Für seinen demenzkranken Vater: Sohn hofft, im Rhein-Main-Gebiet Antworten zu finden

Kasseler sucht nach seinen Vorfahren

Jörg Ruckel mit Stammbüchern seiner Familie. Der Kasseler sucht in Frankfurt nach Informationen über seine Vorfahren. Fotos: kb, nh

Der Kasseler Jörg Ruckel sucht in Frankfurt nach seinen Vorfahren. Er tut es für seinen demenzkranken Vater. Der Sohn will so viel wie möglich über ihn herausfinden. Und auch bei dem Foto einer jungen Frau hofft Jörg Ruckel auf Hinweise. Von Kristina Bräutigam

Frankfurt – Seit 20 Jahren erforscht Jörg Ruckel aus Kassel seine Familiengeschichte. Unzählige Standesämter hat er angeschrieben, Kirchenarchive durchforstet, historische Schriften entziffert, Fremde angerufen. 2000 Vorfahren und Verwandte konnte er bis heute ausfindig machen. Doch jetzt braucht der Kasseler Hilfe: Er sucht in Frankfurt nach Menschen, die seinen Vater Karlheinz kannten. Und er sucht nach einer Frau, von der er nur ein Foto hat. „Dieser Aufruf ist meine letzte Chance“, sagt der 52-Jährige. Denn die Zeit drängt: Karlheinz Ruckel ist dement, lebt mittlerweile in einem Pflegeheim. „Früher haben wir nie über seine Vergangenheit gesprochen. Das bereue ich jetzt“, sagt Jörg Ruckel. Besonders Fotos spielen eine wichtige Rolle. Durch sie erinnert sich der 76-Jährige – an Erlebnisse aus seiner Kindheit und Jugend, die Arbeit als Dekorateur und Siebdrucker. „Über die Fotos gelingt es mir, einen Zugang zu meinem Vater zu finden. Und je mehr ich über sein Leben herausfinde, um so schöner ist es für ihn“, sagt Jörg Ruckel. Karlheinz Ruckel wurde am 14. Februar 1943 in Frankfurt geboren. Bevor er mit Frau und Sohn 1966 nach Kassel zog, lebte er in der Goldsteinstraße in Niederrad. „Wenn es zum Beispiel noch alte Freunde gibt, die noch Fotos haben, wie Papa im Jazzclub ist oder bei der Bundeswehr, das wäre der Knaller“, sagt sein Sohn.

Und dann ist da noch die Suche nach der jungen Frau im weißen Kleid aus den 20er oder 30er Jahren. Jörg Ruckel weiß: Sie hieß mit Nachnamen Reifeis und war die Tochter des Frankfurters Georg Reifeis, gestorben 1969, und seiner Frau Anna, einer geborenen Matthes, gestorben 1974. „Ich habe alle Personen mit dem Namen Reifeis angerufen, aber keiner war mit ihr verwandt“, sagt Ruckel. Sein Vater erinnere sich zwar an die hübsche junge Frau auf dem Foto und auch an Besuche der Familie Matthes, die mit den Ruckels schon in den 20er Jahren in der Löhergasse in Sachsenhausen lebte. Wer die Frau ist, weiß der 76-Jährige nicht. Auch beim Standesamt bekommt Jörg Ruckel keine Infos: Da die Frau noch keine 30 Jahre tot ist, gilt die Sperrfrist.

Ums Datensammeln geht es Jörg Ruckel bei seiner Suche nicht, betont er. „Mich interessieren die Geschichten. Wie haben die Familien gelebt? Was haben sie gearbeitet?“ Der Kasseler ist sich sicher: Irgendwo in Frankfurt gibt es Nachfahren der Matthes und Reifeis oder zumindest jemanden, der die Frau und ihre Familien gekannt hat. „Ich gebe nicht auf, bis ich die letzten Puzzleteile zusammen habe.“

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