Stefan Sabatzki vernäht den besten Denim-Stoff der Welt

Offenbach: Er näht die Jeans fürs Leben

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Stefan Sabatzki schultert eine Rolle des Denim-Stoffs aus Japan in seinem Atelier in der Offenbacher Hassia-Fabrik

Offenbach – Dass die wohl besten Jeans Deutschlands aus Offenbach kommen, vermutet niemand. Dennoch ist es wahr! In der Hassia-Fabrik schneidert Stefan Sabatzki versteckt im zweiten Obergeschoss schwere Maß-Hosen aus dem weltbesten Denim-Stoff aus Japan.

Stefan Sabatzki hat eine ganz besondere Beziehung zu seinen acht Nähmaschinen. Sie sind fast alle mehr als vierzig Jahre alt und heißen wie seine Musikidole: Nick, Sid, Kurt, Blixa, Trent, Siouxie, Maynard und Björk. „Ich weiß, dass das ein bisschen seltsam klingt, aber ich arbeite den ganzen Tag mit ihnen. Jede hat ihren eigenen Charakter“, sagt Sabatzki und streicht fast schon zärtlich über den kalten Stahl seiner Pfaff-Nähmaschine in Hammerschlag-Grün. Seine Augen beginnen vor Glück zu glänzen, wenn er von Webtechniken, Denim-Färbungen und Stoff-Steifigkeiten spricht. Sabatzki ist dann in seinem Element, in seinem Atelier, einem Raum mit weiß gekalkten Backsteinwänden und großen, alten Fenstern zum Hof. An der Wand liegen in Regalen aufgereiht seine Arbeitsmaterialien, zentnerschwere Rollen der besten Jeans-Stoffe der Welt. Die meisten kommen aus Japan. Dort stehen die guten, alten amerikanischen Maschinen, die den Erfolgszwirn aus reiner Baumwolle noch so dicht weben können wie vor hundert Jahren. „Moderne Maschinen sind viel schneller und weben breitere Bahnen“, sagt Sabatzki. „An die Qualität der Stoffe aus Japan kommt deshalb keiner mehr ran.“

„Das war wie eine Offenbarung“

Warum aber eigentlich Jeans? Diplom-Informatiker Sabatzki wird bei dieser Frage sentimental. „Ich war 14, als ich meine erste Jeans bewusst getragen habe“, sagt er. „Eine Hose, die ich sowohl in der Schule, auf Partys und bei Omas Geburtstag anziehen konnte. Das war wie eine Offenbarung. Und je mehr ich sie trug, desto bequemer wurde sie und desto besser sah sie aus.“ Überhaupt ist Patina in der Szene ein großes Thema. „Je mehr Gebrauchsspuren so eine Denim-Hose bekommt, desto besser und individueller sieht sie aus.“ Diese Erkenntnis ist es letztendlich, die aus dem Jeans-Fan Sabatzki einen Jeans-Freak macht. Er liest sich in die Materie ein, studiert über Jahre verschiedene Jeans-Qualitäten, kennt irgendwann sämtliche Denim-Webereien weltweit. Zeitgleich beginnt er mit dem Nähen. „Ich hatte es satt, dass ich keine passenden Hemden für meine dünne Statur bekam“, sagt Sabatzki. Erst war es eine ganz einfache Maschine. „Aber es hat so viel Spaß gemacht, dass ich aufgerüstet habe.“ Aus der Begeisterung ist eine Sucht geworden, ein Fieber, das Sabatzki nicht mehr kontrollieren kann.

300 Euro kostet eine Maß-Hose

Vor einem Jahr dann fasst er den Entschluss, dem Druck nachzugeben und seine beiden Leidenschaften zu vereinen. Er schmeißt seinen Informatiker-Job, investiert sein Erspartes in spezielle Jeans-Nähmaschinen und gründet das erste Offenbacher Jeans-Label „Solid State Denim“. Schnell findet er in der Hassia-Fabrik sein Atelier und beginnt mit dem Schneidern. Anfangs nur für Freunde und Bekannte, schnell kommen aber auch neue Kunden dazu. Günstig ist das nicht. 300 Euro kostet eine Maß-Hose. Dafür gibt Sabatzki aber auch lebenslange Reparaturgarantie. „Ich war selbst überrascht, wie groß das Interesse ist“, sagt Sabatzki, der für eine Hose einen ganzen Tag braucht und deshalb aktuell nur schwer die Nachfrage bewältigen kann. Zur Zeit tüftelt Sabatzki an einem System, um Jeanshosen als Maßkonfektion herstellen zu können. „Das ist wie Maßschneidern, nur, dass wir nicht jedes mal neue Schnittmuster anfertigen müssen. Das spart Zeit und ist günstiger bei gleicher Qualität. Dann kann ich endlich mehr Kunden bedienen

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