Diese Drogen finden sich in fast jedem Haushalt

Kakao statt Koks: Legale Trips erobern Szene-Clubs 

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Kranker Trend: Kakao wird wie Kokain geschnupft. Was bleibt, ist eine Riesen-Sauerei und die Gefahr einer Infektion.

Region Rhein-Main – Wer in Szene-Clubs in Rhein-Main auf die Toilette geht, findet mitunter Reste einer ganz neuen Droge: Kakaopulver. Risikofreudige Jugendliche bedienen sich immer öfter in Küche, Bad und Putzschrank – mit teils tödlichen Folgen. Von Christian Reinartz

„Es wirkt wie eine Mega-Line Koks. Nur irgendwie weicher. Dafür ist das eine ganz schöne Sauerei. 20 Minuten später hab ich Bock auf Tanzen ohne Ende und höre die Musik viel besser“ – so schildert Kakao-Konsument Tschippi aus Frankfurt in einem Drogenforum seine Erlebnisse mit dem Stoff, den eigentlich Mamas ihren Kindern morgens in die Milch rühren. Doch es geht noch kranker. Denn Kakao ist bei weitem nicht die einzige Alltagsdroge, die risikoblinde Jugendliche dieser Tage austesten. Im Internet werden sich die Köpfe heiß diskutiert und ein Erfahrungsbericht nach dem anderen gepostet. Der EXTRA TIPP hat deshalb mit dem Leiter des Giftinformationszentrums Nord, dem Toxikologen Dr. Martin Ebbecke, über die oft tödlichen Gefahren der häufigsten Haushalts-Drogen gesprochen.

Kakao

Hauptwirkstoff des Kakaos ist Theobromin, ein Stimulanz. Daneben ist Coffein enthalten, sowie Anandamide, Stoffe die körpereigenen Cannabinoiden entsprechen, und Tryptophan, das als natürliches Antidepressivum gilt. Die Wirkung wird in der Partyszene als aufputschend und leistungssteigernd beschrieben, wird das rohe Pulver durch die Nase gezogen.

Unter Experten ist die Wirkung allerdings umstritten. Allerdings ist der Genuss nicht ganz ungefährlich, denn es kann zu Infektionen kommen.

Muskatnuss

Nimmt man das Pulver der Muskatnuss zu sich, kann es zu Übelkeit, Kopfschmerzen und Benommenheit kommen. Die Menschen ziehen sich in sich selbst zurück. Die Wirkung wird mit der von Cannabis verglichen, aber mit sehr unangenehmen Nebenwirkungen. Zu den Auswirkungen können gehören: Die Unfähigkeit, klar zu denken, aber auch Euphorie, Delirium, ein verändertes Zeit- und Raum-Gefühl, Orientierungslosigkeit, Schwindel, Sprachstörungen und Halluzinationen. Dazu kommen Angstzustände, Paranoia und Panikattacken.

Fotos: Diese Lebensmittel können high machen

Drogen aus dem Kräuterbeet?  Petersilie kann in sehr großen Dosen berauschen und leicht halluzinogen wirken (nachzulesen auch in der „Enzyklopädie der psychoaktiven Pflanzen“). Schuld daran ist der enthaltene Stoff Myristricin. Im menschlichen Körper ruft er eine Wirkung hervor, die entfernt der von Ecstasy ähnelt. Allerdings müsste man dazu sehr, sehr, sehr große Mengen des Krauts verputzen. 
Drogen aus dem Kräuterbeet?  Petersilie kann in sehr großen Dosen berauschen und leicht halluzinogen wirken (nachzulesen auch in der „Enzyklopädie der psychoaktiven Pflanzen“). Schuld daran ist der enthaltene Stoff Myristricin. Im menschlichen Körper ruft er eine Wirkung hervor, die entfernt der von Ecstasy ähnelt. Allerdings müsste man dazu sehr, sehr, sehr große Mengen des Krauts verputzen.  © Valentina R. - Fotolia
Quark macht nicht nur stark, sondern auch glücklich.  Das verdanken wir den enthaltenen Exorphinen, die nicht nur dem Glückshormon Endorphin sehr ähnlich sind, sondern bei der Verdauung auch eine beruhigende und schmerzstillende Wirkung entfalten. Kein Wunder, dass sogar einige Drogensüchtige versuchen, ihre Entzugserscheinungen mit Quark zu lindern.
Quark macht nicht nur stark, sondern auch glücklich.  Das verdanken wir den enthaltenen Exorphinen, die nicht nur dem Glückshormon Endorphin sehr ähnlich sind, sondern bei der Verdauung auch eine beruhigende und schmerzstillende Wirkung entfalten. Kein Wunder, dass sogar einige Drogensüchtige versuchen, ihre Entzugserscheinungen mit Quark zu lindern. © bigacis - Fotolia
Die Muskatnuss ist in jedem gut sortierten Gewürzregal zu finden. Eine Prise im Essen ist lecker. Wer es aber übertreibt und sie grammweise zu sich nimmt, erlebt eine böse Überraschung. Bereits vier Gramm können starke Rauschzustände und Halluzinationen auslösen. Als Nebenwirkungen treten allerdings Erbrechen, Durchfall und Übelkeit sowie weitere Vergiftungserscheinungen auf. 
Die Muskatnuss ist in jedem gut sortierten Gewürzregal zu finden. Eine Prise im Essen ist lecker. Wer es aber übertreibt und sie grammweise zu sich nimmt, erlebt eine böse Überraschung. Bereits vier Gramm können starke Rauschzustände und Halluzinationen auslösen. Als Nebenwirkungen treten allerdings Erbrechen, Durchfall und Übelkeit sowie weitere Vergiftungserscheinungen auf.  © MIGUEL GARCIA SAAVED - Fotolia
Absinth-Schnaps enthält außer Alkohol auch den Wirkstoff Thujon, der euphorisierend, aphrodisierend und betäubend wirkt. In größeren Mengen kann das Nervengift Halluzinationen auslösen. Nebenwirkungen hoher Dosen sind epileptische Anfälle und Verwirrtheit. Allerdings ist der Gehalt in den Getränken gesetzlich begrenzt, sodass merkbare Wirkungen eher dem hohen Alkoholgehalt (in der Regel 45 bis 78 Prozent) des Absinths zuzurechnen sind. 
Absinth-Schnaps enthält außer Alkohol auch den Wirkstoff Thujon, der euphorisierend, aphrodisierend und betäubend wirkt. In größeren Mengen kann das Nervengift Halluzinationen auslösen. Nebenwirkungen hoher Dosen sind epileptische Anfälle und Verwirrtheit. Allerdings ist der Gehalt in den Getränken gesetzlich begrenzt, sodass merkbare Wirkungen eher dem hohen Alkoholgehalt (in der Regel 45 bis 78 Prozent) des Absinths zuzurechnen sind.  © 279photo - Fotolia
High am Frühstückstisch? Ist sehr selten, kann aber mit Mohnbrötchen oder anderen Mohnprodukten durchaus passieren. Vor allem aus dem Ausland importierter Mohn, der zudem falsch verarbeitet wird, kann von Natur aus höhere Dosen Morphin enthalten. Das euphorisierende und schmerzstillende Opiat führt zu positiven Drogentests. Wen wundert's da, dass in deutschen Gefängnissen nichts mit Mohn auf den Tisch kommt?
High am Frühstückstisch? Ist sehr selten, kann aber mit Mohnbrötchen oder anderen Mohnprodukten durchaus passieren. Vor allem aus dem Ausland importierter Mohn, der zudem falsch verarbeitet wird, kann von Natur aus höhere Dosen Morphin enthalten. Das euphorisierende und schmerzstillende Opiat führt zu positiven Drogentests. Wen wundert's da, dass in deutschen Gefängnissen nichts mit Mohn auf den Tisch kommt? © Christian Jung - Fotolia.com
Kakaopulver erobert immer mehr die Club-Szene. Hauptwirkstoff des Kakaos ist Theobromin, ein Stimulanz. Daneben ist Coffein enthalten, sowie Anandamide, Stoffe die körpereigenen Cannabinoiden entsprechen und Tryptophan, das als natürliches Antidepressivum gilt. Die Wirkung wird in der Partyszene als aufputschend und leistungssteigernd beschrieben, wird das rohe Pulver durch die Nase gezogen. Allerdings drohen Infektionen. 
Kakaopulver erobert immer mehr die Club-Szene. Hauptwirkstoff des Kakaos ist Theobromin, ein Stimulanz. Daneben ist Coffein enthalten, sowie Anandamide, Stoffe die körpereigenen Cannabinoiden entsprechen, und Tryptophan, das als natürliches Antidepressivum gilt. Die Wirkung wird in der Partyszene als aufputschend und leistungssteigernd beschrieben, wird das rohe Pulver durch die Nase gezogen. Allerdings drohen Infektionen.  © emuck - Fotolia

Felgenreiniger

Gamma-Butyrolacton, kurz GBL, wird häufig Reinigungsmitteln zugesetzt. Der Stoff sorgt für Gefühle sexueller Erregung und Euphoriezustände. In höheren Dosen wirkt GBL narkotisch. Der Stoff wird im Körper zur verbotenen Gamma-Hydroxybuttersäure (GHB/K.O.-Tropfen) umgebaut. Es macht schnell abhängig. Minimale Fehldosierungen können zu Atem- und Herzstillstand führen. Organversagen und epileptische Anfälle drohen.

Hustensaft

In der richtigen Dosierung verschafft Dextromethorphan (DXM) wohltuende Linderung des Hustenreizes. Doch verrückte Junkies kippen gleich eine Flasche weg. Die Folge: Halluzinationen, Verfolgungswahn, Schwindel, schizophrene Geisteszustände. Viele Berichte sprechen von extremen psychischen Belastungen. Am ehesten soll die Wirkung mit der von Ketamin, einem Pferdebetäubungsmittel, vergleichbar sein. Folgen des Konsums sind Verlust des Zeitgefühls, körperliche Abhängigkeit und Organschäden bis hin zur Atemlähmung und Erstickungstod.

Reisetabletten

Auch Reisetabletten sind in der normalen Dosierung ein Segen. Wird der darin enthaltene Wirkstoff Diphenhydramin überdosiert, kommt es schnell zu Horror-Halluzinationen. Oft wird von ekligen Insekten berichtet, die über den Körper krabbeln. Dazu kommen Herzrasen und epileptische Anfälle.

Deo-Spray

Eine extrem gefährliche Methode high zu werden, ist Deospray-Inhalation. Das darin enthaltene Propan- oder Butangas hindert die Blutkörperchen Sauerstoff aufzunehmen, es kommt zu einer Adrenalinausschüttung, der Rausch setzt ein. Die große Gefahr: Der Sauerstoffmangel kann schnell zur Bewusstlosigkeit führen. Zudem kann das Atemzentrum gelähmt werden, was zum Erstickungstod führt. Dazu kann es zu tödlichen Herzrythmusstörungen führen. Langfristig führt Propangas zu geistiger Verwirrung, Verlust des Gehörs und Nervenschädigungen.

Auch „Legal Highs“ sind alles andere als ungefährlich. Im Internet werden angeblich harmlose Kräutermischungen und Badesalze angeboten, die den Konsumenten - gegessen oder geraucht - einen tollen Rausch versprechen. Doch wer sie probiert, setzt in Wahrheit sein Leben aufs Spiel. 

BGH-Verhandlung: Experte vergleicht Legal Highs mit Russisch Roulette

Die Ermittler hinken häufig einen Schritt hinterher: Wird die Substanz in Deutschland verboten, verändern die Hersteller die Zusammensetzung. Foto: Fredrik von Erichsen/Archiv
Die Ermittler hinken häufig einen Schritt hinterher: Wird die Substanz in Deutschland verboten, verändern die Hersteller die Zusammensetzung. Foto: Fredrik von Erichsen/Archiv © Fredrik von Erichsen
Zwei Gutachter haben die Wirkung der umstrittenen Rauschmittel getestet, um festzustellen, ab welchem Grenzwert sie gefährlich sind. Foto: David Ebener/Archiv
Zwei Gutachter haben die Wirkung der umstrittenen Rauschmittel getestet, um festzustellen, ab welchem Grenzwert sie gefährlich sind. Foto: David Ebener/Archiv © David Ebener
Der BGH beschäftigt sich mit der Frage nach der Strafbarkeit des Besitzes oder Verkaufs einiger Mischungen. Foto: Fredrik von Erichsen/Archiv
Der BGH beschäftigt sich mit der Frage nach der Strafbarkeit des Besitzes oder Verkaufs einiger Mischungen. Foto: Fredrik von Erichsen/Archiv © Fredrik Von Erichsen
Der Angeklagte soll die Designerdrogen zum Teil aus dem Ausland bezogen haben. Foto: Franziska Kraufmann/Archiv
Der Angeklagte soll die Designerdrogen zum Teil aus dem Ausland bezogen haben. Foto: Franziska Kraufmann/Archiv © Franziska Kraufmann
Ein Tütchen der Designerdroge "Spice". Foto: Marijan Murat
Ein Tütchen der Designerdroge "Spice". Foto: Marijan Murat © Marijan Murat
Die Substanzen werden als Ersatz für illegale Drogen konsumiert: Häufig unterliegen sie noch nicht dem Verbot nach dem Betäubungsmittelgesetz. Foto: Frank Leonhardt/Archiv
Die Substanzen werden als Ersatz für illegale Drogen konsumiert: Häufig unterliegen sie noch nicht dem Verbot nach dem Betäubungsmittelgesetz. Foto: Frank Leonhardt/Archiv © Frank Leonhardt
Die als "Spice", "Kräutermischungen", "Düngemittel" oder "Badesalze" bezeichneten Substanzen werden häufig in Asien produziert. Foto: Boris Roessler/Archiv
Die als "Spice", "Kräutermischungen", "Düngemittel" oder "Badesalze" bezeichneten Substanzen werden häufig in Asien produziert. Foto: Boris Roessler/Archiv © Boris Roessler

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