„OFFcourse“ hilft Bedürftigen, mobil zu bleiben

Offenbacher Fahrradkiosk: Hier schrauben Flüchtlinge selbst

Jürgen Blümmel (links) hilft den beiden Flüchtlingen Adel Kalage (rechts) und Ibrahim Bazzat mit Tipps.
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Jürgen Blümmel (links) hilft den beiden Flüchtlingen Adel Kalage (rechts) und Ibrahim Bazzat mit Tipps.

Offenbach - „Auch Menschen ohne viel Geld sollen mobil bleiben. “ Das hat sich Jürgen Blümmel mit seinem Fahrradkiosk in Offenbach auf die Fahne geschrieben. Dort darf jeder schrauben, der sich eine normale Fahrradreparatur nicht leisten kann – auch Flüchtlinge. Von Christian Reinartz

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Adel Kalage hat ölige Finger. Er prüft den Sitz der Kette an einem alten Damen-Mountainbike. Das Fahrrad ist sein Ein und Alles. Es ist sein Tor zu dieser neuen Welt, zu dem Land, in das er vor Kurzem aus Aleppo geflüchtet ist. Jürgen Blümmel deutet mit einem Schraubenschlüssel auf das zweite Ritzel, gibt Tipps. Wenige Handgriffe später läuft das Rad wieder rund und sauber. Sogar ein neuer Reifenmantel ist drauf. 

Gekostet hat Kalage das genau null Euro. Er nimmt Jürgen Blümmels Hand und sagt in gebrochenem Deutsch: „Danke, Blümmel.“ Seine Augen sagen noch viel mehr. Für ihn ist der Fahrradhändler aus Offenbach ein Held, einer, der ihm und seinem Kumpel Ibrahim Bazzat das schwierige Leben etwas leichter macht. Aus der Flüchtlingsunterkunft in Rödelheim sind die beiden nach Offenbach geradelt.

Fahrradwerkstatt in altem Wasserhäuschen

Fast nirgendwo sonst bekommen bedürftige Menschen einfach so ein Rad gestellt, das sie sich dann quasi umsonst aufbauen können. „Wir haben viele Spendenfahrräder“, erklärt Jürgen Blümmel das Konzept seines Fahrrad-Kiosks mit dem Namen „OFFcourse“. Beheimatet ist die kleine Fahrradwerkstatt am Offenbacher Starkenburgring, in unmittelbarer Nähe zum Fahrradladen Artefakt von ihm und seiner Frau Anja Bamberger. Für beide war nach der Eröffnung klar: „Wir wollen uns hier in Offenbach für bedürftige Menschen engagieren.“ Die beiden pachten ein altes Wasserhäuschen von der Stadt, statten es mit Werkzeug aus. „Zwar kriegen die Flüchtlinge von uns meistens ein Fahrrad gestellt. Aber hauptsächlich richtet sich unser Angebot an Menschen, die sich eine normale Reparatur nicht leisten können.“

Wer schrauben will, geht in den Laden und holt sich den Kiosk-Schlüssel. „Das ist Vertrauenssache“, sagt Blümmel. „Ich kann einschätzen, wer es ernst meint.“ Angst vor Missbrauch hat er nicht. Nicht mal ein Schraubenzieher habe bisher gefehlt. „Die Menschen sind so dankbar. Da benimmt sich jeder.“ In der Zwischenzeit ist ein junger Familienvater aus Osteuropa dazugekommen. Schüchtern betrachtet er die beiden Flüchtlinge, die an ihren Fahrrädern basteln. An seiner Seite lehnt ein rostiges Herrenfahrrad. Die Bremse ist kaputt. Er hat von einem Freund von „OFFcourse“ gehört. Jürgen Blümmel erklärt ihm, wie alles läuft, gibt dem Mann kein einziges Mal das Gefühl, dass der Fahrrad-Kiosk ein Almosen ist. „Das wollen die Leute nicht“, sagt Blümmel. „Wir geben ihnen hier nur die Möglichkeit, sich selbst zu helfen.“

Wer kein Geld hat, darf alte Räder auseinandernehmen

Sogar für die Ersatzteile haben er und sein Team eine Lösung gefunden. „Wer wirklich gar kein Geld hat, bedient sich an gebrauchten Fahrrädern, die zu alt sind, um sie wieder aufzubauen. Die Übrigen brauchen nur die Teile zu kaufen oder mitzubringen. Und wenn was sehr knifflig ist, schauen wir auch mal drüber.“ Danach habe jeder das Gefühl, dass er sich mit eigener Kraft geholfen hat.

Der Familienvater hat mittlerweile den abgerissenen Bremszug an seinem Rad ausgetauscht. „Wie viel kostet das?“, fragt er Jürgen Blümmel. Der winkt ab: „Das Ding war doch gebraucht und nichts mehr wert.“ Der Mann lächelt dankbar, schüttelt Blümmel die Hand und radelt von dannen. Er wird allen seinen Freunden von dem großen Mann mit dem großen Herzen erzählen. Und Jürgen Blümmel weiß: Auf den Kiosk wartet bald noch mehr Arbeit.

Wer Interesse hat, meldet sich beim Kiosk. Geöffnet ist er ab dieser Woche immer Mittwoch und Freitag ab 15 Uhr.

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Als erstes sollte man sein Fahrrad ganz grob von Staub und Dreck säubern. Entweder schnappt man sich einen Lappen mit Spüli oder speziellen Fahrrad-Reiniger oder man braust das Rad mit einem normalen Gartenschlauch ab. Aufgepasst! Niemals darf man dafür einen Hochdruckreiniger verwenden. Denn sonst wird das Fett aus den Kugellagern heraus geschwemmt und das Fahrrad ist defekt. © oh
Dann werden alle Schraubverbindungen geprüft und nachgezogen. Wichtig sind vor allem die Lenkerschrauben. Das kann sonst beim Fahren eine böse Überraschung geben. Anschließend die Bremsen aushängen und die Klötze auf Verschleiß prüfen und gegebenenfalls austauschen. © oh
Wenn eine Lichtanlage angebracht ist, dann muss diese ebenfalls auf Defekte überprüft werden. © oh
Ganz wichtig ist nach der langen Winterpause auch eine Kettenpflege des Fahrrades. Die Kette muss zunächst gründlich mit einem Lappen gesäubert werden. © oh
Dafür gibt es im Fachhandel speziellen Kettenreiniger. Allerdings kann auch normales Spüli verwendet werden. © oh
Nach dem Reinigen muss die Kette aber auf jeden Fall wieder eingeölt werden, damit sie durch Regen und Feuchtigkeit nicht anfängt zu rosten. © oh
Brems- oder Schaltzügel kontrollieren, indem man kurz die Bremse oder den Gang betätigt und guckt, ob der Schaltzug oder der Hebel sich entlastet und wieder in die Ausgangsposition zurückgeht oder, ob er anfängt zu haken. Auch ob die Leitungen gerissen oder porös sind, sollte man inspizieren. © oh
Zum Schluss: Luftdruck. Beim Trecking Rad sollte er zwischen 3,5 und vier und bei einem Mountainbike zwischen 2,5 bis drei Bar sein. © oh

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