Heinz Uhlig ist sicher, dass Ärzte Fehler gemacht haben

„Nach zwei OPs bin ich auf einem Auge fast blind“

Auf dem linken Auge sieht Heinz Uhlig fast nichts mehr – das Lesen fällt ihm deshalb schwer. Foto: jo

Auf Anraten der Ärzte lässt sich Heinz Uhlig am linken Auge operieren. Doch nach dem Eingriff der Schock: Er sieht schlechter als vorher. Eine zweite Operation folgt. Aber seit dieser ist der 76-Jährige auf einem Auge fast blind. Von Julia Oppenländer

Frankfurt – „Früher habe ich mit meinen Enkeln immer im Grüneburgpark gespielt. Da haben wir gerne ein kleines Flugzeug steigen lassen. Jetzt kann ich dieses Flugzeug nichtmal mehr sehen“, sagt Heinz Uhlig traurig. Der 76-jährige Frankfurter ist auf dem linken Auge fast blind, hat nur noch zehn Prozent Sehkraft. Zwei Operationen liegen hinter ihm. Vor den OPs lag seine Sehkraft bei 60 Prozent. Er ist sich deshalb sicher: „Bei den Eingriffen muss was schief gegangen sein!“

Seine Ärztin schickt Heinz Uhlig im vergangenen September in die Augenklinik des Bürgerhospitals in Frankfurt. Der 76-Jährige leidet zu diesem Zeitpunkt unter erhöhtem Augeninnendruck auf beiden Seiten. Am linken Auge gibt es außerdem eine Glaskörperablösung oder -schrumpfung. Die Folge: Er kann unter anderem Kontraste schlechter wahrnehmen, außerdem droht durch den erhöhten Innendruck eine Schädigung des Sehnervs. Im Alltag hat der Senior dadurch aber keine Einschränkungen.

Im Bürgerhospital rät man ihm zum Austausch der Linse im linken Auge sowie einer Augenspülung – dadurch solle der Innendruck auf natürlichem Wege gesenkt werden. Doch nach dem Eingriff der Schock: „Links konnte ich plötzlich fast gar nichts mehr sehen. Ich hatte wie ein Milchglas vor dem Auge“, sagt Uhlig. Auch nach einigen Wochen gibt es keine Besserung.

Mitte März folgt deshalb die zweite Operation. Dabei wird der Glaskörper im linken Auge entfernt. Das Ergebnis ist für ihn dieses Mal aber noch schlimmer, auch wenn der Milchglas-Effekt verschwunden ist. „Jetzt habe ich links einen dicken Grauschleier. Da, wo ich scharf sehen würde, verhindert ein keilförmiges Gebilde die Sicht auf den anvisierten Gegenstand“, sagt der Frankfurter verzweifelt.

Glücklich ist er seitdem nicht mehr. „Ich werde ja jede Sekunde meines Tages daran erinnert. Von Lebensqualität kann man eigentlich nicht mehr sprechen.“ Auch hinters Steuer wagt sich Heinz Uhlig seit den Eingriffen kaum noch – zu gefährlich: Manchmal verschwindet das komplette vor ihm fahrende Auto in dichtem Nebel. „Das ist schon hart. Nach meinem Studium bin ich bis nach Indien mit meinem Auto gefahren.“

Das rechte Auge kann einen Teil der fehlenden Sehkraft auf der linken Seite ausgleichen, zum Beispiel beim Lesen der Zeitung. „Lange geht das aber nicht gut, dann kriege ich nämlich Kopfschmerzen von der Anstrengung“, sagt der 76-Jährige.

Zunächst hofft der Frankfurter noch, dass die Symptome nach einigen Wochen verschwinden oder zumindest besser werden. Als das nicht passiert, versucht er erneut Kontakt zu seinen behandelnden Ärzten aufzunehmen. Dazu gibt er Anfang Mai sogar einen Brief persönlich im Bürgerhospital ab. Seine Fragen aber bleiben unbeantwortet. „Bis heute habe ich keine Antwort auf meine Anfrage erhalten“, sagt er. „Ich fühle mich von den Ärzten wirklich völlig allein gelassen!“

Am Bürgerhospital kann man seinen Frust nachvollziehen. „Wir verstehen den Unmut von Patienten, wenn Operationen nicht zum erhofften Ergebnis führen. Um die genauen Hintergründe im Fall von Herrn Uhlig zu rekonstruieren, werden wir auf die beteiligten Ärzte zugehen und anschließend das Gespräch mit ihm suchen“, sagt Marion Weber, Beschwerdemanagerin der Klinik, auf EXTRA TIPP-Anfrage. „Dass sein Schreiben so lange unbeantwortet geblieben ist, bedauern wir sehr.“

Inzwischen hat Heinz Uhlig auch seine Krankenkasse kontaktiert. Er hofft auf ein medizinisches Gutachten. Gegen die Klinik klagen will er aber erstmal nicht. „Dafür ist es noch zu früh“, sagt er.

Untätig ist der Frankfurter trotzdem nicht. Für Mitte Juni hat er einen Termin in einer anderen Augenklinik ausgemacht. „Viel werden die Ärzte vermutlich nicht machen können, aber es soll sich einfach noch mal jemand anderes mein Auge anschauen. Im Bürgerhospital jedenfalls lasse ich mich nicht mehr operieren.“ Aber er fügt hinzu: „Immerhin ist durch die Operationen der Innendruck im Auge wie geplant gesenkt worden.“

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