Auswildern unmöglich: Das Fundtier würde verhungern

Komischer Kauz! Archie frisst nur weiße Mäuse

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Selbst die weißen Mäuse dürfen nicht zu groß sein.

Selbst Experten stehen hier vor einem Rätsel: Waldkauz Archimedes aus dem Offenbacher Waldzoo hat nur weiße Mäusen zum Fressen gern. Doch genau das ist sein Problem. Zurück im Wald würde er verhungern. Von Julia Oppenländer

Offenbach – Weiße Mäuse: Juhu! Dunkle Mäuse: Buhu! So sieht das jedenfalls Waldkauz Archimedes aus dem Waldzoo in Offenbach. „Wir haben wirklich alles probiert, aber außer weißen Mäusen lässt der Vogel alles liegen“, sagt Waldzoo-Chefin Susanne Meyer verzweifelt. „Wir stehen vor einem Rätsel.“

Seit mittlerweile zwei Monaten wohnt der Kauz in einem Schuppen auf dem Gelände des Waldzoos und erholt sich hier. Die Polizei hatte Archimedes nach einem Sturm Anfang März vorbeigebracht. Die Beamten fanden den etwa vier Monate alten Waldkauz in Heusenstamm auf dem Boden liegend. „Weil rund um den Fundort viel Wald ist, gingen wir zunächst davon aus, dass der Kleine von einem der Bäume geweht wurde“, sagt Susanne Meyer. „Er sah auch ganz schön mitgenommen aus.“ Weil der Waldzoo aber nicht auf Greifvögel ausgelegt ist, wird eine Falknerin um Rat gefragt. Sie kann Archimedes aber nicht zu sich holen, da ihr Gelände auf einem Feld ist – keine geeignete Umgebung für einen Waldkauz. Bis zum nächsten Wald hätte der Vogel bei einer Auswilderung weit fliegen müssen.

Die Auswilderung ist jetzt aber erstmal sowieso vom Tisch. Und daran ist Archie irgendwie selbst schuld. „Am Anfang haben wir ihn noch mit Babymäusen gefüttert – die hat er auch alle gefressen“, sagt die Waldzoo-Chefin. Dann aber wollen ihn die Tierpfleger mit größeren Mäusen füttern und stellen fest: Der Vogel frisst ja nur die weißen! Und selbst da macht Archimedes sogar Unterschiede. „Er frisst aktuell nichtmal jede weiße Maus – ist die nämlich zu groß, will er sie schon nicht mehr.“

Mit diesem wählerischen Essverhalten bringt der junge Waldkauz seine Pfleger zum Verzweifeln: „Weiße Mäuse laufen halt selten im Wald rum!“ Eine Auswilderung ist so erstmal unmöglich. Auch die Falknerin, die den Waldzoo im Umgang mit dem Greifvogel unterstützt, ist mit ihrem Latein inzwischen am Ende. „Wir haben wirklich alles probiert, um Archimedes an die dunklen Mäuse zu gewöhnen. Haben sie sogar ein, zwei Tage im Schuppen gelassen. Letzen Endes konnten wir alle Dunklen aber komplett wieder rausholen – er will sie einfach nicht“, sagt Susanne Meyer. Jetzt befassen sich weitere Vogel-Experten mit dem rätselhaften Kauz. Eine Lösung gibt es bisher aber noch nicht.

Den Grund für das spezielle Fressverhalten können die Tierpfleger und die Falknerin nur erraten. Sie vermuten, dass Archimedes trotz seines jungen Alters länger bei jemandem zu Hause war. Deshalb sei er auf die weißen Mäuse fixiert und damit falsch geprägt. Dass diese Theorie stimmen könnte, darauf weisen auch Schnabelverletzungen hin. „Laut Falknerin könnten diese Verletzungen zwar von einem Sturz kommen, aber auch auf eine Haltung im Käfig hinweisen“, sagt die Waldzoo-Leiterin.

Diese falsche Prägung hat für Waldkauz Archimedes jetzt ernsthafte Konsequenzen: Der Weg in die Freiheit muss warten. Und das, obwohl er mittlerweile wieder richtig gut fliegen kann, sich in den letzten zwei Monaten also prächtig erholt hat. Doch in den Wäldern der Region laufen halt nur dunkle Mäuse als Nahrungsquelle rum – und die will Archie ja nicht. Susanne Meyer: „Mit diesem dusseligen Fressverhalten wird das im Moment leider nix mit der Auswilderung.“

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