Weil die Stadt im Nordend bauen will, droht den Hobbygärtnerinnen der Verlust ihrer Parzelle

Sie kämpfen für ihren Kleingarten

Die größte Leidenschaft von Renate Wollenhaupt, Beatrice Stöcker und Barbara Omoayere (von links) ist ihr Kleingarten. Ihn für das Neubaugebiet aufzugeben, kommt für sie nicht in Frage. F: ans

Seit elf Jahren hegen und pflegen drei Kleingärtnerinnen ihre Parzelle im Nordend. Damit könnte allerdings bald Schluss sein. Denn die Stadt will dort, wo sich der Garten befindet, bauen. Doch kampflos geben die Frauen ihre Oase nicht auf. Von Anna Scholze

Frankfurt – Seit elf Jahren stecken Renate Wollenhaupt, Beatrice Stöcker und Barbara Omoayere ihr Herzblut in ihren Kleingarten im Nordend. „Wir haben sogar die Gartenhütte komplett umgestaltet“, sagt Omoayere. Doch all die Arbeit im Garten in den Cronberger Anlagen soll nun umsonst gewesen sein. Da ihr Grundstück auf dem Areal des geplanten Neubaugebietes „Günthersburghöfe“ liegt, droht ihnen der Verlust des Kleinods. „Wir gehen derzeit davon aus, dass wir 2020 den Satzungsbeschluss für das Bebauungsplanverfahren erreichen können“, sagt Mark Gellert, Sprecher des Dezernats Planen und Wohnen. Ein Bebauungsbeginn sei voraussichtlich 2021 realistisch.

Für die ehemaligen Erzieherinnen eine schreckliche Vorstellung. „Wir kämpfen seit drei Jahren gegen das Vorhaben“, sagt Omoayere. Und die Kleingärtnerinnen sind nicht allein: Als Mitglieder bei der Bürgerinitiative „Grüne Lunge“ setzen sie sich für den Erhalt der Gärten und gegen die Günthersburghöfe ein. 299 weitere Gärtner bangen neben Wollenhaupt, Stöcker und Omoayere um ihre Grundstücke.

„Wenn das neue Quartier kommt, wird unsere Lebensqualität erheblich darunter leiden“, sagt Wollenhaupt. Schließlich sei der Garten eine der wenigen Gelegenheiten, in der Stadt im Grünen zu sein. Auch haben Wollenhaupt und Omomayere nur hier den Platz, sich künstlerisch auszuleben. So stehen neben Rosensträuchern und Tomatenpflanzen Gipsfiguren. „Die könnten wir in unseren Wohnungen niemals herstellen“, sagt Omoayere.

Mark Gellert kennt die Sorgen der Kleingärtner. „Wir versuchen, die Garten auf dem Areal der Günthersburghöfe mit einzuplanen“, sagt Gellert. Es könne jedoch sein, dass die Parzellen dann an anderer Stelle liegen. Ein schwacher Trost für die drei Frauen. „In dem neuen Wohngebiet sind wir dann nur noch von Beton umgeben“, sagt Stöcker. Zudem könnten sie sich nicht vorstellen, in ihrem Alter noch einmal von vorne zu beginnen.

Nicht ganz ausgeschlossen ist , dass die Frankfurterinnen einen Ersatzgarten in einem anderen Stadtteil bekommen. „Doch dann müssten wir mit dem Auto fahren“, sagt Omoayere. Doch keine von ihnen besitze eines. Deshalb steht für das Trio fest: Sie werden weiter für ihren Garten kämpfen.

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