600 Zahnpastatuben, 400 Flaschen Shampoo: Torsten Heinze aus Hanau ist Extrem-Couponer

Kick an der Kasse: Er ist Rhein-Mains verrücktester Schnäppchen-Jäger

Torsten Heinze in seinem Schlafzimmer. Hier lagert der Hanauer einen kleinen Teil seiner Beute, darunter Zahnbürsten, Duftsteine, Rasierschaum und Spülmaschinentabs. Foto: kb

Torsten Heinze ist verrückt nach Schnäppchen. Beim Einkaufen hat der Hanauer nur ein Ziel: Durch die Verwendung von Coupons möglichst wenig zu bezahlen – oder sich das Geld komplett zurückzuholen. Mittlerweile ist die Wohnung des 30-Jährigen voll mit hunderten Produkten. Von Kristina Bräutigam

Hanau – Wer die Dachgeschoss-Wohnung von Torsten Heinze betritt, fühlt sich wie in einem Supermarkt. Riesige Regale stehen im Flur und im Schlafzimmer, vollgestopft mit Waschmittel, Haarfärbemitteln, Klosteinen und Katzenfutter. Rasierer hängen feinsäuberlich aufgereiht an drei Pappaufstellern, in einem Drehständer liegen Zahnbürsten und jede Menge Feuchttücher.

Torsten Heinze hat die Produkte selbst gekauft. Bezahlt hat er dafür fast nichts. Der 30-jährige Hanauer ist Extrem-Couponer. Sein Ziel: Durch Coupons so viel Geld zu sparen wie möglich. „Früher hatte meine Mutter einen Vorratsraum. Wenn die Milch im Angebot war, hat sie eine ganze Palette gekauft. Ich bin da quasi reingewachsen“, sagt Torsten Heinze. Mit dem Couponing-Fieber infiziert sich der Hanauer vor knapp zehn Jahren. Schuld ist ein Rasierer. Das Markenprodukt ist für 4,95 Euro im Angebot. Torsten Heinze entdeckt im Internet einen 5-Euro-Coupon, kauft als Test drei Stück – und eine Viertelstunde später den kompletten Aufsteller. „Statt Geld zu bezahlen habe ich mit jedem Rasierer fünf Cent Gewinn gemacht. Das hat mich fasziniert.“ Seitdem kennt Heinze kein Halten mehr: Stundenlang durchstöbert er Prospekte und Internetseiten nach Coupons und Rabattaktionen. Alles, was mindestens 70 Prozent verspricht, wird ausgeschnitten. Hinzu kommen sogenannte Cashback-Aktionen: Der Kunde kauft ein Testprodukt, sendet den Kassenbon ein und bekommt vom Hersteller den vollen Kaufpreis zurück.  Ob Heinze die Produkte braucht, ist Nebensache. Einmal habe er sogar Damenbinden gekauft. Nur um zu testen, ob die Rabatte funktionieren. Auch ums Geld geht es dem Speditionskaufmann nicht. „Für mich zählt der Kick. Wenn ich an der Kasse stehe und der hohe Betrag sich plötzlich auf eine Mini-Summe reduziert, das ist jedes Mal aufs Neue aufregend.“

Wahre Glücksgefühle bekommt der Couponer, wenn ein Produkt aus dem Sortiment genommen und deshalb extrem reduziert wird. Als eine Drogeriekette vor ein paar Jahren ein Waschmittel im Abverkauf hat und es zusätzlich eine Coupon-Aktion gibt, nimmt sich Heinze einen Tag frei, klappert 15 Filialen ab – und schleppt am Ende 150 Packungen Waschmittel nach Hause. Knapp 100 davon sind heute noch in seiner Wohnung – neben 600 Tuben Zahnpasta, 150 Packungen Haarcoloration, 400 Shampooflaschen, 500 Stück Seife und hunderten anderer Produkte. Weil die 80-Quadratmeter-Wohnung aus allen Nähten platzt, spendet der Hanauer einen Teil seiner Produkte, Familie und Freunde dürfen zum Selbstkostenpreis im Schlafzimmer shoppen.

Mittlerweile kennen nicht nur die Kassiererinnen in den meisten Drogerien den Schnäppchen-Jäger. Auch in der Couponing-Szene ist der 30-Jährige ein echter Star: Er hat das Portal „Coupon-Palme“ gegründet, koordiniert unzählige Facebook- und Whats-App-Gruppen für Schnäppchenjäger und hat einen Stammtisch für Couponer in Hanau ins Leben gerufen. Einmal im Monat geht es außerdem zum Couponing-Stammtisch nach Düsseldorf. Viele Freundschaften sind hier entstanden, erzählt Torsten Heinze. Spätestens am Supermarktregal sind die allerdings vorbei. „Wenn mir jemand ein Produkt weggeschnappt hat, kann ich schon sauer werden.“ Trotzdem: So verbissen wie am Anfang betreibe er sein Hobby heute nicht mehr, betont der Schnäppchenjäger. Bei Fleisch kaufe er beispielsweise nur noch bio statt billig, statt Duschgel nimmt er Seife, um Plastik zu vermeiden. Neuerdings stellt Torsten Heinze sein Smartphone während der Arbeitszeit offline. „Wenn ich die vielen Rabatt-Links bekomme, juckt es mich ja doch wieder in den Fingern.“

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