Offenbachs Kino-Papst hat ein Film-Kochbuch geschrieben

Kino für die Zunge

„Das ist ein leckerer Burger“ – Daniel Brettschneider beißt schon mal zu, bevor er sich wieder über sein Manuskript hermacht. Foto: rz

Ohne Kino kann Daniel Brettschneider halt nicht. Das erste Buch des Kino-Papstes handelt deshalb von seinen ganz persönlichen Herzensfilmen, von abenteuerlichen Kinobesuchen in den 90ern und den Gerichten, die darin eine Rolle spielen.

Offenbach – Burger aus Pulp Fiction, Wassermelone aus Dirty Dancing und Erdbeeren mit Champagner aus Pretty Woman – Daniel Brettschneider bringt in seinem ersten Buch die ganz großen Emotionen des Films zusammen. Der Titel: „Kino Kulinarisch“, genauso wie seine furiose Kinoreihe. Er lässt den Leser schmecken, was das Herz im Kino fühlt. Zu den wichtigsten Filmen seines Lebens reicht Brettschneider das passende Gericht, und garniert das Ganze mit wunderbaren Zeichnungen von NY-Times-Illustrator Jan Buchczik. Am Ende steht eine 144-seitige, knallbunte, autobiografische Liebeserklärung an die drei großen Lieben seines Lebens: Das Kino, gutes Essen und seine Heimatstadt Offenbach! „Ich durfte mich mit den unzähligen Kinoveranstaltungen in Offenbach in den vergangenen Jahren komplett verwirklichen. Dieses Gefühl der Dankbarkeit und die vielen tollen Erinnerungen an unvergessliche Stunden wollte ich teilen. Und genau deshalb gibt es dieses Buch“, sagt Brettschneider.

Das Buch ist freilich ganz anders als ein herkömmliches Kochbuch. Das beginnt damit, dass die Rezepte gar nicht wie üblich abgedruckt sind, die Mengenangaben fehlen. Brettschneider lässt einen beim Kochen tatsächlich über die Schulter schauen und erzählt dabei aus seiner Jugend, wie er sich mit 15 zusammen mit seiner damaligen Freundin Jessica aus einer Berliner Jugendherberge schlich, nur um dann bei Pulp Fiction in einem winzigen Berliner Programmkino nach einer halben Stunde einzuschlafen. Solche Erinnerungen mischt Brettschneider mit scharfsinnigen, aber nie langweiligen Filmanalysen und jeweils einem wohlschmeckenden Rezept aus der Brettschneiderschen Penthouse-Küche in Offenbach.

Das Buch selbst kommt absichtlich ohne Hochglanzfotos aus. Stattdessen sorgen Buchcziks Zeichnungen, die von Gestalter Jan Münz mit Brettschneiders Texten kunstvoll arrangiert wurden, für Aufmerksamkeit im Bücherregal. Herausgekommen ist ein Film-Kochbuch im Hardcover-Format und knalligen Farben, das sich runterliest wie ein Roman, informativ ist wie ein Sachbuch und einem so ganz nebenbei das Wasser im Mund zusammenlaufen lässt.

Christian Reinartz

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