Hunderte Studenten wollen noch fertig werden

Magister und Diplom: Abschluss auf den letzten Drücker

+
Druck, Druck, Druck: Noch einige hundert Studenten pauken für ihren Magister- oder Diplomabschluss.

Region Rhein-Main – Studenten, die noch für die alten Magister- und Diplomstudiengänge eingeschrieben sind, kämpfen auf den letzten Metern um ihren Abschluss. Zu dem ohnehin schon gewachsenen Zeit- und Leistungsdruck müssen einige sogar für ihre Ausbildung klagen. Von Dirk Beutel

Sie sind die Allerletzten einer aussterbenden Art: Magister- und Diplomstudenten. Mit der Einführung einer einheitlichen europäischen Hochschulstruktur und den Bildungsabschlüssen Bachelor und Master, hat seit der Studienreform 2002 eine Universität nach der anderen die traditionellen Studiengänge dicht gemacht. Nach und nach setzte ein Fachbereich nach dem anderen Fristen für die alten auslaufenden Studiengänge. Doch nicht überall gab es einen harmonischen Übergang für die Studenten. Die Rechtsanwältin Laís Brandão Machado Malkmus kämpfte fast zwei Jahre für eine handvoll Architekturstudenten, die ihr Diplom an der Technischen Universität Darmstadt durchsetzen wollten. Dort sollte im Sommersemester 2016 der letzte Diplomer verabschiedet werden. Informiert wurden die Studenten 2013. Das Problem steckte jedoch im Vordiplom. Wer das nicht bis Ende April 2013 in der Tasche hatte, für den war bereits dann schon Schluss.

Nicht jeder Student nimmt die Fristen hin

Doch Brandão Malkmus entdeckte formale Fehler bei der Schließung des Studiengangs. Zudem gab das Darmstädter Verwaltungsgericht dem Vorwurf der Ungleichbehandlung statt. Am Ende erwirkten die Studenten einen Vergleich mit dem Ergebnis, dass sie nun Zeit bis zum Sommersemester 2020 haben, um fertig zu werden. „Dennoch lagen die Nerven oft blank. Es war für die Studenten eine Quälerei“, sagt Brandão Malkmus. Die Darmstädter Anwältin weiß zudem von ähnlichen Fällen in anderen Fachbereichen. Nicht nur in Darmstadt. Auch in Gießen oder Kassel. Doch dass sich Studenten wehren, gehört zur Ausnahme: „Die meisten gehen davon aus, dass die Anordnung der Universität richtig ist. Viele sind zu brav und wechseln ihren Studiengang oder haben ihr Studium abgebrochen, weil sie davon ausgegangen sind, dass sie es sowieso nicht innerhalb der Fristen schaffen. Da wurden ganze Lebenspläne über den Haufen geworfen.“ Für die, die noch dabei sind gilt: Keine Prüfung in den Sand setzen.

Am Ende droht die Exmatrikulation

An der TU Darmstadt sind nur noch rund 100 Diplom-Studenten eingeschrieben. Hinzu kommen knapp 80 Magisterstudenten. „Die Schlussfristen werden nahezu komplett 2017 enden“, sagt TU-Sprecher Jörg Feuck. In Frankfurt wurden nach Angaben der Universität bei der Einstellung der Magisterstudiengänge großzügige Übergangsfristen gesetzt. Etwa im Fachbereich Gesellschaftswissenschaften zehn Jahre. „In begründeten Fällen gibt es Härteregelungen. Bei Vorlage eines ärztlichen Attests verschiebt sich die Frist“, sagt Olaf Kaltenborn, Sprecher der Goethe-Universität. Von rund 46.500 Studenten wollen noch 126 Personen ihren Magister abschließen. Kaltenborn: „Sind alle Fristen ausgeschöpft, werden die Studenten exmatrikuliert. Selbstverständlich steht es den Studierenden frei, in einen Bachelorstudiengang zu wechseln.“ Dann allerdings müssten viele Leistungen wiederholt oder zusätzlich erbracht werden, weiß Brandão Malkmus: „Auch so ein Wechsel kann bitter sein, weil die Studenten dadurch viel Zeit verlieren.“

Das könnte Sie auch interessieren: Offene Ohren für Studenten-Kummer

oder:

Das sind Frankfurts heißeste Hörsaal-Häschen

Für Studenten: Luxus-Appartementhäuser boomen

Mit einer abgerundeten Fassade präsentieren sich die Youniq-Studentenappartments auf dem Riedberg in Frankfurt am Main. Foto: Boris Roessler
Mit einer abgerundeten Fassade präsentieren sich die Youniq-Studentenappartments auf dem Riedberg in Frankfurt am Main. Foto: Boris Roessler © Boris Roessler
Sebastian Raisch (l) und Paul Henning stehen vor dem Tresen im Empfangsbereich. Foto: Boris Roessler
Sebastian Raisch (l) und Paul Henning stehen vor dem Tresen im Empfangsbereich. Foto: Boris Roessler © Boris Roessler
Kissen mit Häschenmotiven warten auf den Ledersofas in der Fernsehlounge der Youniq-Studentenappartments auf dem Riedberg in Frankfurt am Main auf Besucher. Foto: Boris Roessler
Kissen mit Häschenmotiven warten auf den Ledersofas in der Fernsehlounge der Youniq-Studentenappartments auf dem Riedberg in Frankfurt am Main auf Besucher. Foto: Boris Roessler © Boris Roessler
Studenten können hier auf einen kompletten Hausservice inklusive Waschraum, Fitnessraum und Empfang zurückgreifen. Foto: Boris Roessler
Studenten können hier auf einen kompletten Hausservice inklusive Waschraum, Fitnessraum und Empfang zurückgreifen. Foto: Boris Roessler © Boris Roessler
Leer ist der Fitnessraum der Youniq-Studentenappartments auf dem Riedberg in Frankfurt am Main. Foto: Boris Roessler
Leer ist der Fitnessraum der Youniq-Studentenappartments auf dem Riedberg in Frankfurt am Main. Foto: Boris Roessler © Boris Roessler
Sebastian Raisch (l) und Paul Henning sitzen auf einem Bett in den Youniq-Studentenappartments. Foto: Boris Roessler
Sebastian Raisch (l) und Paul Henning sitzen auf einem Bett in den Youniq-Studentenappartments. Foto: Boris Roessler © Boris Roessler
Einen Moment der Ruhe geniessen zwei junge Leute in den eierförmigen Club-Stühlen in einer Lounge. Foto: Boris Roessler
Einen Moment der Ruhe geniessen zwei junge Leute in den eierförmigen Club-Stühlen in einer Lounge. Foto: Boris Roessler © Boris Roessler

Keine Neuigkeiten und Gewinnspiele mehr verpassen? Dann einfach EXTRA TIPP-Fan auf Facebook werden!

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare