Nebenkosten: Mit diesen Tricks werden Mieter abgezockt

Überprüfen lohnt sich! Laut Rolf Janßen vom Mieterschutzbund ist fast jede Nebenkosten-Abrechnung fehlerhaft. Ob Kostenexplosionen oder unzulässige Abrechnungen – der Miet-Experte rät zur Gegenwehr. Von Rebekka Farnbacher

Region Rhein-Main – „Nahezu jede zweite Nebenkostenabrechnung ist falsch“, kann man in sämtlichen Online-Ratgebern nachlesen. Auch Rolf Janßen, Geschäftsführer des DMB Mieterschutzvereins Frankfurt, weiß: Bei fast jeder Abrechnung gibt es Gründe zur Beanstandung. Der Mietrecht-Experte warnt vor folgenden Abzock-Tricks.

1. Kostenexplosion

Wenn die Kosten für einen Abrechnungsposten gegenüber dem Vorjahr auf einmal enorm gestiegen sind, ist das immer ein Anlass zur Skepsis. „Auffällige Kostensprünge muss der Vermieter erläutern und fehlerhafte Abrechnungen korrigieren“, sagt Rolf Janßen, Hat sich beispielsweise die Rechnung für den Hausmeister um mehr als zehn Prozent erhöht, sollte der Mieter die entsprechenden Belege anfordern und sich die Kostensteigerung erklären lassen. Eine plausible Erklärung wäre etwa, wenn der Hausmeister neuerdings zusätzlich die Gartenpflege übernimmt und dafür auf der Abrechnung ein anderer Posten wegfällt. „Der Vermieter hat bei den Nebenkosten den Grundsatz der Wirtschaftlichkeit zu beachten.“ Eine Orientierung über gängige Kosten bietet online der Betriebskostenspiegel – für Frankfurt oder auch ganz Hessen. Außerdem gut zu wissen: Eine Nebenkostenabrechnung wird erst dann für den Vermieter fällig, sobald der Vermieter Rückfragen und Beanstandungen erklärt hat. Antwortet er nicht, muss der Mieter auch nicht zahlen. Und auch wenn der Mieter bereits gezahlt hat, kann er Einwände innerhalb eines Jahres vorbringen und die Beträge zurückverlangen. „Die Einwendungen sollte man schriftlich per Post an den Mieter richten und dabei konkret sein. Also nicht einfach nur schreiben: ‘Ich lege Widerspruch ein’, sondern etwa die Erklärung fordern, warum sich die Kosten gegenüber dem Vorjahr für einen Posten derart verteuert haben“, sagt Janßen.

2. Falsche Kosten abgerechnet

„Oft werden auch Nebenkosten abgerechnet, die nicht auf den Mieter umgelegt werden dürfen. Reparaturen oder Verwaltungskosten gehören nicht in die Nebenkostenabrechnung“, sagt Janßen. Als Beispiel nennt der Mietrecht-Experte Reparaturen am Aufzug oder dass Kosten für den Hausmeister abgerechnet werden, der Wohnungsübergaben durchführt. „Häufig wird auch die Anmietung der Rauchwarnmelder in Rechnung gestellt. Zulässig ist aber nur deren Wartung.“

3. Falscher Abrechnungszeitraum

Die Nebenkosten dürfen immer nur für einen Jahreszeitraum abgerechnet werden. „Nicht selten kommt es aber vor, dass der Vermieter Kosten für einen längeren Zeitraum berechnet. Das ist nicht zulässig.“ Zudem muss er Fristen einhalten. Die Nebenkostenabrechnung muss zum Ende des Folgejahres des Abrechnungszeitraums vorliegen – für das Jahr 2018 also bis zum 31.12.2019.

4. Vermischung mit Gewerbe

Wenn sich im Haus auch Gewerbe befindet, wie Bürogebäude oder Arztpraxen, rät Janßen, genau auf die Abrechnung der Versicherungskosten zu achten. „Oft sind die Versicherungsbeiträge für Gewerbe höher“, sagt er. „Wenn die Gewerberäume zum Beispiel über eine Glasfassade und eine entsprechende Glasversicherung verfügen, muss der Vermieter diesen Posten aus der Abrechnung herausnehmen – die Wohnungsmieter dürfen damit nicht belastet werden.“

5. Vorauszahlungen zu hoch oder zu niedrig

Oftmals werden die monatlichen Vorauszahlungen der Nebenkosten zu niedrig angesetzt, was zu lästigen Nachzahlungen führen kann. Vermieter nutzten diesen Trick als Lockvogelangebot, da die Gesamtmiete dadurch günstiger erscheint. „Es gibt aber auch den umgekehrten Fall, dass Vermieter viel zu viel vorauszahlen.“ Auch wenn er die überschüssige Summe nach der Abrechnung zurücküberwiesen bekommt: „Dadurch erhält der Vermieter einen zinslosen Kredit über ein Jahr“, sagt Janßen. Der Mieter hat allerdings das Recht, den Betrag reduzieren zu lassen.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare