Hunde töten Reh: Jäger ärgern sich über ignorante Halter

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"Schilder bringen nichts": Jörg Viel, Jagdaufseher der Stadt Erlensee, ärgert sich über uneinsichtige Hundebesitzer. 

Hunde haben in Groß-Zimmern ein trächtiges Reh getötet. Kein Einzelfall: Auch in anderen Städten und Gemeinden sind freilaufende Hunde ein großes Problem. Am 1. März hat die Brut- und Setzzeit begonnen. Doch selbst das interessiert viele Halter nicht. Von Kristina Bräutigam

Region Rhein-Main – Es ist ein grausamer Anblick: Am Hals und den Hinterläufen des Rehs klaffen offene Wunden, bis zum Knochen ist das Fleisch weggerissen. „Das Reh hatte keine Chance“, sagt Giuseppe Azzarello, Ordnungsamtsmitarbeiter der Gemeinde Groß-Zimmern. Er ist sich sicher: Freilaufende Hunde haben das trächtige Tier gehetzt und totgebissen. „Vermutlich waren es zwei Hunde mit Jagderfahrung. Einer hat das Reh vorne, einer hinten festgehalten“, sagt Azzarello.

Vermutlich zwei Hunde töteten die trächtige Ricke.

Für den 56-Jährigen, der als einer von vier Revierpächtern für die Hege und Pflege der Wildtiere im Gemeindegebiet zuständig ist, ist das Maß voll. „Die Leute lassen ihre Hunde freilaufen, ohne Rücksicht auf Verluste. Es wird immer schlimmer!“ Drei bis vier totgebissene Rehe finden Azzarello und seine Kollegen pro Jahr. Die Dunkelziffer sei allerdings viel höher. „Viele Tiere können schwer verletzt flüchten und verenden, ohne dass wir sie finden.“ Viele Hundehalter interessiere das jedoch nicht. „Stattdessen muss man sich dumme Bemerkungen anhören und beschimpfen lassen“, sagt Azzarello, der selbst Hundebesitzer ist. 

Mit Sorge blickt der der Revierpächter auf die kommenden Monate: Denn am 1. März hat die Brut- und Setzzeit begonnen, in der viele Vögel brüten und Wildtiere wie Rehe, Feldhasen und Kaninchen ihren Nachwuchs zur Welt bringen. In den meisten Städten und Gemeinden in Rhein-Main gilt deshalb bis zum 30. Juni auf allen Feldern, Wiesen und in den Wäldern Leinenpflicht . Doch auch die scheint viele Hundehalter nicht zu interessieren. „Immer häufiger stören, beunruhigen oder verletzen frei laufende Hunde brütende Vögel oder trächtige Tiere und ihre Jungen. Zum Teil werden Tiere auch getötet“, sagt Mathias Geiger, Bürgermeister der Stadt Eschborn.

Dass Schilder und Appelle nicht viel bringen, davon kann auch Jörg Viel, Jagdaufseher der Stadt Erlensee (Main-Kinzig-Kreis) ein Lied singen. „70 Prozent der Halter sind beratungsresistent. Hauptsache, der eigene Hund kann laufen, alles andere interessiert sie nicht.“ Im vergangenen Frühjahr wundert er sich, dass die Schilder, die rund um Erlensee auf die Brut- und Setzzeit hinweisen, zerstört wurden. Jörg Viel hatte sie extra mit Plexiglasscheiben gesichert. Trotzdem wurden sie runtergerissen. „Die Schilder standen mitten im Wald. Das waren Hundebesitzer, denen die Leinenpflicht nicht gepasst hat“, ist er sich sicher. Den Jagdaufseher ärgert die Ignoranz maßlos. „Zur Zeit haben wir sechs bis acht Wochen junge Frischlinge im Wald. Und bald legen die Ricken ihren Nachwuchs ab. Die Kitze haben kein Fluchtverhalten. Hunde sind ihr Todesurteil.“

Und nicht nur für Wildtiere sind freilaufende Vierbeiner eine Gefahr: Werden Rehe oder Wildschweine gehetzt, flüchten sie oft in Panik auf die Straße und werden von Autos erfasst. In der Stadt Erlensee, die an der A66 und A45 liegt, ist das ein großes Problem: „Ich finde immer wieder tote Tiere an Stellen, die weit weg von ihrem Revier sind“, sagt Jörg Viel. Im vergangenen Jahr muss er ein verendetes Reh aus dem Zaun am THW-Gelände befreien. Das Tier war in seiner Panik steckengeblieben, ein Hunde hatte es komplett aufgerissen.

In den kommenden Wochen wird Jörg Viel verstärkt im Wald unterwegs sein; auch die Jäger und Ordnungsamtsmitarbeiter werden ihn unterstützen. Halter, die die Leinenpflicht mehrfach ignorieren, müssten mit einer Anzeige rechnen. „Wer meint, sein Hund muss sich austoben, der soll mit ihm an der Leine joggen gehen oder Fahrradfahren. Alles andere werden wir nicht länger tolerieren.“

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