Lungenfacharzt aus Frankfurt: „Grenzwerte sind kritisch“

Die Luftbelastung durch Diesel-Abgase wird aktuell heiß diskutiert. Foto: kb Laut dem Frankfurter Lungenarzt Peter Kardos tragen Diesel-Autos nur einen Buchteil zur Luftverschmutzung bei. Foto: Guido Menker

Von Axel Grysczyk und Anna Scholze.

Kein Thema regt derzeit mehr auf: Welchen Anteil haben Diesel-Autos an der Luftverschmutzung? 112 Lungenfachärzte aus Deutschland haben in einem Positionspapier ihre Kritik formuliert. Einer von ihnen ist Dr. Peter Kardos aus Frankfurt.

Region Rhein-Main – 112 Lungenfachärzte aus Deutschland haben die Diskussion um Stickoxide, Grenzwerte und Diesel-Fahrverbote neu entfacht. Sie haben ein Positionspapier zur Gesundheitsgefährdung durch Luftverschmutzung unterschrieben, das Dieter Köhler, ehemaliger Präsident der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP), verfasst hat.

Einer der 112 Ärzte ist Dr. Peter Kardos aus dem Frankfurter Nordend. Für ihn fehlt in der derzeitigen Diskussion über die Gefahren des Diesels jegliche Verhältnismäßigkeit. „Der Treibstoff trägt einen Bruchteil zur Luftverschmutzung bei“, sagt er. In der Debatte um die hohen Werte an Stickoxiden und Feinstaub werde immer wieder vergessen, dass auch die Industrie mit ihren Fabriken einem erheblichen Teil dazu beitrage. Auch Elektroautos seien nicht völlig emissionsfrei. „Diese Autos müssen auch einmal bremsen und dann entsteht ebenso Feinstaub“, sagt Kardos.

Doch nicht allein an diesem Punkt in der derzeitigen Debatte stößt sich Kardos. „Es heißt, dass es durch die Luftverschmutzung rund 10.000 Todesfälle geben soll.“ Ob diese Zahl tatsächlich stimme, da sei er sich jedoch nicht sicher. „Mir erscheint sie zu hoch.“

Der Lungenfacharzt kritisiert darüber hinaus die Bestimmung der Grenzwerte. Aufgrund der Werte einer einzelnen Messstelle könnten beispielsweise keine Schlussfolgerungen für ganze Städte gezogen werden. „Wenn beispielsweise in Frankfurt in der Friedberger Landstraße gemessen werden würde, ließen sich keine Rückschlüsse für den Oederweg ziehen.“ Das gelte auch für die hohen Werte, die angeblich in Stuttgart gemessen wurden. Auch dort sei die Situation bereits 100 Meter weiter eine ganz andere. Der Pneumologe bestreitet allerdings nicht, dass Menschen, die in viel befahrenen Straßen wohnen, unter der hohen Luftverschmutzung leiden. „Auch ist es keine Frage, dass etwa Asthmatiker unter der Verschmutzung leiden.“ Dennoch appelliert er daran, die derzeitige Diskussion ausgewogen zu führen. Kardos sagt: „Der Diesel muss im Gesamtbild betrachtet werden.“ Darüber hinaus halte er es für unablässig, dass die Rolle der Autoindustrie bei der Diskussion über den Abgasskandal nicht vergessen werde.

Für mehr Sachlichkeit plädiert auch ein weiterer Mediziner aus dem Kreis der 112 Lungenfachärzte aus Südhessen. Seinen Namen möchte er nicht mehr in der Zeitung lesen. Zu groß sei der Rummel in der vergangenen Woche gewesen. Auch sehe er sich nicht als Unterzeichner des Kommuniqués. „Unterschrieben habe ich gar nichts“, sagt er. Er habe am 9. Januar von Köhler eine E-Mail mit dem Positionspapier erhalten und ihm signalisiert, dass er dem Grundtenor des Positionspapiers zustimme. „Jetzt wird es aber in den öffentlichen Diskussion so dargestellt, als würden meine Kollegen und ich grundsätzlich Messwerte und Luftverschmutzung verharmlosen“, erklärt er und fügt hinzu: „Autoabgase waren schon immer ungesund. Und das werden sie auch bleiben.“

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare