Löwen-Angriff: Das sagen Experten zum Risiko

Die asiatischen Löwen Zarina und Kumar im Zoo Frankfurt. Foto: Winfried Faust

Ein Tierpfleger ist im Serengeti-Park Hodenhagen von zwei Löwen angegriffen worden. Offenbar hatte der Mann die Sicherheitsregeln missachtet. Der EXTRA TIPP wollte wissen: Kann so etwas auch im Zoo Frankfurt und im Opel-Zoo passieren?. Von Kristina Bräutigam

Frankfurt/Kronberg – Der Vorfall hat bundesweit für Aufsehen gesorgt: Zwei ausgewachsene Löwen attackieren am vergangenen Sonntag einen Tierpfleger im Serengeti-Park Hodenhagen in Niedersachsen. Die Raubtiere beißen dem 24-Jährigen in den Brustkorb, brechen ihm mehrere Rippen. Nur durch das schnelle Eingreifen zweier Kollegen überlebt der Tierpfleger. Der Grund für den fatalen Zwischenfall: Menschliches Versagen. Laut Zoo-Leitung hatte der Mann das Gehege der Löwen betreten, obwohl die Tiere sich darin befanden. Ein fataler Fehler. Doch kann so etwas auch im Zoo Frankfurt passieren?

„Trotz aller Sorgfalt und aller Sicherheitssysteme lässt sich, wie stets, ein Unfall nie zu 100 Prozent ausschließen“, sagt Christine Kurrle, Sprecherin des Frankfurter Zoos. Grundsätzlich gelten bei allen Tieren Sicherheitsregeln, die zu beachten sind und die regelmäßig überprüft werden. „Dies gilt für das Verhalten sowie für technische Sicherheitsmaßnahmen“, sagt Kurrle. Zwischenfälle, bei denen Pfleger schwer verletzt wurden, habe es im Frankfurter Zoo, in dem unter anderem asiatische Löwen und Sumatratiger leben, noch nicht gegeben.

Im Opel-Zoo in Kronberg, der Geparden und Luchse hält, sind die Sicherheitsvorkehrungen ebenfalls hoch. „Bei uns arbeiten ausschließlich speziell ausgebildete Tierpfleger“, sagt Direktor Thomas Kauffels. Damit keine Routine aufkommt, erhalten die Mitarbeiter außerdem zweimal im Jahr eine Sicherheitsbelehrung. Völlig ausschließen lasse sich ein Vorfall wie in Hodenhagen trotzdem nicht. „Das Risiko durch den Faktor Mensch bleibt“, sagt Kauffels.

Ende der 80er Jahre kommt es im Opel-Zoo zu einem tödlichen Zwischenfall. Ein Kamel beißt einen Tierpfleger in den Nacken, der Mann stirbt. „Kamele sind Pflanzenfresser, aber sie haben lange Eckzähne. Dieser tragische Fall zeigt, dass man das Risiko nie auf Null bekommt“, sagt Kauffels. Er selbst habe in den 21 Jahren als Opel-Zoo-Chef glücklicherweise keine tödlichen Zwischenfälle erlebt. Auch einen Ausbruch gab es seitdem nicht. Für diesen Fall lagern im Opel-Zoo Schusswaffen. Ein Mitarbeiter, der diese auch bedienen kann und darf, ist laut Kauffels immer vor Ort. „Ich hoffe, dass wir nie in diese Situation kommen. Aber wir sind vorbereitet.“ Auch Christine Kurrle vom Zoo Frankfurt betont, dass die Sicherheit für Mitarbeitende und Zoobesucher oberste Priorität habe. „Auch scharfe Waffen werden für entsprechende Gefahrenlagen vorgehalten und gegebenenfalls in Abstimmung mit den Sicherheitsbehörden angewandt.“ Nur wenige ausgewählte und eigens ausgebildete Mitarbeiter dürfen die scharfen Waffen nutzen. Dass Zoo-Unglücke immer große Aufmerksamkeit bekommen, störe ihn nicht, betont Thomas Kauffels. „Aber dann sollten wir auch über die zehn bis 15 Landwirte reden, die jedes Jahr durch Bullen getötet werden. Oder über die Mädchen, die von ihren Pferden verletzt werden. Solange Tiere gehalten werden, lassen sich Angriffe nicht vermeiden.“

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