Deutschlandweiter Telefonservice will für besseres Sicherheitsgefühl auf dem Weg nach Hause sorgen

Die Nummer gegen Heimweg-Kummer

Alleine auf dem Weg nach Hause und ein mulmiges Gefühl macht sich breit? Für solche Situationen stehen die ehrenamtlichen Telefonisten des Heimwegtelefons parat. Durch das Telefonat soll das Sicherheitsgefühl erhöht und potenzielle Angreifer abgeschreckt werden. Foto: panthermedia.net/HighwayStarz

Angst auf dem Weg nach Hause? Das kann gerade jetzt in der dunklen Jahreszeit öfter mal vorkommen, muss aber nicht sein. Wer die Nummer des Heimwegtelefons wählt, kann sich bis vor die Haustür begleiten lassen. Von Dirk Beutel

Region Rhein-Main – Ein Anmachspruch in einer dunkle Gasse, eine Begegnung in einer unheimlichen Unterführung oder einfach, weil man sich nachts alleine unterwegs nicht sicher fühlt: Es gibt zahlreiche Situationen, die ein mulmiges Gefühl verursachen, und in denen man sich jemanden an der Seite wünscht. Zumindest das Gefühl, dass man in solchen Augenblicken nicht mehr alleine ist oder plötzlich zum Opfer wird, wollen die ehrenamtlichen Mitarbeiter des Heimwegtelefons erreichen. Die Idee stammt aus dem schwedischen Stockholm, wo Gründerin Frances Berger den Service entdeckt hatte. „Dort ist er sogar bei der Polizei angesiedelt. Soweit sind wir in Deutschland aber noch nicht“, sagt Mitarbeiter Marcel Wewer. Den ehrenamtlichen Service in Deutschland gibt es in seiner jetzigen Form seit 2016.

Zurzeit stehen etwa 20 aktive Telefonisten hinter der Berliner Z (030) 12074182, die für ganz Deutschland gilt, sonntags bis donnerstags von 20 Uhr bis Mitternacht und freitags und samstags von 22 bis vier Uhr bereit. Am Apparat findet sich ein Querschnitt der Gesellschaft, wie Wewer schildert: Darunter Polizisten, Medizinstudenten, Notfallsanitäter. Die Mitarbeiter sind während ihrer Schicht immer zu Hause, dabei steht eine zweite Telefonleitung zur Verfügung. „Wenn ein Anrufer tatsächlich in eine brenzlige Situation gerät, kann man dadurch schnell die Polizei oder den Notdienst alarmieren“, sagt Wewer. Er selbst begleitete telefonisch eine junge Frau, der es in ihrem alkoholisierten Zustand nicht mehr möglich war, den Weg nach Hause zu finden und die dabei war, sich in einem Waldstück schlafen zu legen. „Auch ohne Ortskenntnisse, können wir im Internet schnell nachvollziehen, wo sich ein Anrufer befindet. Glücklicherweise kam in diesem Fall der Rettungsdienst rechtzeitig“, sagt Wewer. Aber mittlerweile rufen auch Stammkunden an. „Da gibt es einen älteren Herrn im Ruhrgebiet, der sich dann beim Gassigehen im Winter einfach besser fühlt“, sagt Wewer. Nicht nur jetzt in der dunklen Jahreszeit häufen sich die Anrufe bei der Service-Hotline. Auch aus dem Rhein-Main-Gebiet, vor allem aus Frankfurt und Offenbach. Und der Bedarf steigt stetig weiter. Deshalb sucht das Heimwegtelefon seinerseits ständig nach neuen Mitstreitern. Nebenbei arbeiten die Macher daran, dass ihr Telefonservice als Verein eingetragen wird. „Wir erwarten jeden Tag unseren Eintrag“, sagt Wewer.

Mehr Informationen gibt es unter: www.heimwegtelefon.de.

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