Allgemeinmedizinerin Monika Buchalik über die heilsame Wirkung des Verzichts

„Nach zwei, drei Tagen steigt die Stimmung beim Fasten“

Monika Buchalik Foto: nh

Weniger ist manchmal mehr. Das gilt vor allem in der Fastenzeit. Der Verzicht auf Fleisch, Süßigkeiten, Alkohol liegt im Trend und kann dem Körper helfen, sich zu regenerieren. Von Dirk Beutel

Monika Buchalik, in Maintal niedergelassene Fachärztin für Allgemeinmedizin und Vizepräsidentin der Landesärztekammer Hessen, erklärt, was beim Fasten zu beachten ist.

Immer mehr Deutsche finden offenbar Gefallen am Fasten: Laut einer Krankenkassen-Studie halten es mittlerweile 63 Prozent für sinnvoll, mehrere Wochen gezielt auf ein bestimmtes Genussmittel zu verzichten. Wie können Sie sich diesen Trend erklären?

Die Fastenzeit ab dem 6. März richtet sich vor allem an Christen, aber auch andere Religionen haben das Fasten als eine Zeit des bewussten Verzichts fest in ihrem Glauben verankert. Allerdings liegt das Fasten heutzutage im Trend, wenn auch nicht unbedingt aus Glaubensgründen. Viele Menschen fasten, um effektiv abzunehmen oder bewusst auf Süßes, Kohlenhydrate oder Alkohol zu verzichten. Eine solche Fastenzeit ist meist auf wenige Tage oder ein bis zwei Wochen angelegt. In Mode ist das sogenannte Intervallfasten, bei dem man 16 Stunden lang nichts essen darf.

Was passiert beim Fasten im Körper?

Wenn der Körper keine Nahrung erhält, schaltet er nach ein bis zwei Tagen auf den sogenannten Hungerstoffwechsel um. Beim Fasten sinkt der Blutdruck, der Kreislauf und das Herz werden entlastet und der Körper wird entwässert. Der Organismus greift auf seine Reserven aus Eiweiß Fett und Kohlenhydrate zurück. Die in der Leber und in den Muskeln lagernden Kohlenhydratreserven reichen für etwa 24 Stunden. Danach werden Fettdepots und Eiweiß abgebaut.

Basenfasten, Saftfasten, Nulldiät: Es gibt ganz verschiedene Fastenarten. Gibt es denn eine, die Sie gesunden Menschen besonders empfehlen würden?

Ich empfehle gesunden Menschen das sogenannte Heilfasten, bei dem man Wasser, Molke, Tee und Gemüsebrühen zu sich nehmen kann.

Welche gesundheitlichen Effekte erziele ich durch das Fasten?

Studien haben gezeigt, dass Fasten das Immunsystem anregt. Auch können durch die Ernährung bedingte Krankheiten durch das Fasten positiv beeinflusst werden.

Es heißt, dass sich durch das Fasten Verbesserungen bei Rheuma erzielen lassen.

Zunächst einmal muss man differenzieren zwischen dem medizinischen Begriff Rheuma, mit dem eine chronisch entzündliche Gelenkerkrankung gemeint ist, und dem, was der Laie unter dem Begriff Rheuma versteht. Im Volksmund sind mit dem Begriff Rheuma meist degenerative Gelenkerkrankungen gemeint, die durch Gelenkverschleiß entstehen. Nur der Gelenkverschleiß lässt sich durch Fasten und der damit verbundenen Gewichtsreduktion positiv beeinflussen. Nicht aber chronisch entzündliche Gelenkerkrankungen, da es sich bei diesen um Autoimmunerkrankungen handelt.

Was passiert mit der Psyche, vor allem zu Beginn des Fastens?

Nach zwei oder drei freiwilligen Fastentagen schwindet bei den meisten Menschen das Hungergefühl, und sie erleben eine deutliche Stimmungsstabilisierung. Um den Hunger leichter zu ertragen, schüttet der Körper bei längerem Fasten Glückshormone sogenannte Endorphine aus.

Gibt es Tipps, die einem beim Durchhalten helfen können?

Wer mit dem Fasten beginnt, sollte sich fest dazu entschließen und ein Ziel gesetzt haben. Hilfreich ist es, wenn man mit seiner Partnerin oder Partner beziehungsweise einem Freund gemeinsam fastet. Bewegung sollte zum Fasten dazu gehören und lenkt von den Essgelüsten in den ersten Tagen ab.

Wie lange muss man mindestens fasten, um einen positiven Effekt zu erzielen?

Nach zwei, drei Tagen steigt die Stimmung. Die positiven Effekte auf die Gesundheit hängen von der individuellen Verfassung ab. Eine Fastenkur sollte fünf bis sieben Tage dauern, länger sollte man nur unter ärztlicher Aufsicht fasten.

Kann Fasten auch gefährlich werden?

Da mehrwöchiges Fasten den Herzmuskel angreifen kann, sollte es unter ärztlicher Aufsicht erfolgen.

Wer sollte besser nicht fasten?

Bei vielen chronischen Erkrankungen kommt Fasten nicht in Betracht. Neben Krebspatienten sollten auch Herzkranke darauf verzichten. Bei Gichtpatienten kann das Fasten einen Gichtanfall auslösen, denn der Harnsäurespiegel im Blut steigt. Auch wer an einer Erkrankung der Nieren oder Leber leidet, sollte auf Fasten verzichten.

Fasten hat aber nicht zwingend etwas mit Abnehmen zu tun?

Wer Fasten nur zum Abnehmen betreiben will, sollte besser darauf verzichten, denn er unterliegt dem Jo-Jo-Effekt. Genau so wie bei jeder anderen Diät.

Kann das Fasten ein Einstieg zur Magersucht sein?

Um dies zu vermeiden, ist eine ärztliche Begleitung der Fastenkur wichtig.

Wie sollte ich mich nach meiner Fastenepisode ernähren?

Nach dem Fasten muss die Ernährung vorsichtig aufgebaut werden. Es ist wichtig, den Körper wieder langsam an feste Nahrung zu gewöhnen. In den ersten Tagen sollte man sich daher hauptsächlich von Gemüse und Obst sowie etwas Quark ernähren. Auch danach ist maßvolles Essen mit vielen Vitaminen in Form von Gemüse, Obst und Salat, Eiweiß und Ballaststoffen empfehlenswert.

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