Die Arroganz der Vorverurteiler

Kommentar zur Essener Tafel

Die Diskussion um die Essener Tafel zeigt den Zustand deutscher Politik. Das Vorverurteilen und das Ausblenden der wahren Probleme – es kommt in diesem Fall exemplarisch zum Tragen. Von Axel Grysczyk 

Der Essener Tafel um ihren Vorsitzenden Jörg Sartor wurde jüngst so ziemlich alles vorgeworfen. Ausländerhass gehörte noch zu den eher freundlichen Vorwürfen. Dabei ist das alles verfälscht: Sartor hatte angekündigt, neue Kundenkarten für Bedürftige nur noch an Inhaber eines deutschen Passes auszustellen. Die Begründung: Weil es insbesondere junge männliche Migranten an Respekt gegenüber älteren Frauen und Müttern fehlen lassen. Sie stellen sich nicht an, drängeln vor und schubsen weg. Die Folge: Tafel-Kundschaft, die genauso bedürftig ist wie jene Migranten, kommt nicht mehr. Hier geht’s nicht um Ausländerhass, sondern um Erziehung. Es geht um Anstand, ein Grundpfeiler einer jeden Bildung. Und das muss jeder Mensch, der in Deutschland lebt, irgendwann mal lernen. Wer der Essener Tafel unterstellt, sie würde ausgrenzen, der irrt.

Noch schlimmer ist die Situation für die Tafel-Kunden. Es war klar, dass irgendwann die von Armut Betroffenen mit armen Zuwanderern um Wohnungen und Essen konkurrieren werden. Jetzt werden die Politikfelder sichtbar, auf denen die Regierung in den vergangenen Jahren versagt hat. Die Armutsfalle ist nicht kleiner geworden. Immer häufiger sind ältere Menschen auf Hilfe angewiesen. Und: An Integration mit der Vermittlung von für uns wichtigen Werten hapert es. Nicht die Essener Tafel ist das Problem, sondern die aktuelle Regierung mit ihrer Vorverurteilung und Nicht-Lösungskompetenz.

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