Im Frühjahr geht's zurück in die Wildnis

Opel-Zoo bietet bedrohten Wildkätzchen Winter-Asyl

Verwaiste Wildkätzchen im Opel-Zoo
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Die drei Wildkätzchen, die schon länger im Opel-Zoo leben, fauchen den Fotografen an. Der Landesbetrieb Hessen-Forst hat dem Opel-Zoo eine verwaiste kleine Wildkatze zum Aufpäppeln übergeben. Im Frühjahr soll das Tier zusammen mit drei anderen Wildkatzen ausgewildert werden.

Kronberg - Sie fauchen nur einen Zoo-Winter - verwaiste Wildkätzchen, die im Opel-Zoo im Taunus eine vorübergehende Heimat finden. Doch sobald sie aus eigener Kraft überleben können, sollen sie zurück in die Wildnis. Von Eva Krafczyk 

Mit seinen großen runden Augen und dem flauschigem Fell sieht das Katzenjunge aus wie ein lebendiges Kuscheltier. Jörg Beckmann, wissenschaftlicher Mitarbeiter des Opel-Zoos im hessischen Kronberg, vertraut dennoch lieber auf einen robusten und dick gefütterten Lederhandschuh, ehe er das Kätzchen vorsichtig aus seiner Box holt. Tatsächlich: Die kleine Katze will nicht spielen, und sie will ganz bestimmt nicht kuscheln. Stattdessen fährt sie die Krallen aus. Nur das Fauchen und Zähnezeigen wirkt noch nicht wirklich einschüchternd. Für eine Wildkatze verhalte sich das Katzenbaby allerdings ganz normal, versichert Beckmann. "Man merkt relativ schnell, dass das keine Hauskatzen sind", sagt er.

Wenige Stunden zuvor hatte Thomas Götz von Hessen-Forst das Jungtier übergeben. "Ich schätze, es ist etwa acht Wochen alt", erklärt Beckmann. Eine Frau entdeckte das Kätzchen vor zwei Wochen neben seiner toten Mutter und nahm es zunächst mit nach Hause. Angesichts des aggressiven Fauchens und Verhaltens merkte sie allerdings schnell, dass sie mit dem Tier nicht klar kam. Im Tierheim vermuteten die Mitarbeiter, es könne sich um eine Wildkatze handeln und informierten Götz.

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Der Förster aus dem Taunus gilt landesweit als Ansprechpartner, wenn es um die Unterbringung verwaister Wildkatzenjungen geht - auch, weil im Taunus besonders viele Wildkatzen beheimatet sind. "Mittlerweile haben sie sich aus dem südhessischen Bereich in ganz Hessen beheimatet - eigentlich eine schöne Entwicklung", sagt er. Auf sich allein gestellt, könnte das Katzenjunge den Winter wohl kaum überleben. "Wenn es bei der Mutter wäre, könnte sie es schaffen", meint Beckmann.

Da Wildkatzen streng geschützt werden, hilft nun der Zoo. Nach einer 30-tägigen Quarantäne wird das Jungtier im Wildkatzengehege untergebracht und über den Winter aufgepäppelt. Ein Dauergast im Zoo soll es nicht werden, ebenso wenig wie die drei etwas ältere Katzenjungen, die in einem anderen Gehege ebenfalls auf das Ende ihrer Quarantänezeit warten. Da sich die Tierwaisen nicht mehr an eine Katzenmutter schmiegen können, gibt es für alle Fälle ein Kuscheltier in die Box.

"Im Frühjahr werden sie wieder ausgewildert", versichert Beckmann. Der Zoo will den kleinen Katzen nur die Chance geben, die kritischen Wintermonate in Sicherheit zu überleben. Danach könnten sie selbst für sich sorgen. Stress im Wildkatzengehege, in dem üblicherweise ein einzelnes erwachsenes Tier lebt, sei nicht zu befürchten, auch wenn Wildkatzen üblicherweise als Einzelgänger leben. "Aber erwachsene Tiere merken, dass es sich um Jungtiere handelt." Revier-Rivalitäten gibt es dann nicht. Und auch die Katzenjungen, im Wurf mit mehreren Geschwistern aufgewachsen, dürften sich dann buchstäblich zusammenraufen.

Vor fünf Jahren sei das erste verwaiste Wildkatzenjunge zur Überwinterung in den Opel-Zoo gekommen, berichtet Beckmann. Seitdem seien acht Jungtiere aufgepäppelt und ausgewildert worden. Dass gleich vier Tiere in einem einzigen Jahr Aufnahme finden, sei schon ungewöhnlich, auch wenn sich die Zahl der scheuen Waldbewohner in Hessen erholt habe.

Fotos: So süß sind die Tierbabys der Region

So süß sind die Tierbabys in Rhein-Main
In der Region Rhein-Main sorgt der tierische Nachwuchs derzeit für entzückte Blicke. © Archiv Opel-Zoo
So süß sind die Tierbabys in Rhein-Main
In der Region Rhein-Main sorgt der tierische Nachwuchs derzeit für entzückte Blicke. © Archiv Opel-Zoo
So süß sind die Tierbabys in Rhein-Main
In der Region Rhein-Main sorgt der tierische Nachwuchs derzeit für entzückte Blicke. © Archiv Opel-Zoo
So süß sind die Tierbabys in Rhein-Main
In der Region Rhein-Main sorgt der tierische Nachwuchs derzeit für entzückte Blicke. © Archiv Opel-Z oo
So süß sind die Tierbabys in Rhein-Main
In der Region Rhein-Main sorgt der tierische Nachwuchs derzeit für entzückte Blicke. © Kristina Bräutigam
So süß sind die Tierbabys in Rhein-Main
In der Region Rhein-Main sorgt der tierische Nachwuchs derzeit für entzückte Blicke. © Kristina Bräutigam
So süß sind die Tierbabys in Rhein-Main
 © Kristina Bräutigam
So süß sind die Tierbabys in Rhein-Main
In der Region Rhein-Main sorgt der tierische Nachwuchs derzeit für entzückte Blicke. © Kristina Bräutigam
So süß sind die Tierbabys in Rhein-Main
In der Region Rhein-Main sorgt der tierische Nachwuchs derzeit für entzückte Blicke. © Kristina Bräutigam
So süß sind die Tierbabys in Rhein-Main
In der Region Rhein-Main sorgt der tierische Nachwuchs derzeit für entzückte Blicke. © Kristina Bräutigam
So süß sind die Tierbabys in Rhein-Main
In der Region Rhein-Main sorgt der tierische Nachwuchs derzeit für entzückte Blicke. © Kristina Bräutigam
So süß sind die Tierbabys in Rhein-Main
In der Region Rhein-Main sorgt der tierische Nachwuchs derzeit für entzückte Blicke. © Kristina Bräutigam
So süß sind die Tierbabys in Rhein-Main
In der Region Rhein-Main sorgt der tierische Nachwuchs derzeit für entzückte Blicke. © Kristina Bräutigam
So süß sind die Tierbabys in Rhein-Main
In der Region Rhein-Main sorgt der tierische Nachwuchs derzeit für entzückte Blicke. © Zoo Frankfurt
So süß sind die Tierbabys in Rhein-Main
In der Region Rhein-Main sorgt der tierische Nachwuchs derzeit für entzückte Blicke. © Zoo Frankfurt
So süß sind die Tierbabys in Rhein-Main
In der Region Rhein-Main sorgt der tierische Nachwuchs derzeit für entzückte Blicke. © Zoo Frankfurt
So süß sind die Tierbabys in Rhein-Main
In der Region Rhein-Main sorgt der tierische Nachwuchs derzeit für entzückte Blicke. © Zoo Frankfurt

Auch Götz sieht gute Chancen, dass die Auswilderung im Frühjahr ohne Probleme verlaufen wird. "Wenn sie die Jungkatzenphase überlebt haben, haben Wildkatzen eigentlich keine natürlichen Feinde außer dem Menschen", sagt er. "Und der Jagdinstinkt ist angeboren. Auch wenn sie ein paar Monate lang gefüttert werden, verlernen sie nicht, wie man Mäuse fängt." Für problematischer hält der Förster wohlmeinende Spaziergänger, die Jungkatzen sehen und mitnehmen - sei es, weil sie sie für verwilderte Hauskatzen halten, sei es, weil sie vermuten, die Mutter sei tot.

"In 90 Prozent der Fälle sind die Tiere nicht verwaist", betont Götz. Etwas anderes sei es, wenn das Jungtier bei der toten Mutter gefunden werde. Auch wenn Jäger oder Förster bei einer überfahrenen Katze feststellten, dass sie Jungtiere gesäugt habe, gehen sie vor allem im Herbst gezielt auf die Suche nach den Kätzchen.

Nicht nur Laien verwechseln mitunter Haus- und Wildkatzen. Kopfschüttelnd berichtet Götz vom Fall eines Tierarztes, der kürzlich eine angefahrene Wildkatze nicht nur behandelte, sondern als vermeintlichen Streuner auch gleich kastrierte. "Für den Artenschutz hat er das absolut Verkehrte getan, denn die Katze kann sich nicht mehr weiter verbreiten. Das ist bitter", bedauert der Förster.

Da sich manchmal auch verwilderte Hauskatzen und Wildkatzen paaren, soll bei den Kätzchen im Opel-Zoo eine Genanalyse klären, ob es sich um reine Wildkatzen oder um Hybride handelt. Vorsichtig zupft Beckmann ein paar Haare aus dem Fell des fauchenden Kätzchens und gibt sie in eine Plastiktüte. In wenigen Wochen dürfte das Untersuchungsergebnis vom Senckenberg-Institut für Naturforschung vorliegen. (dpa)

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