Kommentar

Leben ist mehr als nur essen

Reicht Hartz IV zum Leben oder nicht? Darüber ist jüngst ein heftige Debatte mit Ansichten von Tafel-Betreibern, Politikern und Betroffenen entbrannt. Dabei geht es aber gar nicht ums Überleben, sondern um Teilhabe in unserer Gesellschaft. Von Axel Grysczyk 

Und die wird Menschen, die weniger Geld zur Verfügung haben, genommen. Hartz IV-Empfänger, Flüchtlinge, Armuts-Rentner – sie alle werden besser unterstützt wie in anderen Ländern. Aber Teilhabe in unserem Land ist damit nicht möglich. Denn ein vollständiges Mitglied in unserer Gesellschaft ist man nicht, wenn man dem Hungertod entgeht. Diese Teilhabe erreichen Bürger, wenn sie sich einen Schwimmbad-, Kino- oder Theaterbesuch leisten können. Wenn sie mühelos die Beiträge für den Verein und den Vereinsausflug entrichten können oder wenn sie zum Straßenfest Salate und Getränke mitbringen können. Wer das aber nicht schafft, der ist dauerhaft ausgeschlossen. Er wird körperlich überleben, ist aber sozial abgehängt. Es ist die Stärke unseres Landes, dass es zahlreiche Ehrenamtliche und eine starke Gemeinschaft gibt, die solche Benachteiligten auffangen und sie nicht komplett abstürzen lassen. Letztendlich geht es in einem hoch entwickelten Land wie Deutschland um Teilhabe. Dass diese gewährleistet ist, dafür müssen wir die Rahmenbedingungen schaffen und stetig verbessern.

Es ist schwer genug, sein Essen und die Miete mit wenig Geld zu stemmen. Sich einzubringen und damit für sich ein höheres Selbstwertgefühl zu bekommen, das ist unmöglich. Leben in Deutschland ist mehr, als nur regelmäßig essen.

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