Hohe Kosten, zu wenige Spenden: Kaninchen-Retterin droht das Aus

Rammler Simon wurde ausgesetzt und wartet auf ein neues Zuhause.

Seit 14 Jahren kümmert sich Birgit Saller aus Egelsbach um Kaninchen in Not. Doch jetzt braucht die Langohr-Retterin selbst Hilfe: Sie kann die Kosten für Futter und Medikamente nicht mehr aufbringen. Die Zukunft der Kaninchen-Insel ist ungewiss. Von Kristina Bräutigam

Egelsbach – In der Kaninchen-Insel herrscht Hochbetrieb. Munter hoppeln die Langohren durch das große Gehege im Garten, auch im Keller ist der riesige Käfig voll. „Zur Zeit habe ich 38 Tiere“, sagt Birgit Saller. Seit 15 Jahren kümmert sich die Egelsbacherin um Kaninchen in Not. Die meisten stammen aus schlechter Haltung, andere wurden ausgesetzt oder misshandelt. In der Kaninchen-Insel werden die Langohren aufgepäppelt und in gute Hände weitervermittelt. Doch jetzt droht der Auffangstation das Aus. Schuld sind die hohen Kosten, die Birgit Saller über den Kopf wachsen. 800 Euro kostet die Versorgung der Tiere durchschnittlich pro Monat, 70 Salatköpfe und 50 Kilo Karotten fressen die Kaninchen pro Woche. „Im Sommer kann ich große Mengen beim Erzeuger vor Ort abnehmen. Aber in den Wintermonaten muss ich im Supermarkt einkaufen. Und das ist teuer“, sagt Saller, die hauptberuflich als Bürokauffrau arbeitet. Hinzu kommen die Ausgaben für Heu und Stroh sowie die extrem hohen Tierarztkosten. Erst Ende 2018 hatten tierische Notfälle ein riesiges Loch in den Geldbeutel der Kaninchenretterin gerissen. Doch schon im Frühjahr müssen alle Tiere gegen Seuchen geimpft werden. Kosten: Zwischen 60 und 100 Euro pro Kaninchen. „Ich weiß gerade nicht, woher ich das Geld nehmen soll“, sagt Birgit Saller. Am Mittwoch hat sie eine Häsin mit sechs Jungen aufgenommen, die von ihren Besitzern unter katastrophalen Bedingungen gehalten wurden. Die Egelsbacherin hofft, dass die Babys weiblich sind. Denn das Kastrieren kostet 85 Euro pro Tier.

Helfen würden regelmäßige Spenden. Doch die werden seit Jahren immer weniger. „Es gibt so viele Aufrufe in den Medien. Ich denke, dass viele Menschen einfach eher für Flüchtlingsprojekte oder Kinder in Not spenden. Das ist auch richtig so. Aber uns fehlt das Geld.“ Weil die Kasse leer ist, hat Birgit Saller bereits ihr Erspartes in die Kaninchen-Insel gesteckt. Trotzdem musste sie jetzt eine Entscheidung treffen und hat vorerst einen Aufnahmestopp verhängt. Leicht gefallen ist ihr das nicht. „Wenn ich jemanden wegschicke, habe ich immer die Befürchtung, dass die Tiere an der nächsten Ecke ausgesetzt werden.“ Um das zu verhindern, versucht die 57-Jährige, die Mümmelmänner an die Tierheime zu vermitteln. Doch die haben selbst keinen Platz. „Die Tierheime arbeiten sind genauso am Limit. Oft bitten sie mich, ihre Kaninchen aufzunehmen.“

Um die drohende Pleite doch noch abzuwenden, braucht Birgit Saller nicht nur Patenschaften, Geld- und Futterspenden, sondern vor allem neue Besitzer für die vielen Tiere. Doch die Langohren dem nächstbesten Interessenten zu überlassen, kommt für sie nicht in Frage: Jedem Kaninchen muss mindestens eine Fläche von drei Quadratmetern auf einer Ebene zur Verfügung stehen, außerdem soll mindestens ein Partnertier vorhanden sein. „Wer ein Kaninchen allein im Käfig halten will, ist bei mir an der falschen Adresse“, sagt Saller, die im Ort von allen Hasi-Oma genannt wird. Aufgeben kommt trotz der Sorgen nicht infrage. „Vielleicht muss ich mich verkleinern. Aber die Kaninchen-Insel schließen, das kann ich nicht.“

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