Lkw-Ärger in der Altstadt: Anwohner haben genug

Den Anwohnern der Seligenstädter Altstadt reicht’s. Täglich quetschen sich Lkw durch die engen Gassen und richten immer wieder Schäden an. Der Altstadt-Verein will, dass die Stadt endlich handelt. Von Kristina Bräutigam

Seligenstadt – Die Dachrinne ist an zwei Stellen eingedellt, aus einer Macke in der Hauswand des Fachwerkhauses rieselt der Putz. Ein Anblick, an den sich Martin Krämer mittlerweile gewöhnt hat. „Kaum hat man den einen Schaden ausgebessert, ist der nächste da“, sagt der Familienvater. Seit 2002 wohnt er mit seiner Familie in einem Fachwerkhaus in der Seligenstädter Altstadt. Ein Idyll aus liebevoll restaurierten Gebäuden und Kopfsteinpflaster – wären da nicht die vielen Lastwagen. Täglich quetschen sich tonnenschwere Lkw durch die engen Gassen und fahren sich fest, bis sie weder vor noch zurückkommen. Die Folge: Beschädigte Hauswände, umgefahrene Straßenlaternen, abgebrochene Dachkanten. „Die meisten Lkw-Fahrer wollen Richtung Norden und denken, sie könnten abkürzen, wenn sie durch die Altstadt fahren. Sie ignorieren die Schilder und merken dann plötzlich, dass sie feststecken“, sagt Martin Krämer, der Mitglied im Vereins „Lebenswerte Seligenstädter Altstadt“ ist.

Regelmäßig müssen er und seine Nachbarn Lkw samt Anhänger aus der Altstadt lotsen, die in den schmalen Gassen plötzlich in der Falle sitzen. „Wenn ich zuhause arbeite, vergeht kein Vormittag, an dem sich kein Lastwagen festfährt“, sagt Krämer und zeigt auf Fotos von den Rangieraktionen, die er auf seinem Laptop gespeichert hat. Auch jede Menge Fotos von Schäden hat er gesammelt. Besonders schlimm hat es das Haus von Nachbarin Sigrid Kahl getroffen. Ein Lkw, der ein Baugerüst geladen hatte, ist die Fassade ihres liebevoll restaurierten Fachwerkhauses entlanggeschrammt, die Kratzer an der Hauswand sind so tief, dass das Putzgewebe zu sehen ist.

Trotzdem: Die Wut der Anwohner richtet sich nicht gegen die Fahrer, die – oft von ihrem Navi fehlgeleitet – nur nach stundenlangem Rangieren aus der Falle finden. „Wir wollen, dass die Stadt endlich handelt“, sagt Anne Krämer, die mit Ehemann Horst ebenfalls Mitglied im Altstadt-Verein ist. Und der hat eine klare Forderung: Die Seligenstädter Altstadt soll durch versenkbare Poller für den Durchgangsverkehr gesperrt werden, lediglich Anwohner und der Lieferverkehr für die ansässigen Geschäfte sollen eine Berechtigung erhalten. „Die Altstadt ist das Aushängeschild der Stadt. Aber dann müssen die Verantwortlichen auch etwas dafür tun, dass die hübschen Häuser erhalten bleiben“, sagt Anne Krämer.

Um Dampf zu machen, haben die Vereinsmitglieder vor Monaten begonnen, alle Vorfälle samt Fotos zu sammeln. Das fertige Dossier wollen sie Bürgermeister Daniell Bastian übergeben. Solange, bis sich etwas ändert, wird auch Martin Krämer die Schäden an seinem Haus weiter selbst ausbessern und hoffen, dass nicht irgendwann ein Lkw durch die Fassade in seine Küche kracht. „Es geht uns nicht nur um den finanziellen Schaden, auf dem wir meist sitzen bleiben. Auch die Sicherheit der Anwohner muss endlich besser geschützt werden.“

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