Stadtmenschen wollen alte Schätze weitergeben

Offenbacher Verein regt mit Regalen zum Tausch an

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Paola Wechs und Ina Beyer vom Verein Stadtmenschen haben sogenannte Open-Bridge-Module in ganz Offenbach aufgehängt, um Bürger zum Tauschen anzuregen.

Offenbach – Online ist die Weitergabe von ausrangierten Dingen keine Seltenheit. Im Alltag landen Kleinigkeiten oft im Müll. Um ungenutzten Dingen einen Sinn zu geben, hat der Verein Stadtmenschen sogenannte Open Bridge Module verteilt, um Bürger zum Tauschen zu animieren. Von Janine Drusche

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In Zeiten von Billigläden fliegen schnell – noch brauchbare – Artikel in den Papierkorb. Oft wird etwas lieber neu gekauft, als es aufwendig zu säubern. Wenn der Geruch des neuen Shampoos doch nicht gefällt, die Zeitschrift ausgelesen ist oder das Kind das neue Spielzeug nicht anrührt, landen diese Dinge häufig im Müll. Dabei sind diese Sachen oft noch nutzbar. Deshalb hat der Verein Stadtmenschen Offenbach eine soziale Tausch-Plattform der nichtvirtuellen Art ins Leben gerufen. Rund 25 Bauchladen ähnliche Konstrukte aus alten Holzpaletten haben die Mitglieder des Projekts mit dem Produktdesigner Robin Weidner, Absolvent der Hochschule für Gestaltung in Offenbach, in einem Workshop in Frankfurt gezimmert. 

Heraus kamen die sogenannten Open-Bridge-Module, zu deutsch „Offene Brücken“. „Die nagel-, schrauben- und kleberlose Verbindung aus Altholz macht den Bau der Tauschregale leicht und steht für den Wandel zur Nachhaltigkeit“, sagt Ina Beyer: „Upcycling, Schenken und Tauschen sollen eine verbindende Wirkung für die Stadtgesellschaft entfalten und damit Brücken schlagen.“ Die Open Bridges haben Ina Beyer, Paola Wechs und die anderen Stadtmenschen vor zwei Wochen in der gesamten Stadt verteilt. An 13 Standorten, wie dem Wilhelmsplatz, dem Hessenring und dem Martin-Luther-Park wurden die Kästen an Bäumen, Straßenlaternen und Zäunen aufgehängt, um die Offenbacher zum Tauschen oder Verschenken anzuregen. 

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„Man fragt sich immer wieder, wohin mit dem Zeug, das zum Wegwerfen zu schade ist?“, erklärt Ina Beyer die Intention der Aktion: „Open Bridge-Module sind kleine Regale, die man draußen vor seinem Haus oder in seinem Wohnblock befestigen und als kleine Büchertauschregale, Pfandstationen und für vieles mehr verwenden kann“, sagt die 31-Jährige. Manche Dinge seien für die einen wertlos, für andere aber ein kleiner Schatz. „Das, was manche als Müll bezeichnen, finden andere vielleicht ganz toll oder können es gerade gebrauchen. 

An der Wilhelmstraße ist die Open Bridge schon prall gefüllt.

Die Stadt lebendiger machen

So haben die Leute die Chance ihre noch guten, ausrangierten Sachen in die Kisten zu packen, damit sich jemand anderes darüber freut. Vielleicht steckt der wiederum etwas in ein Modul, was wieder jemand anderes haben möchte“, freut sich Paola Wechs, die mit den Open Bridges die Stadt lebendiger machen und damit auch weniger Müll produzieren will. Was die Stadtmenschen nicht in den öffentlichen Bauchläden haben wollen, ist Müll oder spitze Gegenstände: „Es soll nicht gefährlich sein“, sagt Beyer. 

Angenommen wurden die Module, die selbsterklärend sein sollen, bereits ganz gut: „Wir hatten schon Shampoo, Gürtel, Pfand, Samen, Tassen und vieles mehr in den Körbchen“, freut sich Wechs. Bei Regen sei Kreativität gefragt: „Oder wir bauen noch Dächer drauf oder hängen die weiteren gleich an geschützte Stellen.“ Drei der aufgehängten Module sind bereits verschwunden: „Aber das zeigt ja, dass sie den Leuten gefallen“, sagt Beyer.

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