungen von bis zu 45 Prozent. Foto: Husqvarna
Manche Modelle des Husqvarna Automowers bewältigen Herstellerangaben zufolge Steigungen von bis zu 45 Prozent. Foto: Husqvarna © Husqvarna
Der Braava Floor Mopping Robot von iRobot reinigt erst alle Böden und fährt dann selbstständig wieder zurück zu seiner Ladestation. Foto: iRobot
Der Braava Floor Mopping Robot von iRobot reinigt erst alle Böden und fährt dann selbstständig wieder zurück zu seiner Ladestation. Foto: iRobot © iRobot

Unordentliche Kinderzimmer sind für viele Eltern ein großes Streitthema. Wie lässt sich das Problem in den Griff bekommen?

Indem man dem Kind vorlebt, wie Ordnung funktioniert. Kinder erleben das Zuhause, in dem sie groß werden. Am besten ist es, abends gemeinsam mit dem Kind aufzuräumen. Sobald es alt genug ist, kann es das allein. Das gilt auch im Haushalt: Ich bin der Meinung, dass jeder in der Familie seine Aufgaben haben sollte. Wenn alle mithelfen und Mutter oder Vater nicht mit allem allein gelassen wird, sammelt sich Unordnung gar nicht erst an.

Ist es den Menschen nicht unangenehm, Sie um Hilfe zu bitten? Schließlich ist es ein Eingeständnis, selbst nicht mehr Herr der Lage zu sein.

Die Arbeit erfordert großes Einfühlungsvermögen und Diskretion. Ich weiß, dass es für die Betroffenen eine große Überwindung ist, Hilfe anzunehmen. Oft rufen mich Familienangehörige an. Aber das funktioniert nicht, weil die Betroffenen meist eine ganz andere Wahrnehmung haben. Der Wille muss da sein. Allerdings kann ich einem Messie nicht helfen. In diesem Fall ist psychologische und ärztliche Hilfe nötig.

Sind ihre Kunden am Ende glücklicher?

Ja. Wenn ich gehe, haben wir eine Grundordnung geschaffen und die Menschen wissen, wie sie das Chaos beheben können. Dafür sind sie sehr dankbar. Man gewinnt Lebenszeit, wenn man weniger suchen muss. Mein Tip am Ende eines Aufräumtages: Sich einen schönen Abend gönnen.

Aufräumen im Aktenschrank will auch gelernt sein. Welche Unterlagen unbedingt aufgehoben werden müssen und welche ruhig weg können, lesen Sie hier

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