Tierheim weigert sich, Einsatz der Tierrettung zu bezahlen

Psycho-Kater Franz beißt neues Herrchen in die Klinik

Hier im Flur hat Franz zugebissen! Peter Fanger zeigt, wo der Kater ausgerastet ist.
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Hier im Flur hat Franz zugebissen! Peter Fanger zeigt, wo der Kater ausgerastet ist.
  • Christian Reinartz
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Neu-Isenburg – Kaum hat Peter Fanger Kater Franz aus dem Dreieicher Tierheim nach Hause geholt, rastet das Tier aus und verbeißt sich fünfmal in sein Bein. Erst die Tierrettung kann den Horror-Kater einfangen. Das Tierheim weigert sich seitdem, die Einsatz-Kosten zu übernehmen. Von Christian Reinartz

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Wenn Peter Fanger sich an die traumatischen Stunden erinnert, kommt alles wieder hoch und seine Stimme wird schwer. Vor über einem Jahr war Fanger ins Dreieicher Tierheim gefahren, um sich eine Katze auszusuchen. Schnell hat er sich in Kater Franz verguckt, einen weißen Wonneproppen mit schwarzen Flecken. Dass Kater Franz vom Tierheim, laut Fanger, als „leicht dominant“ beschrieben wird, ist für den erfahrenen Katzenbesitzer kein Problem. Wenig später sitzt Franz in Fangers Wohnzimmer. Nach zwei Stunden beginnt der Horror. „Plötzlich ist Franz wie von Sinnen aufgesprungen und hat mich angefallen“, sagt Fanger. Frau und Sohn schaffen es, sich im Kinderzimmer zu verbarrikadieren. Währenddessen versucht Fanger sich dem Tier vorsichtig zu nähern. Doch Franz tickt völlig aus und fällt Peter Fanger an. 

Fünfmal gräbt er seine Fangzähne tief ins Fleisch von Fangers Bein. „Ich habe geblutet wie ein Schwein“, sagt Fanger. „Alles war rot. Ich musste danach sogar ins Krankenhaus.“ Immer wieder greift Franz an, treibt den Mann durchs Haus, faucht, spuckt und springt sein neues Herrchen an. „Irgendwann bin ich dann zur Haustür raus und habe den Kater im Haus eingesperrt.“ Währenddessen harren Frau und Sohn im ersten Stock hinter der verschlossenen Kinderzimmertür aus. Franz attackiert alles, was sich bewegt.

Polizei bot an, den Kater zu erschießen

Fanger ruft beim Tierheim an. Dort läuft nur den Anrufbeantworter. Auch die Polizei ist keine Hilfe. „Die Polizisten haben mir angeboten, sie könnten den Kater erschießen.“ Er entscheidet sich, die Tierrettung zu rufen. „Die haben dann eine Dreiviertelstunde gebraucht, bis der Kater eingefangen war“, erinnert sich Fanger. 100 Euro werden für den Einsatz fällig. Fanger bezahlt. Dass der Fall ihn noch lange Zeit beschäftigen wird, ahnt er da noch nicht.

„Das, was dieser Kater uns angetan hat, war ein Albtraum“, sagt der Industriekaufmann. Aber das Schlimmste für Fanger sind nicht die Bisswunden: „Was mich nicht in Ruhe lässt, ist die Tatsache, dass das Tierheim bis heute keine Verantwortung übernehmen will.“

Denn statt Verständnis hagelt es dort Vorwürfe. Schriftlich teilt man Fanger mit, dass er eigentlich mit einer Strafe zu rechnen habe, da er gegen den Tierschutzvertrag verstoßen habe. Darin steht, dass das Tier nicht in die Hände Dritter abgegeben werden darf. Die Übernahme der Kosten für den Einsatz der Tierrettung werden abgelehnt. Seitdem schreibt sich Fanger die Finger wund, hat auch versucht, persönlich Kontakt zur Vorsitzenden aufzunehmen. Vergeblich!

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Als der EXTRA TIPP die Tierheim-Vorsitzende mit dem Fall konfrontiert, teilt sie knapp mit: „Wir werden von unserer Entscheidung nicht abrücken.“ Erklären, wie und warum man im Vorstand zu dieser Entscheidung gekommen ist, will Heil nicht. Dabei ist der Fall juristisch gesehen offenbar ziemlich klar. Der Frankfurter Anwalt Dr. Siegfried Neufert ist unter anderem auf solche Fälle spezialisiert und sieht die Lage eindeutig. „Auch, wenn Tiere natürlich keine Sachen sind, werden sie rechtlich in einem solchen Fall wie eine behandelt, so hart es auch klingt“, erklärt Neufert. Da der Halter zunächst versucht habe, das Tierheim zu verständigen, um ihm die Chance zu geben, den Sachmangel zu beseitigen, dieses aber nicht zu erreichen war, sei der Einsatz der Tierrettung durchaus gerechtfertigt. „Und die Kosten dafür muss nach dem Bürgerlichen Gesetzbuch grundsätzlich der Verkäufer übernehmen.“ Darüber hinaus könne der Rechtsanspruch sogar noch weiter gehen. 

Zu prüfen ist auch eine Haftung aus dem Schutzvertrag, der mit dem Tierheim geschlossen worden ist, wenn hier das Tierheim sich eine rechtliche Bestimmungsgewalt vorbehalten hat. Der entsprechende Schutzvertrag, der der Redaktion vorliegt, weist zumindest solche Passagen auf. Im Klartext hieße das, Fanger könnte unter bestimmten Umständen sogar Schmerzensgeld und Schadenersatz geltend machen.

Für Fanger ist das jedoch erst mal keine Option. „Mir geht es nicht ums Geld“, sagt der Neu-Isenburger. „Das spende ich sofort einer Tierschutzorganisation. Ich will nur, dass die Verantwortlichen anerkennen, dass sie sich in dieser Sache falsch verhalten haben, damit andere Kunden in Zukunft abgesichert sind.“

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