Zerfetzte Hände, Knalltrauma, Tinnitus, Schock:

15-Jähriger hofft, hinterhältige Silvester-Täter zu finden

+
Fabian Walendie drei Wochen später mit Mutter Natascha. Auf den Fotos unten zeigt er seine Hände, kurz nachdem er auf einem Offenbacher Spielplatz aus dem Hinterhalt beschossen wurde.

Offenbach – Fabian Walendie erlebt auf einem Spielplatz in Offenbach den Schock seines Lebens. Unbekannte feuern eine Silvesterrakete auf ihn ab. Sie zerfetzt die Haut seiner Hände. Seitdem hat sich viel für den Schüler verändert. Von Oliver Haas

„Das war versuchter Mord!“ Die Offenbacherin Natascha Walendie findet drastische Worte, wenn sie daran denkt, was ihrem Sohn am Neujahrstag passiert ist. Sie wendet sich jetzt an die EXTRA TIPP-Leser, um Hinweise auf die Täter zu bekommen, denn die Ermittlungen der Polizei waren bisher erfolglos. Es ist der blanke Horror, was der Neuntklässler erzählt. Mit seinem 13-jährigen Kumpel ist der damals 14-Jährige gegen 16.45 Uhr unterwegs. Auch sein jüngerer Bruder Tobias ist dabei. „Am Spielplatz an der Blücherstraße hörte ich plötzlich das Zischen einer Rakete“, erinnert sich Fabian. Nicht ungewöhnlich am Tag nach Silvester. Doch das Geräusch wird immer lauter. Dann geht alles blitzschnell. Er dreht sich herum. Die Funken schlagende Rakete rast auf ihn zu. Reaktionsschnell reißt er die Arme hoch. Der Raketenkopf explodiert, die Flamme frisst sich in die Haut seiner Hände. Sekunden später folgt eine zweite Explosion.

„Ein Polizist erklärte uns, dass das ein Kennzeichen einer sogenannten Doppelschlag-Rakete sei“, sagt Fabians Mutter. Wer sie abgefeuert hat, können die drei Jungs nicht erkennen. Fünf Minuten später steht Fabian blutüberströmt und mit zerfetzten Händen kreidebleich im Flur seiner Mutter. Er ist kurz davor umzukippen. Für Fabian folgt eine schmerzhafte Tortur. Er muss fast täglich zum Arzt. Wird mit Schmerzmitteln vollgepumpt. In der Uni-Klinik Frankfurt wird er drei Tage stationär behandelt. Durch die Explosion erlitt er schwere Verbrennungen dritten und vierten Grades an beiden Händen, einen Hörsturz und ein schweres Knalltrauma. Auch sein Freund wurde am Ohr verletzt. Seinem jüngeren Bruder passiert nichts. Fabian hat durch seine schnelle Reaktion wohl weitere Verletzungen der beiden anderen Jungs heldenhaft verhindert. „Den Anblick meines blutverschmierten Sohnes werde ich nie vergessen. Ich habe heute noch Albträume davon“, sagt seine Mutter. Ob Fabian langfristige Schäden bleiben, könnten Ärzte noch nicht sagen.

Nach wie vor leidet er unter Tinnitus, einem Pfeifen im Ohr. Außerdem sind da noch die seelischen Schmerzen. „Er ist seitdem sehr verschlossen. Zuckt zusammen, wenn eine Tür knallt. In die Nähe des Spielplatzes geht er nicht mehr. Sein Schulweg läuft direkt daran vorbei, aber er geht lieber einen Umweg. Seine Mutter ist sicher: „Das war ein gezielter Anschlag auf meinen Sohn. Auf dem Spielplatz, wo das passiert ist, kann das kein Irrläufer gewesen sein.“ Wer sich die Stelle anschaut, kann die Gedanken der Mutter nachvollziehen. Rund um den Tatort reiht sich ein Wohnhaus ans andere. Die Rakete könnte also hinterhältig aus einem der Fenster auf die Jungs abgefeuert worden sein. Andere Theorie: Richtung Spielplatz führt ein schmaler Gang. Dort hätte jemand die Rakete abschießen und verschwinden können.

Die Polizei tappt im Dunkeln. Es sei unklar, wie es zur Verletzung kam. Sie ermittelt wegen schwerer Körperverletzung und Herbeiführen einer Sprengstoffexplosion. Sprecherin Andrea Ackermann: „Wem was aufgefallen ist, soll sich melden. Man denkt sich ja nichts dabei, wenn an Neujahr noch geknallt wird, aber durch das Ereignis ist jeder Hinweis wichtig.“ Wer etwas beobachtet hat, soll sich melden unter Tel.: 069/8098-1234.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion