Über Pferde-Kommunikation

Miri und Lotte: Ein Herz und eine Seele - doch dahinter steckt noch viel mehr

Andrea Thiesen aus Seligenstadt will auf ihrem Hof Kindern helfen, selbstbewusster zu werden.

Die neunjährige Miri liebt es, Zeit mit Pony Lotte und Pferd Sunny zu verbringen. Doch bei den Stunden geht’s mehr als ums Reiten und Streicheln. Hier geht´s um die Sprache dieser Tiere.

Region Rhein-Main – Auf der Pferdekoppel schreitet Miri vorsichtig auf das Pony Lotte zu. Die Neunjährige ist hoch konzentriert und weiß: Jetzt bloß keinen Fehler machen. Das Pferd muss wissen, dass sie der Boss ist. Sie muss es als erstes berühren und nicht umgekehrt. Alles hat prima geklappt. Als Belohnung ist erst mal eine Runde Knuddeln angesagt. Aber auch hier achtet das Mädchen ganz genau auf die Reaktion des Pferdes. Was gefällt, was ist Lotte unangenehm? Sie muss ein Gespür dafür entwickeln, wie die Kommunikation mit einem Pferd funktioniert. Für sie ist alles nur ein Spiel. Und das macht ihr sichtlich Spaß. Aber die klaren Regeln lauten: Zeige durch bestimmte Aktionen, dass du der Ranghöhere der Herde bist.

Pferdekommunikation soll Kinder zu echten Persönlichkeiten entwickeln

Beigebracht bekommt sie diese authentische Pferdesprache mit den Tieren Lotte, Sunny und Lieschen einmal pro Woche für eine Stunde in einer Zweiergruppe von Andrea Thiesen. Durch die pädagogische Pferdekommunikation „Dancing Horses“ will die selbstständige Pädagogin Kindern helfen, sich zu echten Persönlichkeiten zu entwickeln. Die Seligenstädterin ist überzeugt, dass das mithilfe ihrer Tiere besonders gut klappt. Damit will sie auch Kindern eine Hilfe sein, die eine körperliche Beeinträchtigung haben oder etwa mit Autismus leben.

Lotte lernt Geduld 

„Das Pferd reagiert auf den Menschen, klar und authentisch, wie ein Kleinkind. Es beurteilt nicht, und lässt dich so, wie du bist. Es sieht dich und deine Körpersprache und dein Wesen.“ Miri bekommt nach drei Monaten immer noch leuchtenden Augen, wenn sie mit den Pferden auf Tuchfühlung geht. Sie und Lotte sind ein Herz und eine Seele. An der Seite des Tieres lernt die Neunjährige beispielsweise, geduldig zu sein, auch wenn etwas nicht auf Anhieb klappt. Über den Erfolg freut sie sich: „Es war toll, als ich Lotte das erste Mal alleine um die Kurve bekommen habe“, sagt die Neunjährige. Andrea Thiesen ist überzeugt, dass die Arbeit mit den Pferden auch im Alltag mit anderen Menschen hilft. Denn auch dort ist es laut Thiesen oft wichtig, zu erkennen: „Was sagt der, der nichts spricht?“ Auch Miris Mutter Mandy Selig ist froh, ihr Kind zum Kurs angemeldet zu haben: „Früher hatte sie klassischen Reitunterricht und als das aufhörte, haben wir etwas Neues gesucht. Durch den direkten Umgang mit den Pferden in den Kursen tritt sie jetzt definitiv noch selbstbewusster auf.“

Oliver Haas

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