30-Jähriger aus Offenbach erkrankte mit acht Jahren an Krebs

Bunter Vogel mit einem Bein: Tom Belz will Mut machen

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Im Alter von acht Jahren erkrankt Tom Belz aus Offenbach an Krebs. Sein linkes Bein muss amputiert werden.

Offenbach - Tom Belz hat eine normale Kindheit. Bis er im Alter von acht Jahren an Knochenkrebs erkrankt. Sein linkes Bein muss amputiert werden. Doch Tom kämpft sich zurück ins Leben. „Eine Behinderung ist keine Entschuldigung“, sagt der 30-jährige Offenbacher.  Von Kristina Bräutigam

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Tom Belz hätte sein Leben als traurige Geschichte erzählen können. Die Rolle des Behinderten, dem das Schicksal übel mitgespielt hat, lag vor ihm auf dem Silbertablett. Er entscheidet sich dagegen. „Mein Leben ist ziemlich gut. Auch wenn es mal eine ziemlich beschissene Phase gab“, sagt der 30-Jährige. 

Tom Belz ist acht Jahre alt, als er die niederschmetternde Diagnose bekommt: Knochenkrebs, im fortgeschrittenen Stadium, Metastasen haben sich in seinem Körper verteilt. Das linke Bein hat es am schlimmsten erwischt: Der Krebs hat den Knochen zerfressen, die Ärzte müssen amputieren. „Wenigstens habe ich noch meine Pobacke. Damit kann ich Hosen tragen“, sagt Tom Belz, der in Offenbach lebt. 15 Monate verbringt er im Krankenhaus, erträgt Schmerzen und Chemo und beschließt: Das Leben muss weitergehen. Wenn nicht auf zwei Beinen, dann eben mit einem. „Damals hat mir jeder erzählt, was ich nicht darf, nicht soll und nicht kann. Aber ich habe mein Ding gemacht“, erzählt der 30-Jährige. 

Weil die Ärzte warnen, seine Wirbelsäule könnte sich verformen, lässt sich Tom Belz drei Jahre nach der Amputation eine Prothese anpassen. Bis zur Brust steckt er in einer Art Korb – und fühlt sich schrecklich. „Nicht nur, weil man in dem Ding schwitzt und sich wie ein dicker Mops fühlt. Die Prothese war einfach nie ein Teil von mir.“ Den Eltern zuliebe trägt Tom den Hightech-Bein-Ersatz dreimal pro Woche. Bis er mit 14 endgültig genug hat. Seitdem ist er auf Krücken unterwegs. „Eine Prothese kann mit meinem Leben einfach nicht mithalten“, sagt Tom Belz.

Wie das aussieht, zeigt der 30-Jährige mit der wilden Lockenmähne und den Tattoos in seinem eigenen YouTube-Channel. Ob im Fitnessstudio, auf Reisen, bei der Bootsfahrt auf dem Rhein oder beim Orthopäden: Bis zu 10.000 Aufrufe haben die Vlogs, eine Mischung aus Video und Blog, die Tom Native alias Tom Belz veröffentlicht. „Ich bin eben ein bunter Vogel. Das mögen die Leute offenbar“, sagt Tom Belz, der hauptberuflich in den Werkstätten Hainbachtal arbeitet. Doch der Offenbacher will nicht nur unterhalten: Er möchte anderen Krebskranken mit seiner Geschichte Mut machen – und ihnen eine Botschaft mit auf den Weg geben: „Auch wenn du schwer krank warst und dir der Arm oder ein Bein abgenommen wurde: Eine Behinderung ist keine Entschuldigung.“

Spenden sammeln beim Hindernislauf

Um das zu beweisen, wird Tom Belz am 3. Juni am Strong Viking-Lauf in Wächtersbach teilnehmen. Während er durch den Schlamm robbt, schwimmt und über Hindernisse klettert, will er außerdem Geld für den Verein „Hilfe für krebskranke Kinder Frankfurt“ sammeln. Vorher aber geht es nach Bali. Diesmal darf sogar eine Prothese mit. „Damit ich beim Surfen in die Knie gehen kann“, sagt Tom Belz. 

Er selbst habe sich nie als Behinderten gesehen. Vielleicht sei das der Grund, warum er meist ganz normal behandelt werde. „Von meinen Freunden hält mir garantiert keiner die Tür auf“, sagt er. Und das sei auch gut so: „Ich liebe alle Leute, denen meine Behinderung scheißegal ist.“ Nur bei Turnschuhverkäufern würde er sich manchmal einen Behindertenbonus wünschen. „110 Euro für einen Schuh sind ganz schön teuer“, sagt der Offenbacher und lacht.

Toms Belz’ YouTube-Kanal ist unter demStichwort „Tom Native“ zu finden.

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