Ivar Leon Menger ist Deutschlands gefragtester Hörspielautor

Ohren-Horror: Der Stephen King des Hörspiels lebt in Rhein-Main

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Düsterer Blick, passend zu seinen Hörspielen: Ivar Leon Menger. Seine Werke haben komplexe Handlungsfäden. 

Bei einem echten Ivar Leon Menger kommt der Horror durchs Trommelfell gekrochen. Kein anderer beherrscht das Spiel mit der Angst so verstörend gut, wie Deutschlands bekanntester Hörspielautor. Alle seine Geschichten haben eines gemeinsam: Sie entstehen mitten im Wald.

Region Rhein-Main – Baseballkappe, Wachsjacke, Lederstiefel, Hornbrille, dahinter helle, freundliche Augen über einem entwaffnenden Lächeln – an Ivar Leon Menger ist überhaupt nichts gruselig. Äußerlich. Das, was in seinem Kopf mitten in Rhein-Mains Wäldern reift, ist dagegen dunkel, harter Thriller-Stoff, Mystery-Horror, nichts für schwache Nerven. Während seine zwölfjährige Tochter mit seiner Frau im Advent besinnlich Weihnachtsplätzchen backt, fährt Menger mit seinem Volvo durch die Wälder bei Darmstadt, sucht sich ein ruhiges Plätzchen und lässt seine düsteren Gedanken heraus. Er schaltet sein Handy ab, macht es sich auf der Rückbank bequem und fährt das Notebook hoch. „Im Wald habe ich die absolute Ruhe. Dort kann ich mich komplett rausnehmen“, sagt Menger. „Wenn es gut läuft, bin ich wie in einem Tunnel, nur noch mit mir und meiner Geschichte beschäftigt. Wenn mir das gelingt, schreib ich so lange, bis der Notebook-Akku leer ist. Manchmal merke ich erst, wenn ich mit dem Schreiben aufhöre, dass es schon dunkel ist.“

Die Gestalten und Geschichten, die Menger da in Rhein-Mains Wäldern erschafft, sind das Gegenteil von dem, was im Vorabendprogramm der ARD läuft. Seine Hörspiele gehören ins Nachtprogramm, wenn Kinder nicht mehr zuschauen dürfen und allzu ängstliche Gemüter schon zu Bett gegangen sind. Es geht um Geister-Erscheinungen, mysteriöse Morde, um Menschen, die spurlos verschwinden – dahinter schwingt immer etwas noch Dunkleres mit, ein Geheimnis, der große Unbekannte, etwas Bedrückendes, das von der ersten Hörspielminute bis zu letzten zu spüren ist.

Sicher sind Mengers Storys mit ihren komplexen Handlungsfäden darauf ausgelegt, Furcht zu sähen. So richtig unheimlich wird die Handlung aber erst, wenn die Profisprecher loslegen und Mengers Manuskripte zum Leben erwecken. „Mir ist es wichtig, jede noch so kleine Rolle mit professionellen Synchronsprechern zu besetzen“, sagt Ivar Leon Menger. Mittlerweile kann Menger sich seine Sprecher aussuchen. Auch, weil er den mittlerweile stärksten Hörspiel-Auftraggeber hinter sich hat: Die Amazon-Tochter Audible, die längst unangefochtener Platzhirsch auf dem Hörspielmarkt ist. Menger ist stolz darauf, mit seinem Hörspiel „Ghostbox“ und der aktuell zweiten Staffel exklusiv bei Audible gelandet zu sein. „Das gibt mir die Freiheit, meine Geschichte genau so produzieren zu können, wie ich mir das vorstelle.“ Mit an Bord sind etwa die deutschen Stimmen von Jeff Bridges, Christian Bale, Kevin Spacey und Ashton Kutcher.

„Ich mache da keine Kompromisse. Die Hörer merken sofort, wenn ein Sprecher abfallen würde.“ Sein Anspruch geht aber noch weiter: „Ich will mit meinem Hörspielen das hochwertigste produzieren, was der Markt zu bieten hat.“ Denn dieser ist gerade dabei, steil zu gehen. Das Interesse an Podcasts, Hörspielen und Hörbüchern steigt seit relativ kurzer Zeit sprunghaft an. „Die Menschen verändern ihre Gewohnheiten beim Medienkonsum und entdecken das Hören für sich“, sagt Menger. „Das liegt auch daran, weil man es nebenbei tun kann, etwa im Fitnessstudio oder beim Pendeln. Ich bin überzeugt, dass dieser Markt eine riesige Zukunft hat.“ Das scheint auch Audible so zu sehen und investiert in großem Stil in die Hörspielsparte. Auch Ivar Leon Menger wird weiter mit an Bord sein. Den Stephen King des Hörspiels lässt man nicht einfach so vom Haken.

Von Christian Reinartz

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