26-jährige Kathrin Schanz räumt Meistertitel ab

Offenbacherin wird trotz Diabetes Tischtennis-Star

Sonja Scholten/ nh
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Region Rhein-Main – Vor fünf Jahren kam die Diagnose: Diabetes Typ 1. Ein Schock für die damals 23-jährige Kathrin Schanz aus Offenbach. Doch sie kämpft sich zurück in den Alltag und bekommt eine Belohnung: Die Goldmedaille im Paralympics-Tischtennis. Von Katrin Greschner

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Klack, klack, klack: Immer wieder schlägt Kathrin Schanz den Tischtennisball mit dem Schläger auf die Platte ihres Gegners. Nach 30 Minuten: Die erste Pause. Nicht vor Erschöpfung, sondern zur Kontrolle. Der erste Stich in den Finger. Blut quillt heraus. Sie misst den Blutzuckerwert. 165 – alles ok. Sie spielt weiter. 30 Minuten später: Blutzuckerwert 86. Zu niedrig. Sie muss pausieren. Schnell muss Traubenzucker her. Sie holt ein Stück aus der Tasche, isst es. Der Zucker geht direkt ins Blut. Der Wert erholt sich. 

Seit 18 Jahren spielt die 26-jährige Offenbacherin Tischtennis. Mit ihrem Vater war sie schon als Baby oft in der Tischtennishalle, hat ihn bewundert. Ein anderer Sport habe sie nie interessiert: „Ich hab’s mal mit Tanzen probiert, aber das war nix für mich“, sagt sie. Mit 15 Jahren spielt sie in der Oberliga, geht auf eine Sportschule in Frankfurt. Nach dem Abitur studiert sie, trainiert nebenbei. Ihre Liebe zum Tischtennis wird immer größer. 2012 dann der Schock: Sie wird zunehmend schwächer, hat immer mehr Durst. Sie trinkt bis zu zehn Liter am Tag und nimmt ab, 20 Kilo in drei Wochen. Sie kann die Anzeichen nicht deuten, geht erst spät zum Arzt. Die Diagnose: Diabetes Typ 1. 

Mit Videos Mut machen

Danach ist Kathrin Schanz am Boden. Sie traut sich nicht in den Leistungssport zurück. Erst nach und nach lernt sie mit der Krankheit umzugehen. Aber sie merkt: „Irgendetwas fehlt mir.“ Nach eineinhalb Jahren findet sie zurück zum Sport. Sie lernt, was sie beachten muss, wenn sie trainieren will: Halbstündlich den Blutzuckerwert messen, davor etwas essen, das ihn nach oben treibt und nur die Hälfte Insulin nehmen. „Vom Sport geht der Blutzucker automatisch runter“, sagt sie. Sie sucht nach Leidensgenossen im Internet, findet aber niemanden, dem es so geht wie ihr. Deshalb gründet sie den Youtube-Kanal „Diabeteswelt", stellt wöchentlich Videos zu Diabetes Typ 1 online. „Ich will Betroffenen Mut machen, sie motivieren und zeigen, dass die Erkrankung kein Hindernis für den Leistungssport ist“, sagt Kathrin Schanz.

Gerade hat sie sich arrangiert, folgt die nächste Herausforderung: Im November 2014 wird sie schwanger. „Das war so wahrscheinlich, wie ein Lottogewinn.“ Denn neben der Diabetes leidet sie am PCO-Syndrom, einer hormonellen Störung, mit der es sehr schwer ist, Kinder zu bekommen. Während der Schwangerschaft benötigt ihr Körper mehr Insulin. Sie nimmt 60 Kilo zu. Die Ärzte raten ihr, während der Schwangerschaft keinen Sport zu machen und danach drei Monate zu pausieren. 

Kathrin Schanz auf Erfolgstour

Schanz ist nicht unterzukriegen: Sie legt danach wieder los, trainiert drei- bis viermal die Woche jeweils zweieinhalb Stunden bei ihrem Verein in Hattersheim. Nach einem halben Jahr wird ihre Ausdauer belohnt: Bei den Deutschen Meisterschaften im Paralympics-Tischtennis holt sie 2016 Gold im Einzel. Erfolgreich ging es in diesem Jahr weiter: In der Kategorie Doppel gewinnt sie Gold, im Einzel Silber. Im Mai wird sie Hessenmeisterin im Doppel. Nicht nur ihre Tochter Hannah jubelte ihr am Spielfeldrand zu: „Mittlerweile bin ich ein Diabetes-Promi“, sagt Schanz. Demnächst wechselt sie zu einem Verein in Offenbach. Für die Zukunft hat sie einen Wunsch: An den „normalen“ Deutschen Tischtennis-Meisterschaften teilzunehmen.

Ebenfalls vom Schicksal getroffen: Tom Belz aus Offenbach. Er verliert mit acht Jahren ein Bein. Bei einem Lauf will er nun Spenden für krebskranke Kinder sammeln.

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