Abholzung und Wilderer vertrieben Dickhäuter

So sorgt ein Kelkheimer fürs Elefanten-Glück in Malawi

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Georg Klöble mit zwei sicher gestellten Elefanten-Stoßzähnen. Um das Wildern zu unterbinden, setzt er sich in Afrika ein.

Kelkheim – Einst ist Georg Klöble nach Malawi gegangen, um Elefanten zu schützen. Als er die Wilderer zur Einsicht gebracht hatte, waren die Dickhäuter nicht mehr da. Jetzt sind sie zurück und es gibt neue Probleme. Von Axel Grysczyk

Eine leichte Brise bringt die hüfthohen Gräser ins Wanken. Mehr passiert auf den ersten Blick nicht im Thuma-Schutzgebiet in Malawi. Mächtig stehen die bis zu 40 Meter hohen Bäume in der zerklüfteten Landschaft, die von Hügeln und Felsformationen gesäumt ist. Immer wieder wird die Landschaft von 100 Meter tiefen, Wasser führenden Schluchten durchfressen. In ihrer Nähe öffnet sich der dichte Wald und freie Flächen geben Grasfressern eine Heimat. Kudus, afrikanische Antilopen, nutzen die Leckereien. Und hin und wieder trottet mal einer der rund 100 hier lebenden Elefanten bei 40 Grad in der Trockenzeit vorbei. Das war nicht immer so. Noch vor 20 Jahren gab es in dem damals 20 Kilometer im Durchmesser großen Gebiet keinen der Dickhäuter mehr. Dass sie wieder da sind, liegt an Georg Klöble aus Kelkheim.

Klöble ist schon als Kind von Afrika besessen. Seitdem er Einklebbildchen eines Margarineherstellers sammelt und damit die Geschichte von Tom, der nach Afrika geht, vervollständigt. Er probiert alles: Bewirbt sich bei Grzimek, kann aber den Flug in die Serengeti nicht bezahlen. Dann erbt er ein Grundstück, verkauft es und macht sich wie sein Kindheitsheld Tom auf nach Afrika.

Bestände Afrikanischer Elefanten schrumpfen drastisch

Elfenbein ist beliebt. Foto: Ahmad Yusni
Elfenbein ist beliebt. Foto: Ahmad Yusni © Ahmad Yusni
Eine Elefantenherde flüchtet im Kagera Nationalpark im Nordosten von Ruanda vor einem Militärhubschrauber der ruandischen Luftwaffe. Foto: Wolfgang Langenstrassen/Archiv
Eine Elefantenherde flüchtet im Kagera Nationalpark im Nordosten von Ruanda vor einem Militärhubschrauber der ruandischen Luftwaffe. Foto: Wolfgang Langenstrassen/Archiv © Wolfgang Langenstrassen
Die Elefantenbestände schrumpfen unter anderem durch Wilderei. Foto: Ahmad Yusni
Die Elefantenbestände schrumpfen unter anderem durch Wilderei. Foto: Ahmad Yusni © Ahmad Yusni
Mehr als 100 Tonnen Elfenbein stehen im Mai in Flammen. Kenias Präsident Uhuru Kenyatta will damit ein Zeichen gegen Wilderei setzen. Es ist die größte Menge an Elefantenstoßzähnen, die jemals vernichtet wurde. Foto: Dai Kurokawa
Mehr als 100 Tonnen Elfenbein stehen im Mai in Flammen. Kenias Präsident Uhuru Kenyatta will damit ein Zeichen gegen Wilderei setzen. Es ist die größte Menge an Elefantenstoßzähnen, die jemals vernichtet wurde. Foto: Dai Kurokawa © Dai Kurokawa
Verbrennungsaktion in Kenia: Rund 35 000 Elefanten wurden 2015 nach Angaben der Organisation African Wildlife Foundation auf dem afrikanischen Kontinent getötet. Foto: Dai Kurokawa
Verbrennungsaktion in Kenia: Rund 35 000 Elefanten wurden 2015 nach Angaben der Organisation African Wildlife Foundation auf dem afrikanischen Kontinent getötet. Foto: Dai Kurokawa © Dai Kurokawa

Von 1984 bis 2003 lebt er in Malawi. Zunächst arbeitet Klöble in der Entwicklungshilfe, später im Tourismus. Er baut eine kleine Lodge auf und bietet Ausflüge im ganzen Land an. Das hat einen entscheidenden Vorteil. „Der Hauptgrund nach Afrika zu gehen, war für mich immer der Naturschutz. Zunächst habe ich mir vorgenommen, alle Schutzgebiete Malawis kennenzulernen. Dazu habe ich auch Touristen-Gruppen mitgenommen“, erzählt der heute 62-Jährige.

1992 hat er das Schlüsselerlebnis: Klöble durchstreift das Thuma-Schutzgebiet und entdeckt 40 niedergemetzelte Elefanten. Die Stoßzähne sind herausgerissen. Klöble beginnt eine Mission, die ihn noch heute zwei bis drei Stunden Arbeit täglich, viele Wochenenden und endlose Nächte Arbeit kostet. Er gründet die „Wildlife Action Group“ und hat nur ein Ziel: Den Elefanten in Thuma wieder ein Zuhause zu geben.

Abholzung und Wilderer bedrohen die Dickhäuter

Die Situation dort ist verheerend. Ein 1,5 Kilometer breiter Streifen aus Bäumen umringt das Schutzgebiet. Im Inneren sind Riesenflächen abgeholzt. Das Mahagoni-Holz bringt Geld. Genau wie das Elfenbein der Elefanten-Stoßzähne. Zahlreiche Wilderer sind unterwegs und erschießen wahllos die Kolosse, um das Elfenbein hauptsächlich nach Asien zu verkaufen. Überall gibt es Dörfer, in denen die Menschen von der Wilderei leben. All das, die Dörfer, das Wildern, das Abholzen, geschieht illegal. Klöbele: „Es wurde gedeckt durch viele korrupte Forstbeamte der Regierung.“

Klöble hat zunächst vier Mitstreiter und sie beginnen mit dem, was sie seitdem bis heute täglich tun: Überzeugungsarbeit! Die fruchtet bei einem sehr kleinen Mann. Er wirkt hager und vor allem sehr harmlos. Aber er ist der Hauptwilderer. Klöbele bringt ihn in vielen Gesprächen zur Einsicht und macht ihn zum Wildhüter. Das imponiert.

Die Letzten ihrer Art - Auf Safari im Krüger-Nationalpark

Im Krüger-Park kann es passieren, dass plötzlich eine Gruppe Giraffen vor dem Fahrzeug her spaziert. Foto: South African Tourism
Im Krüger-Park kann es passieren, dass plötzlich eine Gruppe Giraffen vor dem Fahrzeug her spaziert. Foto: South African Tourism © South African Tourism
Der Leopard gehört neben Elefant, Nashorn, Büffel und Löwe zu den "Big Five", die jeder Tourist auf einer Safari am liebsten sehen würde. Foto: South African Tourism
Der Leopard gehört neben Elefant, Nashorn, Büffel und Löwe zu den "Big Five", die jeder Tourist auf einer Safari am liebsten sehen würde. Foto: South African Tourism © South African Tourism
Arnulf Köhncke ist Artenschutz-Experte beim WWF Deutschland. Foto: WWF Deutschland
Arnulf Köhncke ist Artenschutz-Experte beim WWF Deutschland. Foto: WWF Deutschland © WWF Deutschland
Abends geht es auf Pirschfahrt durch das Kapama Game Reserve. Die Randzeiten des Tages sind am besten, um Tiere beobachten zu können. Foto: Philipp Laage
Abends geht es auf Pirschfahrt durch das Kapama Game Reserve. Die Randzeiten des Tages sind am besten, um Tiere beobachten zu können. Foto: Philipp Laage © Philipp Laage
Im Wasser ruht ein Flusspferd mit Schildkröten auf dem Rücken - einer der eher lustigen Anblicke im Krüger-Park. Foto: Philipp Laage
Im Wasser ruht ein Flusspferd mit Schildkröten auf dem Rücken - einer der eher lustigen Anblicke im Krüger-Park. Foto: Philipp Laage © Philipp Laage
Ein Gnu überquert die Straße - Im Krüger-Park begegnen Touristen immer wieder wilden Tieren. Foto: Philipp Laage
Ein Gnu überquert die Straße - Im Krüger-Park begegnen Touristen immer wieder wilden Tieren. Foto: Philipp Laage © Philipp Laage
Auf Rastplätzen wie diesen können die Besucher im Krüger-Park pausieren - und dennoch in der Ferne wilde Tiere beobachten. Foto: Philipp Laage
Auf Rastplätzen wie diesen können die Besucher im Krüger-Park pausieren - und dennoch in der Ferne wilde Tiere beobachten. Foto: Philipp Laage © Philipp Laage
Der Krüger-Nationalpark liegt an der Ostküste Südafrikas und erstreckt sich auf eine Länge von 350 mal 50 Kilometer. Foto: dpa-infografik
Der Krüger-Nationalpark liegt an der Ostküste Südafrikas und erstreckt sich auf eine Länge von 350 mal 50 Kilometer. Foto: dpa-infografik © 

Die Bürgermeister der kleinen Dörfer bekommen für ihre Siedlungen neue Standorte und vor allem Geld und Saatgut, wenn sie dafür sorgen, dass niemand mehr wildert. Macht es trotzdem jemand, gibt’s keinen Cent. Rund 100.000 Schlingen werden im Thuma-Gebiet entfernt. Sie sind zum Teil aus Gras, um Vögel oder Kleintiere zu fangen oder aus daumendicken Draht, um Elefanten festzuhalten.

Vier Jahre später ist das Wildern zumindest in Thuma vorbei. Die Menschen in den Dörfern haben Felder angelegt und leben von der Landwirtschaft. Klöbele hat sein Ziel erreicht, könnte man meinen. Doch das Wichtigste fehlt: Elefanten. „Das sind intelligente Tiere. Die hatten sich längst verzogen, weil’s ihnen zu gefährlich war. Thuma war zu diesem Zeitpunkt elefantenfrei“, sagt der Kelkheimer. Es dauert zwei Jahre. Rund 70 Kilometer südlich von Thuma werden die ersten Rüsseltiere gesichtet. 1998 kehren sie zurück.

Auch Elefanten können Probleme machen

Seitdem hat sich viel verändert. Das Schutzgebiet ist heute auf die Größe des Bodensees angewachsen. Die „Wildlife Action Group“ hat bis zu 100 Angestellte, die ihre Familien davon ernähren, dass sie für den Schutz von Thuma und deren Elefanten arbeiten. Außerdem bietet Klöbeles Naturschutzverein Freiwilligen-Arbeit an. Für 20 Euro am Tag werden Gäste zu Teilzeit-Naturschützern und gehen mit auf Patrouille, bauen Zäune, zählen Tiere oder machen Aufzeichnungen zu den Beständen. Und trotzdem gibt es neue Probleme. 

Es sind „diese Intelligenzbestien“, wie Klöble die Elefanten nennt. Ein älterer Bulle macht die meisten Probleme. Er ist in der Lage mit den Härchen an seinem Rüssel zu spüren, ob Strom auf den Elektrozäunen ist. Ist das der Fall, biegt er den nicht Strom führenden Draht auf den Stromdraht. Das führt zu einem Kurzschluss und der Generator schaltet ab. Der Bulle überwältigt mühelos den Zaun und zertrampelt die Felder. Klöble: „Die Leute rund um Thuma haben den Mais viel zu nah an den Zaun gebaut. Das hat der Elefant in der Nase und mal wieder Techniken gelernt, wie er an den Mais kommt.“

Spenden helfen bei der Arbeit  der Natur- und Tierschützer

56 Kilometer Zaun fehlen noch, um die Felder komplett zu schützen. Ein Meter Zaun kostet zwei Euro. Aber auch an der Westseite fehlt noch Zaun. Das sind sogar noch 75 Kilometer. Auch träumen die Natur- und Tierschützer von einer Drohne, die die Bestände automatisch zählt und einem GPS-Gerät, das wiederum die tägliche Arbeit der Wildhüter kontrolliert. Doch dafür fehlen noch einmal rund 17.000 Euro. Klöble: „Wenn wir nichts tun würden, wären die Elefanten in Afrika in 20 Jahren verschwunden.“

Spenden an: Wildlife Action Group International, Verwendungszweck: MALAWI, Konto: 3011801 Volksbank-Raiffeisenbank Mangfalltal-Rosenheim, BLZ 71160000, IBAN: DE65711600000003011801, BIC: GENODEF1VRR. Infos: www.wildlifeactiongroup.org.

Wieviel Gefühl für ihren eigenen Körper können Tiere haben? Einige Spezies schaffen es zumindest, sich im Spiegel zu erkennen. Aber geht auch mehr? Elefanten bestehen sogar den Kleinkinder-Test für Körperbewusstsein.

Afrika für Einsteiger: Der Akagera-Nationalpark in Ruanda

Am Ende kommen sie doch endlich hervor: zwei junge Elefantenbullen. Foto: Dr. Bernd Kregel
Am Ende kommen sie doch endlich hervor: zwei junge Elefantenbullen. Foto: Dr. Bernd Kregel © Dr. Bernd Kregel
Der Akagera-Nationalpark in Ruanda ist ideal für Afrika-Neulinge. Foto: Rwanda Tourism
Der Akagera-Nationalpark in Ruanda ist ideal für Afrika-Neulinge. Foto: Rwanda Tourism © Rwanda Tourism
Ausblicke wie aus dem Bilderbuch: So stellen sich viele eine Tour durch Afrika vor. Foto: Nina Zimmermann
Ausblicke wie aus dem Bilderbuch: So stellen sich viele eine Tour durch Afrika vor. Foto: Nina Zimmermann © Nina Zimmermann
In der Kilala-Ebene grast eine Büffel-Herde - einige Tiere werfen neugierige Blicke auf die Touristen. Foto: Nina Zimmermann
In der Kilala-Ebene grast eine Büffel-Herde - einige Tiere werfen neugierige Blicke auf die Touristen. Foto: Nina Zimmermann © Nina Zimmermann
Giraffen, Zebras und Impalas - solch' ein Bild wünschen sich Afrika-Besucher auf einer Safari. Foto: Nina Zimmermann
Giraffen, Zebras und Impalas - solch' ein Bild wünschen sich Afrika-Besucher auf einer Safari. Foto: Nina Zimmermann © Nina Zimmermann
Sie beobachten die Besucher ganz genau: Am Wegesrand sitzen Paviane zusammen. Foto: Nina Zimmermann
Sie beobachten die Besucher ganz genau: Am Wegesrand sitzen Paviane zusammen. Foto: Nina Zimmermann © Nina Zimmermann
Guide Bosco (l) und Fahrer Vincent bringen den Touristen den Nationalpark näher. Foto: Nina Zimmermann
Guide Bosco (l) und Fahrer Vincent bringen den Touristen den Nationalpark näher. Foto: Nina Zimmermann © Nina Zimmermann
Der Blick fällt auf eine weite Landschaft, dazwischen trotten unbeirrt zwei Zebras durch den Nationalpark. Foto: Nina Zimmermann
Der Blick fällt auf eine weite Landschaft, dazwischen trotten unbeirrt zwei Zebras durch den Nationalpark. Foto: Nina Zimmermann © Nina Zimmermann
Abseits der vorgebenen Routen geht nichts: Fahrzeuge dürfen die Wege nicht verlassen, um die Tiere nicht zu beeinträchtigen. Foto: Nina Zimmermann
Abseits der vorgebenen Routen geht nichts: Fahrzeuge dürfen die Wege nicht verlassen, um die Tiere nicht zu beeinträchtigen. Foto: Nina Zimmermann © Nina Zimmermann
Eigentlich sind sie gar nicht heimisch hier: Die ersten Giraffen waren ein Geschenk aus Kenia, heute leben 70 Tiere im Akagera-Park. Foto: Nina Zimmermann
Eigentlich sind sie gar nicht heimisch hier: Die ersten Giraffen waren ein Geschenk aus Kenia, heute leben 70 Tiere im Akagera-Park. Foto: Nina Zimmermann © Nina Zimmermann
Im Akagera-Nationalpark lässt sich gut die Wildlife-Fotografie üben. Foto: Nina Zimmermann
Im Akagera-Nationalpark lässt sich gut die Wildlife-Fotografie üben. Foto: Nina Zimmermann © Nina Zimmermann
Der Akagera-Nationalpark liegt im Osten Ruandas. Foto: dpa-infografik
Der Akagera-Nationalpark liegt im Osten Ruandas. Foto: dpa-infografik © dpa-infografik GmbH

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