Kirche muss sich viel mehr öffnen

Von Axel Grysczyk

Die katholische Kirche kommt nicht zur Ruhe. Immer wieder werden sexuelle Missbrauchsfälle öffentlich.

In dieser Woche kam heraus, dass Kardinal Pell, beurlaubter Finanz-Chef des Vatikans und einstiger Vertrauter von Papst Franziskus, von einem australischen Gericht des Kindesmissbrauchs schuldig gesprochen wurde. Mit jedem neuen Missbrauchsfall wird die Glaubwürdigkeit der Kirche erschüttert, bröckelt das Vertrauen und wird das unermessliche Leid, das die Kirche über Menschen gebracht hat, wahrnehmbarer. Wenn die Kirche Glaubwürdigkeit und Vertrauen zurückgewinnen und Leid zumindest nicht noch größer werden lassen will, dann muss sie endlich staatliche Ermittler zulassen.

Im Jahr 2019 und mit der Zunahme an Fällen ist es nicht mehr hinnehmbar, dass die Kirche der Justiz Fälle von Missbrauch durch Kleriker verbirgt. Auch die katholische Kirche muss Rechtsstaatsprinzipien achten. Es darf nicht mehr darum gehen, wie sich der Papst in diesem oder jenem Fall verhält und welches Urteil er fällt. Es müssen klare Regeln gelten – und das können nur die rechtsstaatlichen Grundsätze sein.

Durch ein hartes Durchgreifen bei Missbrauchsfällen durch die Kirche von Anfang an, hätte sich die Missbrauchskultur gar nicht so weit ausbreiten können. Und vor allem: Vielen Betroffenen wäre eine Menge Leid erspart geblieben. Neben dem Öffnen der Akten für staatliche Ermittler, sollte die Kirche auch intern klar nachvollziehbare Regeln aufstellen. Sie gehören ins kanonische Recht und würden verdeutlichen, dass es nicht mehr von Rang und Einfluss abhängt, wie die Kirche mit Tätern aus ihren eigenen Reihen umgeht.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare