„Bier Brezel“, „Terminus Klause“, „Pilsstube Pfiff“: Immer mehr Pinten weichen teuren Szene-Bars

Kneipensterben im Bahnhofsviertel

Wo die „Pilsstube Pfiff“ vor allem Eintracht-Fans zu einem gemütlichen Bier lud, laufen die Bauarbeiten für eine Nudelbar. Foto: rf

Im Bahnhofsviertel schließen nach und nach beliebte Kultkneipen. Das ärgert viele Anwohner. Denn vor allem die als Institution geltenden Lokale, in denen man günstig Bier trinken kann, sind mittlerweile Mangelware. Von Rebekka Farnbacher

Frankfurt – Verbarrikadierte Türen und Fenster statt Bierchen am Tresen: Das Frankfurter Bahnhofsviertel verliert eine weitere beliebte Kneipe. Die „Pilsstube Pfiff“ in der Kaiserstraße hat kürzlich geschlossen. Offensichtlich wollte der Vermieter lieber anderes Publikum in den Räumen sehen. Im Januar soll dort eine japanische Nudelbar einziehen. Die Umbauarbeiten laufen bereits.

Das Schicksal der Fußball-Eckkneipe reiht sich in eine Serie von Schließungen im kleinsten Stadtteil Frankfurts ein. Erst im Mai dieses Jahres hatte die Kultkneipe „Terminus Klause“ in der Moselstraße schließen müssen. Aller Petitionen ihrer Fans zum Trotz sind auch hier Fenster und Tür mit Holzlatten vernagelt. Im vergangenen Jahr musste die „Bier Brezel“ nach 30 Jahren den letzten Zapfenstreich verkünden.

„Es ist nicht so, dass die Kneipen nicht ausreichend besucht würden, sondern sie schließen, weil die Mieten erhöht werden, sie verdrängt werden, neue Anwohner Druck wegen des Lärms machen – also sicher im Rahmen dessen, was man so Gentrifizierung nennt“, sagt Anwohner Matthias Schreyer. Alternativen, etwas trinken zu gehen, gebe es zwar, „aber halt in schicken und teuren Läden“. Für Felix Fleckenstein, der seit knapp sechs Jahren im Bahnhofsviertel lebt, sind die schicken Bars keine Alternative zu den urigen Kneipen, deren Schließung er sehr bedauert. „Wenn man gemütlich und niedrigschwellig etwas trinken gehen möchte, ohne sich den Weg durch Trauben von Anzugträgern bahnen zu müssen, gibt es im Bahnhofsviertel für mich derzeit gar keine Möglichkeit mehr. So muss ich entweder zur Biertonne an der Mainzer Landstraße oder sogar nach Bockenheim fahren, wo es die Volkswirtschaft, den „Tannenbaum“ und „Doktor Flotte“ gibt.“

Auch Ulrich Mattner, Kiez-Kenner und Vorsitzender des Gewerbevereins „Treffpunkt Bahnhofsviertel“, bestätigt diese Entwicklung. „Das Viertel wird schicker und damit die günstigen Kneipen weniger. Die Hausbesitzer wollen höhere Mieten erzielen und die können sich eben die leisten, die mit gehobener Gastro auch höhere Preise verlangen können.“ Dass die Kneipen, die von vielen als Szene-Treffpunkt gerne besucht wurden, schließen, findet Mattner zwar schade, „bei der Lage und dem wachsenden Zuzug ist das aber der normale Prozess, da kann man schlecht Kritik üben“.

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