Neue Arbeitsgruppe zum Schutz von Senioren gegründet

Hochtaunus: Polizei macht Jagd auf Betrüger

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Hochtaunus - Falsche Enkel, falsche Polizisten, falsche Handwerker: Seit Mitte 2016 suchen sich immer mehr Kriminelle gezielt Senioren als Opfer aus. Die Polizei im Hochtaunuskreis gründet deshalb die Arbeitsgruppe „SÄM“ und will vor allem Jagd auf Trickbetrüger machen.

Gerade in den vergangenen Monaten häufen sich auch im Hochtaunuskreis die Fälle mit Anrufen von angeblichen Polizeibeamten oder Verwandten. Die Unbekannten versuchen Senioren in Gesprächen möglichst viele Informationen über Vermögensverhältnisse zu entlocken. Hinter diesen fingierten Telefonaten stecken oft Banden, die überregional agieren. Zwar hatte ihre Masche bislang nur in wenigen Einzelfällen tatsächlich Erfolg, der Schaden ist für die Betroffenen trotzdem immens. 

Vor diesem Hintergrund hat die Polizeidirektion Hochtaunus am 1. Juni eine Arbeitsgruppe, die „AG SÄM“ (Straftaten zum Nachteil älterer Menschen), eingerichtet. Das Team aus Spezialisten der Kriminal- und Schutzpolizei will künftig Straftaten durch gezielte Präventionsarbeit verhindern und die Maschen effektiv bekämpfen. Darüber hinaus stehen die Mitarbeiter der Arbeitsgruppe den Bürgern auch als Ansprechpartner zur Verfügung. Die „AG SÄM“ ist ab sofort unter 06172 1200 erreichbar.

30 Fälle mit falschen Polizisten innerhalb kurzer Zeit

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Wie notwendig die Arbeit der Beamten ist, zeigt auch ein Blick in den aktuellen Polizeibericht. So setzten angebliche Polizeibeamte ihre Anrufe bei Bürgern fort. Weit über 30 Fälle wurden in und rund um Bad Homburg und Königstein registriert. Die Betrüger gaben an, dass es der Polizei Bad Homburg gelungen sei, „eine Bande von Einbrechern festzunehmen“. Bei den Kriminellen seien auch Notizbücher mit den Adressen der Angerufenen sichergestellt worden. Zur Vorsicht sollten die Senioren den falschen Beamten ihre Vermögensverhältnisse offen legen und ihr Bargeld beziehungsweise ihre Ersparnisse vorsorglich an die angeblichen Polizisten übergeben. In allen aufgenommenen Fällen reagierten die Betroffenen allerdings einzig richtig: Sie fielen nicht auf die Geschichte herein, sondern informierten stattdessen die echte Polizei. 

Tipps: So fallen sie nicht auf den Enkeltrick rein!

Enkeltrickbetrüger gehen immer gleich vor: Sie suchen sich ihre Opfer aus dem Telefonbuch. Deshalb: Eintrag entfernen lassen!
Enkeltrickbetrüger gehen immer gleich vor: Sie suchen sich ihre Opfer aus dem Telefonbuch. Deshalb: Eintrag entfernen lassen! © dpa
Die Geldforderung ist immer dringend. Nicht unter Druck setzen lassen! Lieber ein weiteres Telefonat ausmachen und die Situation überdenken – das schreckt die meisten Betrüger schon ab.
Die Geldforderung ist immer dringend. Nicht unter Druck setzen lassen! Lieber ein weiteres Telefonat ausmachen und die Situation überdenken – das schreckt die meisten Betrüger schon ab. © dpa
Ältere Menschen sollten sich am Telefon nicht ausfragen lassen. Auch niemals Namen nennen!
Ältere Menschen sollten sich am Telefon nicht ausfragen lassen. Auch niemals Namen nennen! © dpa
Bevor sie auf die Forderungen eingehen, immer erst die Verwandtschaft kontaktieren. Hilfreich ist dafür eine Telefon-Liste mit den wichtigsten Nummern. Auch die Polizei steht telefonisch helfend zur Seite. Notrufnummer: 110.
Bevor sie auf die Forderungen eingehen, immer erst die Verwandtschaft kontaktieren. Hilfreich ist dafür eine Telefon-Liste mit den wichtigsten Nummern. Auch die Polizei steht telefonisch helfend zur Seite. Notrufnummer: 110. © dpa
Auch Nachfragen, die Misstrauen zeigen, schrecken Betrüger schnell ab.
Auch Nachfragen, die Misstrauen zeigen, schrecken Betrüger schnell ab. © fotolia.com
Auch ein Gespräch mit den Bank-Angestellten kann Schlimmeres verhindern. Geben Sie den Angestellten die Erlaubnis, die Familie zu kontaktieren, wenn ein größerer Geldbetrag abgehoben werden soll.
Auch ein Gespräch mit den Bank-Angestellten kann Schlimmeres verhindern. Geben Sie den Angestellten die Erlaubnis, die Familie zu kontaktieren, wenn ein größerer Geldbetrag abgehoben werden soll. © dpa
Und wenn Senioren im Bekannten- oder im Verwandtschaftskreis trotzdem den Enkeltrickbetrügern zum Opfer fallen, ist es wichtig ihnen im Nachhinein keine Vorwürfe zu machen und sie ernst zu nehmen.
Und wenn Senioren im Bekannten- oder im Verwandtschaftskreis trotzdem den Enkeltrickbetrügern zum Opfer fallen, ist es wichtig ihnen im Nachhinein keine Vorwürfe zu machen und sie ernst zu nehmen. © dpa

In einem Fall wurden die Geschädigten allerdings erst misstrauisch, nachdem sie am Donnerstag in der örtlichen Presse einen Bericht über diese Art des Trickbetrugs gelesen hatten. Eine bereits verabredete Geldübergabe mit einer hohen Summe kam dadurch nicht zustande.

Erfundener Gewinn kostet Friedrichsdorferin viel Geld

Ein falsches Gewinnversprechen wurde in der vergangenen Woche dagegen einer Frau aus Friedrichsdorf-Köppern zum Verhängnis. Erst nach Ausbleiben der versprochenen Gewinnsumme in Höhe von über Hunderttausend Euro dämmerte ihr, Opfer eines Betrugs geworden zu sein. Zu diesem Zeitpunkt hatte sie allerdings schon mehrere Tausend Euro an die Kriminellen verloren. 

Die Betrüger hatten sich Ende Mai bei der Frau gemeldet und ihr einen hohen Gewinn in Aussicht gestellt. Für die notarielle Abwicklung sollte sie allerdings eine Gebühr bezahlen. Sie tat wie ihr geheißen und ließ den Tätern per Guthabenkarte und Bargeldtransfer die Summe zukommen. Als sie daraufhin eine Woche nichts mehr von ihrem Gewinn hörte, alarmierte sie die Polizei. 

Angebliche Notarin versucht in Kronberg ihr Glück

Mit einer ähnlichen Masche versuchten unbekannte Betrüger am Mittwochmorgen eine Frau aus Kronberg-Oberhöchstadt zu überlisten. In diesem Fall meldete sich telefonisch eine vermeintliche Notarin „Frau Seiler“. Sie teilte der Angerufenen mit, dass diese in einem Gewinnspiel 80.000 Euro gewonnen habe. Für die weitere Abwicklung bis zur Auszahlung müsse die Frau aber zunächst 950 Euro an eine Kontaktperson im Ausland überweisen. Die Angerufene verständigte stattdessen sofort die Polizei.

Nicht immer stößt das Vorgehen der Polizei auf Verständnis bei den Bürgern. Warum zum Beispiel viele Fahndungsfotos erst Monate nach der Tat veröffentlicht werden, haben Experten im EXTRA TIPP erklärt.  red/skk

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