Ein Ort des Miteinanders

Das Mehrgenerationenhaus im Gallus feiert Zehnjähriges

Leiterin Ursula Werder und Hauswirtschaftsleiterin Sabine Barowski stehen im Garten des Mehrgenerationenhauses. Hier gärtnern Jung und Alt gemeinsam.
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Leiterin Ursula Werder und Hauswirtschaftsleiterin Sabine Barowski stehen im Garten des Mehrgenerationenhauses. Hier gärtnern Jung und Alt gemeinsam.
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Frankfurt – Das Mehrgenerationenhaus im Frankfurter Gallus feiert in diesem Jahr seinen zehnten Geburtstag. Weshalb das Haus einen wichtigen Beitrag zur veränderten Gesellschaft leistet, erklärt dessen Leiterin Ursula Werder. Von Oliver Haas

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Der demografische Wandel zeigt klare Veränderungen in der Gesellschaft. Es gibt immer mehr ältere Bürger. Die Sozialstruktur verändert sich dramatisch. „Alleine das Arbeitsleben hat sich in den vergangenen Jahren stark verändert. Die Leute arbeiten international, viele bleiben kaum längere Zeit an einem Arbeitsort, ziehen oft um“, sagt Ursula Werder, Leiterin des Mehrgenerationenhauses im Frankfurter Gallus. Die stark veränderte Lebenssituation habe dazu geführt, dass viele Menschen, und nicht nur Ältere, ein vereinsamtes Leben führen. „Dabei ist der Mensch dazu gemacht, mit anderen in Kontakt zu treten“, sagt die 57-Jährige. Genau dabei will das Mehrgenerationenhaus helfen.

Und das schon seit zehn Jahren. Es ist laut Werder entgegen vieler Vermutungen keine Wohn-, sondern ein Begegnungsprojekt. Auf etwa 5000 Quadratmetern gibt es viele Angebote für Kleinstkinder, aber auch Kurse und Gesprächskreise für Senioren oder kompetente Hilfe bei der Arbeitsplatzsuche. Ebenso zahlreiche Freizeitangebote für Jugendliche, Hausaufgabenbetreuung oder Schwangerschaftsvorbereitung gehören dazu. „Ein Stadtteil sollte nicht nur unter dem Bewohneraspekt betrachtet werden, sondern jeder sollte sich bewusst sein, dass er seinen Teil zum Miteinander beiträgt“, sagt Werder. Dabei seien nicht nur Einzelpersonen gefragt, sondern auch politische Einrichtungen oder die Wirtschaft.

„Gerade für unser Projekt ,Engagement im Gallus´ konnten wir viele Firmen finden, die mit uns kooperieren.“ Im Mehrgenerationenhaus kommen Menschen aus den unterschiedlichsten Generationen zusammen. „Es ist immer wieder schön zu sehen, wenn etwa Jugendliche mit einem hohen Aggressionspegel ein Baby sehen. Die sind dann plötzlich wie ausgewechselt“, freut sich Werder. Im Familienrestaurant kommen alle, die im Haus arbeiten, zusammen und lernen sich gegenseitig kennen. Gegenüber des Mehrgenerationenhauses ist ein Garten aufgebaut, bei dem Bürger eine Hochbeet-Patenschaft übernehmen können. 

Im Vordergrund steht menschlicher Kontakt

„Hier zeigen zum Beispiel Ältere den Kindern, wie Blumenkohl gepflanzt wird. Sie erklären, ob Ameisen beißen und so weiter. Das ist einfach schön, wenn dieser Austausch stattfindet.“ Das Haus würde dabei helfen, wenn jemand Vorurteile gegenüber bestimmten Berufsgruppen hat. „Hier lernt jeder voneinander. Wer denkt, dass Manager oder Banker nur das Geld im Kopf haben und dann sieht, wie sie hier am ,Social-Day’ anpacken, im Garten anpflanzen und den Kindern helfen, der ändert seine Meinung schnell“, sagt Werder. Sie sei überzeugt, dass Einrichtungen wie das Mehrgenerationenhaus nötig sind. In einer Welt, in der oft nur noch das „Ich“ im Vordergrund steht, sei menschlicher Kontakt immer wichtiger. „Das ist ein Grundbedürfnis des Menschen!"

Was ist ein Mehrgenerationenhaus?

Insgesamt gibt es in Hessen 39 Mehrgenerationenhäuser. Arbeit und Querschnittsaufgaben dergleichen sind vor allem von einem Generationen übergreifenden Ansatz geprägt. Darüber hinaus sollen sie als Knotenpunkt für das bürgerschaftliche Engagement dienen. Die Mehrgenerationenhäuser werden mit 40.000 Euro pro Haus und Jahr gefördert. Weitere Informationen zum Förderprogramm des Bundes gib es online unter www.bmfsfj.de.

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