Happy End für den Vierbeiner

Hund ohne Ohren: Neue Familie für Hektor

+
André und Carolin Zwingmann freuen sich auf Hund Hektor. 
  • schließen

Im Internet ist Hektor wegen seines schrecklichen Schicksals längst eine Berühmtheit. Einer seiner Vorbesitzer hatte ihm die Schlappohren abgeschnitten. Zwei Jahre lebt der Arme nun schon im Tierheim und hofft auf ein neues Zuhause. Jetzt hat das Warten ein Ende.

Oberursel – So niedlich sieht ein Happy End aus! Wenn Carolin und André Zwingmann aus Friedrichsdorf an seinen Käfig kommen, gibt es für Hektor kein Halten mehr. Eilig kommt der American Staffordshire Terrier angewackelt, wedelt wild mit dem Schwanz und leckt aufgeregt über die Hand seines neuen Frauchens. Der viereinhalbjährige Rüde spürt, dass er gerade Besuch von seiner künftigen Familie bekommt.

Die beiden kennen Hektor schon länger: Seit sieben Jahren sind sie Gassigänger im Tierheim Hochtaunus in Oberursel, wo auch Hektor seit zwei Jahren untergebracht ist. Für ihre Spaziergänge nehmen sie ihn immer mal wieder mit – manchmal sogar viermal pro Woche. Inzwischen gibt’s eine enge Bindung zwischen dem Paar und dem Hund, der eine grausame Vergangeheit hat. Denn einer seiner Vorbesitzer hat dem Stafford-Rüden brutal die süßen Schlappohren abgeschnitten. Tierheimleiterin Nicole Werner erklärt die schreckliche Praxis: „Das machen viele Liebhaber solcher Hunde. Sie finden, dass das cool aussieht.“ Zwar ist mittlerweile alles verheilt, aber zumindest im Winter muss Hektor seitdem eine Mütze tragen.

Nur noch Stummel: Hektor wurden die Ohren abgeschnitten.

Die Friedrichsdorfer schließen den Rüden schnell in ihr Herz. „Wir haben schon länger überlegt: Sollte unsere Hündin sterben und Hektor ist noch da, dann würden wir ihn mitnehmen“, sagt André Zwingmann. „Und jetzt ist sie eben vor etwa vier Wochen gestorben. Da haben wir nach ihm gefragt.“ Nun darf sich der Vierbeiner auf einen Garten, nahegelegene Felder und Wälder und jede Menge Hundefreunde in seiner neuen Nachbarschaft freuen.

Doch die Vorbereitungen bis zum Einzug dauern Wochen. Grund dafür sind die bürokratischen Auflagen, die das Paar erfüllen muss, weil Hektor ein Listenhund ist: Unter anderem die Anmeldung bei der Stadt und ein Antrag auf Haltegenehmigung. Carolin Zwingmann: „Außerdem muss Hektor einen Wesenstest machen, der alle vier Jahre wiederholt wird. Und auch wir müssen eine Sachkundeprüfung mit ihm machen – in Theorie und Praxis.“ Dazu kommen höhere Listenhund-Steuern und eine Hundehaftpflichtversicherung. „Aber eigentlich wäre es sinnvoll, dass alle Hundehalter einen Hundeführerschein machen“, sagt André, der sich wie seine Frau für die Abschaffung der Rassenliste starkmacht. Dann würden mehr Leute diese Hunde aufnehmen, ist er sicher. „Wir hoffen, dass es jetzt schnell geht, wenn wir alle Unterlagen bei der Stadt abgeben“, sagen die Zwingmanns. „Und wir Hektor dann endlich zu uns holen können.“

Von Julia Oppenländer

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare