Soweit die Theorie

600 neue Windräder in Rhein-Main: Pläne vorgelegt

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Dieses Bild könnte in Rhein-Main bald zum Alltag gehören. 

Rhein-Main - Fast 3000 Einwände und Anregungen wurden in den vergangenen 30 Monaten geprüft. Jetzt ist es amtlich: Im Rhein-Main-Gebiet könnten rechnerisch auf 2000 Hektar bis zu 600 Windräder gebaut werden. Dies sieht der Entwurf des Regionalverbands Frankfurt/Rhein-Main vor.

Insgesamt sind darin 29 Vorrangflächen für die Windkraft ausgewiesen, 13 davon im Hochtaunus und zehn in der Wetterau. Dort wurde wegen der Kritik von Vogelschützern ein Gebiet mit nistenden Rotmilanen bei Butzbach gekippt. Der Bürgerprotest hat außerdem die klassische Sicht auf die Burg Münzenberg gerettet. Die Windräder sind nun hinter die erste Hügelkette verbannt worden - in gut drei Kilometern Entfernung von der Burg statt einem Kilometer. Die Rotoren bleiben aber sichtbar.

Der Entwurf verhindere eine „Verspargelung“ der Landschaft, sagte der Erste Beigeordnete des Verbands, Thomas Horn (CDU). Im Vergleich zu den bereits Ende 2013 vorgelegten Vorplanungen sind mit Rücksicht auf Naturschutz und Landschaftsbild rund 500 Hektar weggefallen. Mehr als genauso viel sind jedoch hinzugekommen, weil gefährdete Vogelarten genauer lokalisiert wurden.

Ökostrom-Förderung wird umgestellt: Mehr Wettbewerb

Alternative Energieformen in Deutschland: Wind- und Solarstrom sowie andere erneuerbare Energien sind längst die wichtigste Stromquelle. Foto: Archiv
Alternative Energieformen in Deutschland: Wind- und Solarstrom sowie andere erneuerbare Energien sind längst die wichtigste Stromquelle. Foto: Archiv © dpa
Blick in einen gigantischen Solarstromspeicher in Schwerin: Hier sollen die natürlichen Schwankungen der erneuerbaren Energien abgepuffert werden. Foto: Jens Büttner/Archiv
Blick in einen gigantischen Solarstromspeicher in Schwerin: Hier sollen die natürlichen Schwankungen der erneuerbaren Energien abgepuffert werden. Foto: Jens Büttner/Archiv © Jens Büttner
Vier große Biogastanks liefern der "Bio-Käsemanufaktur" in Teningen die nötige Energie. Foto: Patrick Seeger/Archiv
Vier große Biogastanks liefern der "Bio-Käsemanufaktur" in Teningen die nötige Energie. Foto: Patrick Seeger/Archiv © Patrick Seeger
Frisch gehäckselter Mais wird auf dem Gelände einer Biogasanlage zu einem Hügel aufgeschoben und verdichtet. Die Maissilage dient später der Biogaserzeugung. Foto: Philipp Schulze/Archiv
Frisch gehäckselter Mais wird auf dem Gelände einer Biogasanlage zu einem Hügel aufgeschoben und verdichtet. Die Maissilage dient später der Biogaserzeugung. Foto: Philipp Schulze/Archiv © Philipp Schulze
Energiebörse EEX in Leipzig. Foto: Jan Woitas/Archiv
Energiebörse EEX in Leipzig. Foto: Jan Woitas/Archiv © Jan Woitas
Die seit Jahren geltenden festen Fördersätze für Strom aus Erneuerbaren Energien sollen ab 2017 in großen Teilen abgeschafft werden. Foto: Stefan Sauer/Archiv
Die seit Jahren geltenden festen Fördersätze für Strom aus Erneuerbaren Energien sollen ab 2017 in großen Teilen abgeschafft werden. Foto: Stefan Sauer/Archiv © Stefan Sauer

Allein 50.000 Hektar hat der Verband im dicht besiedelten Raum wegen des Flughafens oder Verkehrsstrecken zur Tabuzone für die Windkraft erklärt. Insgesamt bleibt der Entwurf mit einer ausgewiesenen Gesamtfläche von 0,8 Prozent für die Windkraft aber deutlich unter den Vorgaben der schwarz-grünen Landesregierung.

Hessen will auf rund zwei Prozent seiner Fläche Windräder bauen, mit einem Mindestabstand von 1000 Metern zu Siedlungen. Das Land hat sich zum Ziel gesetzt, bis zum Jahr 2050 Strom und Wärme zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energien zu beziehen. Den Löwenanteil soll die Windkraft liefern.

Dies müssen die Regionen nun planerisch umsetzen. Im weit weniger dicht besiedelten Nord- und Mittelhessen ist man da Rhein-Main voraus: Dort sehen die Entwürfe nach den Zahlen des Wirtschaftsministeriums 2,2 beziehungsweise 2,3 Prozent der Gesamtfläche für Windräder vor. Südhessen liegt bei 1,7 Prozent - der Regionalverband Frankfurt/Rhein-Main ist als Teil davon für 75 Kommunen mit mehr als zwei Millionen Einwohnern zuständig.

Flugsicherung kann Veto einlegen

Doch dass in der Rhein-Main-Region auf allen jetzt ausgewiesenen Flächen Windräder gebaut werden, ist kaum anzunehmen. Für realistisch hält der Regionalverband etwa 200 Anlagen. Vor allem die Deutsche Flugsicherung (DFS) kann noch erheblich dazwischenfunken. Denn fast die Hälfte der ausgewiesenen 2040 Hektar liegt in einem 15-Kilometer-Radius um Funkfeueranlagen. Für diesen Umkreis hat die DFS grundsätzlich Vorbehalte gegen Windräder angemeldet.

Hinzu kommen politische und wirtschaftliche Unwägbarkeiten. Erst am Mittwoch hat ein Bund-Länder-Gipfel in Berlin im Grundsatz beschlossen, den Ausbau der Windkraft an Land zu drosseln. Die Ökoenergie soll damit nicht mehr so stark über den Strompreis subventioniert werden. Für die ehrgeizigen Ausbauziele der Windkraft in Hessen könnte dies erhebliche Auswirkungen haben.

Hessens grüner Energieminister Tarek Al-Wazir bleibt dennoch optimistisch. Das angestrebte Flächenziel von zwei Prozent für die Windenergie in Hessen bezeichnete er am Donnerstag in einer Stellungnahme als "sportlich, aber nicht unerreichbar". Dagegen forderte die FDP-Opposition im Landtag erneut den Stopp der Windkraft. Die Rhein-Main-Region sei für Windräder ungeeignet. Die Liberalen sind derzeit die einzige Partei im Parlament, die offen gegen das Zwei-Prozent-Ziel mobilisiert. Thomas Maier/dpa

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Verstehen Sie E- Mobilität?

BMW i8
Voll elektrisch: Immer mehr Elektroautos sollen bald über die Straße rollen. Mit dem Aufstieg der Stromer in den nächsten Jahren müssen die Verbraucher sich auch an neue Begriffe gewöhnen. Hier einige der wichtigsten Begriffe der E-Mobilität: © BMW
Toyota Prius
HYBRIDANTRIEB: Ein Hybridantrieb hat zwei Kraftquellen, meist einen Benzinmotor und einen zusätzlichen Elektromotor. (lateinisch hybrid: von zweierlei Herkunft). Der Hybrid ist der Einstieg in die Elektromobilität: Ein kleiner Elektromotor treibt des Wagen über kurze Strecken an, lange Fahrten übernimmt der kräftige Benzinmotor. Die Batterie wird über wiedergewonnene Bremsenergie geladen. Das weltweit erfolgreichste Hybridautos ist der Toyota Prius. © Toyota
Lexus CT 200h
VOLL- HYBRID: Ein Voll-Hybrid Auto kann rein elektrisch fahren. Das Anfahren und Fahren funktioniert vollständig ohne Verbrennungsmotor. Mit dem CT 200h präsentiert Lexus das erste Fahrzeug mit Vollhybridantrieb im Segment der kompakten Premium-Modelle. © Lexus
MILD HYBRID: Als Mild-Hybrid werden Autos bezeichnet, bei denen der elektrische Zusatzmotor schwach ausgelegt ist und das Auto nicht allein anschieben kann. Auch hier lädt Bremsenergie die Batterien und spart so Benzin. Bei Mild-Hybriden ist meist der Starter gleichzeitig der Generator. © dpa/Hersteller
RANGE EXTENDER:  Range Extender (engl.) heißt auf Deutsch Reichweitenverlängerer. So nennt die Industrie Hybridautos, bei denen der Elektroantrieb an erster Stelle steht, aber zur Sicherheit ein kleiner Benzinmotor mit an Bord ist. Der Benzinmotor verlängert die Reichweite von den rund 100 bis 150 Kilometern, die bisher mit Batterien erreicht werden, auf mehr als 600 Kilometer. Der Benzinmotor treibt nicht direkt die Räder an, sondern lädt falls nötig die Batterie... © dpa/Hersteller
Opel Ampera
...Damit wird ein enorm sparsamer Betrieb möglich, weil der Benziner mit gleichmäßiger niedriger Umdrehungszahl läuft. Bekannteste Modell ist der Volt von General Motors, der als Opel Ampera (Foto) in Deutschland unterwegs ist. Alle großen Konzerne arbeiten an Range Extendern, denn die Angst der Verbraucher vor dem Liegenbleiben gilt als eines der großen Hindernisse für Stromfahrzeuge. © Opel
LITHIUM- IONEN- TECHNIK: Das chemische Element Lithium macht den geplanten Sprung in das Zeitalter der Elektroautos erst möglich. Sogenannte Lithium-Ionen-Batterien können deutlich mehr Energie speichern als klassische Bleiakkumulatoren. In Laptops oder Handys sind Lithium-Ionen-Batterien schon Alltag. Lithium ist ein Leichtmetall. In der Natur kommt es im Reinzustand nicht vor, sondern ist gebunden in Gestein. Es gibt außer in Batterien nur wenig Verwendungszwecke. © dpa/Hersteller
LITHIUM: Das silberweiße Element ist das leichteste Metall im Periodensystem der Chemiker. Es wird nicht nur für die Herstellung leistungsfähiger Batterien, sondern auch in vielen anderen industriellen Bereichen verarbeitet. Lithium zählt als der Rohstoff der Zukunft schlechthin. „Weißes Gold“, heißt es vielversprechend. Lithium Vorräte sind in Bolivien, Chile und Afghanistan zu finden. Auch im Erzgebirge, in der Gegend an der deutsch-tschechischen Grenze suchen Photovoltaikhersteller nach dem wertvollem Rohstoff. © dpa/Hersteller
Plug ist das englische Wort für Stecker. Ein Plug-in ist ein Elektroauto, Hybrid oder vollelektrisch, das einen Stecker hat und über das Stromnetz geladen werden kann.
PLUG- IN:  Plug ist das englische Wort für Stecker. Ein Plug-in ist ein Elektroauto, Hybrid oder vollelektrisch, das einen Stecker hat und über das Stromnetz geladen werden kann. Bisher hat sich die weltweite Autoindustrie nicht auf einen einheitlichen Standard zum Stecker geeinigt. Der Begriff Plug-in ist auch in der Computersprache verbreitet und bezeichnet dort Programme, die sich in andere Programme einklinken und zusätzliche Funktionen bereitstellen. © dpa
PHEV: Kurzform für Plug-In Hybrid - Ein Plug-In Hybrid kann über das konventionelle Stromnetz aufgeladen werden und wird sozusagen über Nacht aufgetankt.
PHEV: Kurzform für Plug-In Hybrid - Ein Plug-In Hybrid kann über das konventionelle Stromnetz aufgeladen werden und wird sozusagen über Nacht aufgetankt. © dpa
Wasserstoff
...Die Brennstoffzellentechnik läuft seit Jahren, etwa in U-Booten oder in Testbussen. Das Problem ist das Tanken: Während eine Batterie an jeder Steckdose geladen werden kann, brauchen Brennstoffzellen Wasserstoff-Tankstellen, von denen es in Deutschland nur ein paar gibt. © Linde AG
METHAN: Einen völlig neuen Ansatz der Elektromobilität testet Audi: Der Hersteller investiert Millionen in vier Windräder in der Nordsee. Mit diesem Öko-Strom wollen die Autobauer Wasserstoff erzeugen. Dieser Wasserstoff wird nach den Plänen in das Gas Methan umgewandelt, mit dem Gasmotoren in Autos befeuert werden. Gasmotoren sind erprobte Autotechnik, Audi will ab 2013 eigenen Modelle anbieten.
METHAN: Einen völlig neuen Ansatz der Elektromobilität testet Audi: Der Hersteller investiert Millionen in vier Windräder in der Nordsee. Mit diesem Öko-Strom wollen die Autobauer Wasserstoff erzeugen. Dieser Wasserstoff wird nach den Plänen in das Gas Methan umgewandelt, mit dem Gasmotoren in Autos befeuert werden. Gasmotoren sind erprobte Autotechnik, Audi will ab 2013 eigenen Modelle anbieten. © Audi
ENERGIEVERSORGUNGSUNTERNEHMEN: Beim Übergang in das Zeitalter der Elektroautos droht ein Machtkampf zwischen den Autokonzernen und Energieversorgungsunternehmen ( EVUs) wie E. ON und RWE. Die EVUs sehen in Stromautos ganz neue Möglichkeiten des Absatzes. Schon wird beispielsweise geplant, Autobatterien zusammenzuschalten und als eine Art gigantischen virtuellen Stromspeicher zu nutzen. Das würde die Autohersteller auf eine reine Lieferantenrolle reduzieren. Als erster Konzern steuert Audi dem mit eigenen Windrädern entgegen. © dpa/Hersteller
Renault Twizzy
NICHT MONTENTÄRE ANREIZE: Die Bundesregierung plant keine direkten Zuzahlungen für den Kauf von Elektroautos. Statt dessen ist von “nichtmonetären Anreizen“ die Rede. Das wären etwa Sonderparkflächen oder Zufahrtsgenehmigungen in Fußgängerzonen. Außerdem könnten E-Autos auf Busspuren rollen oder eigene Sonderfahrspuren bekommen. © Renault
Im Januar 2015 hat der Bundestag jetzt dazu ein Gesetz dazu verabschiedet. Neue Privilegien sollen in Deutschland mehr umweltschonende Elektroautos auf die Straße bringen. © dpa

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