Immer mehr Immobilienmakler kommen – und gehen wieder

Häuser vermitteln leicht gemacht? Im Kreis Offenbach hoffen immer mehr Makler auf das schnelle Geld. F: Revierfoto/nh

Von Axel Grysczyk und Anna Scholze.

Im Kreis Offenbach hoffen immer mehr Immobilienmakler auf das schnelle Geld. Doch der Traum ist schnell ausgeträumt. Gründe hierfür sind laut Experten mangelndes Wissen und ein fehlendes Netzwerk.

Kreis Offenbach – Es ist der Traum vom schnellen Geld. In vielen Städten im Kreis Offenbach siedeln sich immer mehr Immobilienmakler in Büros an. In Seligenstadt sind es 18, in Heusenstamm elf und in Dietzenbach 15. Die Makler-Platzhirsche beobachten die Lage genau, unruhig wegen des Zuwachses werden sie nicht. Denn so schnell die Büros entstehen, so schnell verschwinden sie auch wieder, heißt es in der Branche. Nach Beobachtungen von Frank Alexander vom Immobilienverband Mitte (IVD) haben viele neu gegründete Büros eine Überlebensdauer von drei Jahren. Grund dafür ist, laut eines Maklers aus Seligenstadt, die fehlende Verwurzelung der Neugründer. Viele langjährige Makler haben sich über Jahrzehnte Beziehungen zu Kunden aufgebaut und kennen die Strukturen in bestimmten Vierteln. Wer sein Büro neu eröffne, dem fehle dieses Netzwerk zunächst. Oft bleibe nur der Ausweg, bei privaten Anbietern im Internet anzurufen und seine Makler-Dienste anzubieten. Hinzu kommt laut Frank Alexander, dass die Verkäufer den derzeitigen Boom auf dem Markt ausnutzen. Er sagt: „Die Preise, die derzeit aufgerufen werden, sorgen für eine längere Vermarktungsdauer.“ Das könne für neu gegründete Makler-Büros, denen bereits die Luft auszugehen drohe, gravierende Folgen haben.

„Die Situation wird noch schlimmer, wenn das sogenannte Bestellerprinzip kommt“, sagt Alexander. Dann sind es nicht mehr die Käufer, die den Makler bezahlen müssen, sondern die Verkäufer. „Das werden sie nur machen, wenn der Makler etabliert ist und ein gewisses Know-how mitbringt“, sagt das IVD-Vorstandsmitglied. Gerade letzteres fehle jedoch vielen Neugründern.

Grund dafür seien die niedrigen Einstiegsmöglichkeiten ins Immobilienmakler-Geschäft. Lange Zeit genügte eine Gewerbeanmeldung, um ein Büro zu eröffnen. Seit 2018 sind Makler auch zu einer Weiterbildung verpflichtet. „Das ist schon mal ein kleiner Schritt“, sagt Alexander. „Der IVD als Verband hat sich jedoch deutlich mehr gewünscht.“ Es müsse zur Berufsausübung einen Qualifikationsnachweis geben. „Das würde die Qualität beim Einsteiger sicherlich erhöhen“, sagt der Makler.

Ging es nach Alexander, würde sich Deutschland ein Beispiel an Österreich nehmen. „Dort müssen die Makler zuerst zwei Jahre in einem bereits bestehenden Büro Erfahrungen sammeln und eine Prüfung ablegen, bevor sie sich selbstständig machen dürfen.“ Das fehlende Wissen vieler Immobilienmakler in der Region werfe ein schlechtes Licht auf die Branche. „Wenn der Kunde feststellt, dass ihm entscheidende Informationen nicht geliefert werden können und das unter Umständen bei drei verschiedenen Büros, wird er sich gegen einen Makler entscheiden“, sagt Alexander. Es gehe um Qualität, nicht um Quantität. Alexander: „Für Gemeinden wie Seligenstadt sind zehn Immobilienmakler-Büros eine angemessene Zahl.“

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